The Jerusalem PostNetanyahu's former NSC head Hanegbi announces he will vote for Liberman's Yisrael BeytenuPunchUduaghan’s legacy will endure, Delta NDC gov candidate mournsBollywood HungamaSCOOP: Ramayana advance booking may get DELAYED due to revenue-sharing tussle; distributors demand 60% share in Week 1CNN TürkAnkara'da uyuşturucu satıcılarına darbeESPNTransfer rumors, news: Premier League clubs eye Alexander-Arnold amid Real Madrid uncertaintyInquirer EntertainmentAtasha Muhlach able to vindicate self in ‘Bongga Ka ‘Day’ musical, says John Lapus한겨레HMM, 2조1천억 12척 컨테이너선 발주…“수년 뒤 해운 호황기 대비”Inquirer‘Amihan’ season expected to begin between Oct. 22 – 30, says PagasaZDF heuteEntdecken Sie das ZDF-NachrichtenstudioUOLEx-vereador é baleado e morto pela polícia na Av. Brasil, no Rio20 MinutenItalien steht ein markanter Wetterwechsel bevorThe Sydney Morning HeraldThe report into the Caulfield Cup horse death has been released, but we need more information
The Daily Newsstand · Free, Always
Tuesday, October 20, 2026

Biologin über Naturschutz mit Gentechnik: „So ein System wird immer künstlicher“

Translate

Synthetische Biologie will Lebewesen entwerfen oder verändern. Die Biologin und Gärtnerin Anne-Christine Schmidt hält das für den falschen Weg.

taz: Frau Schmidt, auf der UN-Naturschutzkonferenz in Jerewan wird es auch darum gehen, inwieweit die synthetische Biologie ein Mittel des Naturschutzes sein kann. Die Versprechungen sind groß.

Anne-Christine Schmidt: Ja, das sind sie. Es gibt Wissenschaftler, die sich zum Beispiel damit befassen, Korallen widerstandsfähiger gegen warmes oder kohlendioxidhaltiges Wasser zu machen. Oder die das Genom von Tieren, die kurz vor dem Aussterben stehen, erhalten wollen. Ich verstehe das Anliegen der Biolog:innen, mit ihren Mitteln zu versuchen, das Artensterben aufzuhalten oder zu verlangsamen. Ich glaube nur nicht, dass das der richtige Ansatz ist.

taz: Warum nicht?

Im Interview: Anne-Christine Schmidt

ist promovierte Biologin. 2023 erschien im Textem-Verlag ihr Buch „Albtraum Wissenschaft. Ein Erfahrungsbericht“. Sie lebt heute in einem alten Bauernhaus mit großem Garten im Erzgebirge südlich von Freiberg.

Schmidt: Weil sehr fraglich ist, ob ein gentechnisch manipulierter Organismus in seinem Ökosystem auf lange Zeit wirklich existieren kann. Der Stoffwechsel eines Lebewesens lässt sich nicht nur auf sein Genom reduzieren, sondern befindet sich in einem Wechselspiel mit seinen Umweltbedingungen. Und wo soll das enden? Wenn sich die Weltmeere immer weiter erwärmen, müssen auch die Korallen immer weiter angepasst werden? So ein System wird immer künstlicher.

taz: Invasive Arten sind ein ernsthaftes Problem für die biologische Vielfalt. Was halten Sie davon, invasive Tiere und Pflanzen mit gentechnischen Mitteln auszurotten?

Schmidt: Natürlich können wir das Genom von Exemplaren des Indischen Springkrauts so verändern, dass sich diese invasive Pflanze nicht mehr von selbst fortpflanzen kann. Wenn ich zu Hause am Fluss spazieren gehe und überall diese lila blühende Pflanze sehe, gefällt mir das auch nicht. Aber mir wird mulmig, wenn wir die Laborwissenschaft in die Umwelt loslassen. Das ist gefährlich! Warum machen Schulklassen im Biologieunterricht nicht Exkursionen, wenn sie über invasive Arten sprechen, und bereinigen die Ufer? Das ginge doch auch.

taz: Warum sind Sie so kritisch gegenüber der Laborwissenschaft? Sie selbst haben an Pflanzen und ihrer Verträglichkeit von Schwermetallen geforscht …

Schmidt: Eben. In meiner Forschung sollten am Ende Pflanzen entstehen, die mit mehr Arsen in der Umwelt zurechtkommen. Zum Glück hat das ja nicht geklappt. Ich bin aus dieser Art von Wissenschaft schließlich ausgestiegen. Ich konnte das wissenschaftsethische Problem irgendwann nicht mehr ertragen, dass ich Pflanzen technisch darauf trimme, mit mehr Umweltgiften zu leben. Pflanzen technisch so zu optimieren, dass sie unseren Ansprüchen genügen, ist genau der falsche Weg. Wir müssten doch die Umweltgifte in der Natur verringern.

taz: Moderne gentechnische Methoden, wie die Genschere CRISPR/Cas, ahmen ja im Grunde Mutationen nach, die auch in der Natur vorkommen. Wieso lehnen Sie sie ab, nur weil sie gesteuert sind?

