Liegt dort Königin Nofretete?: Hinweise auf verborgene Kammern in Tutanchamun-Grab entdeckt

Liegt dort Königin Nofretete?Hinweise auf verborgene Kammern in Tutanchamun-Grab entdeckt
22.09.2026, 15:06 Uhr

Seit mehr als einem Jahrhundert fasziniert das Grab des Pharaos Tutanchamuns die Welt. Nun deuten neue Radar- und Gravitationsmessungen auf verborgene Strukturen hin. Handelt es sich um das Grab von Nofretete? Schon im November könnten Mini-Roboter Klarheit bringen.
Die Entdeckung des Grabes von Tutanchamun im Jahr 1922 gilt als eine der größten Sensationen der Archäologie. Doch hält das Grab noch eine weitere Überraschung parat, etwa das Grab der berühmten ägyptischen Königin Nofretete aus dem 14. Jahrhundert v. Chr.? Schon seit Längerem gibt es die Vermutung, dass es in der Grabanlage bisher unentdeckte Räume geben könnte. Neue Untersuchungen liefern laut einem Forschungsteam neue Hinweise darauf.
Weil das Grab von Tutanchamun für einen Pharao auffällig klein ist, stellte der britische Ägyptologe Nicholas Reeves im Jahr 2015 die Vermutung an, dass die Grabanlage nach dem unerwarteten Tod von Tutanchamun umgebaut wurde. Weitere, tiefer liegende Kammern, womöglich auch die letzte Ruhestätte von seiner Schwiegermutter Nofretete, wurden laut der Theorie verschlossen und hinter einer Wand verborgen. Manche Ägyptologen glauben, dass Nofretete als Pharaonin unmittelbar vor Tutanchamun herrschte.
Bei neuen Messungen im und um das Grab mit der Bezeichnung KV62 haben Forscher nach eigenen Angaben jetzt Hinweise auf Strukturen hinter der eigentlichen Grabkammer von Tutanchamun entdeckt. Der Bericht der Forscher wurde online veröffentlicht.
"Strukturen mit rechten Winkeln"
Laut Ingenieur George Ballard, der an dem Bericht beteiligt war, lieferten unter anderem Bodenradarmessungen im Inneren des Grabes Hinweise auf einen zwei Meter breiten, dicht mit Schutt gefüllten Gang, der von der Grabkammer wegführt. Außerhalb der Grabkammer hatten die Forscher mit Gravitationsmessungen zudem "Strukturen mit rechten Winkeln und geringer Dichte" ausgemacht, sagte Ballard gegenüber "Nature". Eine dieser möglichen Strukturen bezeichnen die Forscher als "Anomalie 7". Dabei könnte es sich um eine mit Gegenständen gefüllte Kammer handeln, vermutet Ballard - allerdings lägen die Messungen an der Grenze des Nachweisbaren.
Zusammengenommen deuteten die vorhandenen Daten stark darauf hin, dass es einen "verborgenen Komplex" aus Gängen und Räumen gibt, der aus der Zeit vor der Bestattung Tutanchamuns stammt, sagte der leitende Forscher Mamdouh Eldamaty, Archäologe an der Ain-Shams-Universität in Kairo laut "Nature". Sollte es tatsächlich weitere Kammern geben, scheinen diese laut den Forschern isoliert zu sein, was darauf hindeutet, dass sie seit der Antike nicht mehr betreten wurden.
Forscher wollen neue Löcher bohren
Wie geht es nun weiter? Die Forscher schlagen vor, eine Reihe kleiner Löcher mit einem Durchmesser von sieben bis acht Zentimetern von der Oberfläche aus in Richtung einer der Strukturen zu bohren, die sich einige Meter nördlich der Grabkammer befindet. Durch die Löcher könnten kleine, ferngesteuerte Fahrzeuge mit 360-Grad-Kameras in die mutmaßliche Kammer gelangen. Laut Ballard könnten diese Untersuchungen bereits im November starten. Die ägyptische Altertümerbehörde muss den Eingriff erst genehmigen.
Was sagen andere Forscher dazu? