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Wednesday, October 21, 2026

Darmstadt gibt Kohfeldt Rückendeckung - Schuhen übt verheerende Kritik

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Der SV Darmstadt 98 muss im Heimspiel gegen St. Pauli mindestens punkten, um nicht noch tiefer in den Abstiegsstrudel zu geraten. Die Luft am Böllenfalltor wird dünner - auch wenn das Präsidium Trainer Florian Kohfeldt und Sportgeschäftsführer Paul Fernie das Vertrauen ausspricht.

Steht trotz Rückendeckung unter Zugzwang: Lilien-Coach Florian Kohfeldt

Steht trotz Rückendeckung unter Zugzwang: Lilien-Coach Florian Kohfeldt IMAGO/Nordphoto

Die aktuelle sportliche Situation ist schlecht - das konnte und wollte Vereinspräsident Markus Pfitzner bei der Mitgliederversammlung des SV Darmstadt 98 am Dienstagabend nicht verhehlen. Zwei Tage zuvor waren die Lilien beim bis dahin alles andere als überzeugenden Karlsruher SC nach einer blutleeren Leistung mit 0:4 untergegangen und auf Rang 17 zurückgefallen.

Und dennoch sprach Pfitzner das "vollste Vertrauen" des Präsidiums für Trainer und Sportchef aus. "Wir haben im Frühsommer mit Florian Kohfeldt und Paul Fernie verlängert, weil wir davon hundertprozentig überzeugt waren", sagte er. Diese Überzeugung bestehe weiter. "Es ist unsere Aufgabe als Präsidium und Geschäftsführung, hier Ruhe zu bewahren." Mit dieser Politik der ruhigen Hand ist Darmstadt in den vergangenen Jahren in der Regel gut gefahren - gerade in Krisenzeiten. Doch auch Pfitzner, der seit einem Jahr Präsident ist und davor rund 15 Jahre Vizepräsident war, kennt die Mechanismen des Marktes.

Der SV Darmstadt 98 kommt einfach nicht in die Spur. Das Argument, dass sich die Mannschaft nach dem Großumbau im Sommer mit dem Abgang von Leistungsträgern wie Fraser Hornby, Isac Lidberg oder Killian Corredor noch finden muss, zieht nach einem knappen Viertel der Saison nicht mehr wirklich. Von den Neuzugängen haben bislang nur der Ex-Freiburger Noah Weißhaupt und mit Abstrichen der Südkoreaner Ho-Jae Lee überzeugt. Alle anderen sind bestenfalls Mitläufer.

Das Karlsruhe-Spiel machte erschreckend deutlich, woran es den Lilien fehlt: an Kampf und klarer Linie. Rund zwölf Kilometer lief das Kohfeldt-Team weniger als der Gegner. Spieler wie der von Mainz zurückgeholte Marco Richter oder der vom Trainer lange hochgelobte Niederländer Lance Duijvestijn haben eine Vorliebe für Hackentricks und andere technische Sperenzchen. Das mag für das Publikum unterhaltsam sein, wenn es für das Team läuft. In der aktuellen Situation ist es komplett deplatziert.

Auch deswegen platzte Keeper und Kapitän Marcel Schuhen nach dem KSC-Spiel der Kragen. "Heute haben sehr viele nicht verstanden, wie Zweitliga-Fußball funktioniert. Hier ging es nicht um Schönspielen und spielerische Lösungen zu finden", sagte er. Die Partie sei eines der schlimmsten Auswärtsspiele in seiner Zeit bei den Lilien gewesen - und das sind mittlerweile immerhin schon acht Jahre. "Da sind zu viele dabei, die es nicht hinkriegen", lautete seine verheerende Kritik. Und dabei verhehlte er auch nicht, dass er selbst beim zweiten Karlsruher Tor schwer gepatzt hatte.

Es ist ein unglaublich schlechtes Gefühl für alle im Verein, auch für die Mannschaft, wenn du zu jedem Spiel fährst und nicht weißt, was kommt.

Florian Kohfeldt

Kohfeldt, der die Niederlagen seiner Mannschaften in der Regel sehr eloquent erklären kann, war nach dem KSC-Spiel sichtlich mitgenommen. "Es war für uns ein schwieriges Spiel, was ich so nicht habe kommen sehen. Das muss ich ganz ehrlich so sagen. Keiner von uns hat das so kommen sehen." Dass er ratlos sei, wollte der Lilien-Coach nicht direkt unterschreiben. "Ratlos ist ein großes Wort", sagte er. "Aber es ist auf jeden Fall schwer erklärbar."

Auch der Trainer war weit davon entfernt, etwas schönzureden. "Es ist einfach Fakt, dass viele von den Jungs immer noch irgendwie denken: Ich weiß das besser und ich mache das, was ich in anderen Ligen oder in anderen Situationen gemacht habe. Und das steckt dann die anderen an, zumindest teilweise." Einzelne Spieler wollte er dennoch auch auf Nachfrage nicht an den Pranger stellen.

Gute Einzelspieler, kein funktionierendes Team

Allerdings muss sich Kohfeldt, ebenso wie Chefeinkäufer Fernie, fragen lassen, wieso es nicht gelingt, aus mutmaßlich guten Einzelspielern ein funktionierendes Team zu formen. Das sei ein Thema, mit dem er sich zunächst einmal selbst beschäftigen müsse, sagte der Coach nach der KSC-Pleite. "Es ist jetzt nicht der Moment für mich, hier schon über Gründe zu reden." Die Frage sei, wo die Mitte der Mannschaft sei, um die man sich einpendeln könne. "Es ist ein unglaublich schlechtes Gefühl für alle im Verein, auch für die Mannschaft, wenn du zu jedem Spiel fährst und nicht weißt, was kommt."

Etwas Positives fand der Coach auch noch: Darmstadt spielt am Freitagabend (18.30 Uhr, LIVE! bei kicker) schon wieder und kann es besser machen. Dann kommt Bundesliga-Absteiger FC St. Pauli ans Böllenfalltor. Einfacher als gegen den KSC, der am Sonntag noch Schlusslicht war, wird die Partie allerdings wohl kaum werden. Ein Punkt ist mindestens Pflicht, um wieder Ruhe ins Umfeld und ins Team zu bekommen. Bereits nach dem Heimsieg über Cottbus hatte Schuhen erklärt, es sei wichtig, in Karlsruhe nachzulegen, damit man gegen St. Pauli nicht wieder das Messer am Hals habe. Diese Hoffnung erfüllte sich nicht. Der Druck ist auch jetzt wieder sehr hoch.

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