Schmidt: Die Natur arbeitet mit Zeit, Genome passen sich, soweit wir das bislang verstanden haben, über Jahrmillionen an ihre Umwelt an. Wie sich diese künstlichen Genmutationen entwickeln werden, das kann man nicht erforschen, weil Menschen eben einen ganz anderen Zeithorizont haben. Die Wis­sen­schaft­le­r:in­nen sitzen den ganzen Arbeitstag am Computer und simulieren Natur – von der Natur selbst haben sie sich zumeist weit entfernt.

taz: Seit wann ist das so?

Schmidt: Ich denke, als sie sich in den 80er Jahren auf die Gentechnik konzentriert hat, hat sich die Biologie in die falsche Richtung entwickelt. Dann hielten Computer mit ihren digitalen Messtechniken Einzug, das hat diese Entwicklung verstärkt. Seitdem verbraucht die biologische Forschung große Mengen an Chemikalien, Rohstoffen und Energie. Labore sind heute auch Großstromverbraucher, letztlich tragen auch sie zum zu hohen Energieverbrauch bei. Die Biologie als Wissenschaft arbeitet selbst nicht nachhaltig.

taz: Mit dieser Position sind Sie in der wissenschaftlichen Biologie ziemlich isoliert, oder?

Schmidt: Im Forschungsalltag sind mir solche Diskussionen nicht begegnet, das ist richtig, das sind eher Pausendiskussionen. Die Wis­sen­schaft­le­r:in­nen hetzen ja immer der Forschungseffektivität hinterher, sie haben nur befristete Stellen, der nächste Forschungsantrag steht bevor, die nächste Projektfinanzierung muss ergattert werden. Da ist wenig Zeit und Möglichkeit, Methoden oder Ziele zu hinterfragen.

taz: Wie müsste sich die Biologie verändern, um einen sinnvollen Beitrag zum Naturschutz leisten zu können?

Schmidt: Da ich nicht glaube, dass die notwendigen Veränderungen unter den jetzigen Bedingungen des Wissenschaftssystems kommen können, müsste sie mehr auf Stimmen von außen hören: auf die von Indigenen, Studierenden, Umweltgruppen. Dabei kann die UN-Naturschutzkonferenz eine ganz wichtige Rolle spielen, weil sie solchen, sonst häufig marginalisierten Gruppen eine Stimme gibt.

Synthetische Biologie in Jerewan

Worum geht es?

Unter Synthetischer Biologie versteht man Forschung und Entwicklung mit Methoden der Biologie, Ingenieurswissenschaften, Informatik und Chemie. Mit diesem interdisziplinären Ansatz und mithilfe von Gentechnik werden biologische Bauteile entworfen und in Organismen eingefügt oder zu neuen Organismen zusammengesetzt. Das unterscheidet sich von konventioneller Gentechnik, die einzelne Gene in Tiere, Pflanzen oder Bakterien transferiert.

Was soll das?

Die Forschenden hegen die Hoffnung, dass sie auf diese Weise Tiere und Pflanzen schaffen können, die beispielsweise auch unter den unkalkulierbaren Bedingungen einer sich schnell erhitzenden Erde überleben können und die die Anpassungsleistungen der Evolution überfordert. Oder dass sie ausgestorbene Arten wiederbeleben können. Darum ist Synthetische Biologie sowohl ein Thema für die Ernährungssicherung, als auch für den Naturschutz.

Wieso behandelt die Naturschutzkonferenz, die am Montag in Armenien begonnen hat, das Thema?

Erstens beinhaltet die UN-Konvention über die Biologische Vielfalt einen Erweiterungsvertrag, das sogenannte Cartagena-Protokoll. Es soll völkerrechtlich verbindlich den grenzüberschreitenden Umgang mit gentechnisch veränderten Organismen regeln. Zudem verhandeln die 196 Mitgliedstaaten in Jerewan über einen „Thematischen Aktionsplan Synthetische Biologie“. Vor allem die Länder des globalen Südens sollen in die Lage versetzt werden, die Chancen und Risiken dieses Verfahrens zu erkennen und mit ihnen angemessen umgehen zu können.

taz: Seit Sie aus ihrer wissenschaftlichen Karriere ausgestiegen sind, bewirtschaften Sie einen Selbstversorger-Garten. Was konnten Sie dort aus Ihrem Wissen als Biologin anwenden?

Schmidt: Gar nichts. Das sind ganz unterschiedliche Welten, und ich frage mich, ob sie sich versöhnen lassen. Lange habe ich rein nach Gefühl gearbeitet, mit Methoden des ökologischen Gärtnerns, mit Brennnesseljauche und Pferdemist. Aber natürlich ist das auch kein alleiniger Weg in eine nachhaltige Ernährung, denn wenn wir nur mit althergebrachten biologischen Mitteln arbeiten würden, würde die Hälfte der Menschheit verhungern. Außerdem ist das eine Knochenarbeit – darum sind die Bauern früher nicht so alt geworden. Wir wollen alle nicht zurück ins Mittelalter, darum müssen wir einen Weg finden, technischen Fortschritt zu nutzen, aber trotzdem die Gesundheit der Natur und des Menschen in den Mittelpunkt zu stellen. Davon sind wir, fürchte ich, noch weit entfernt.

View the original on taz →

KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.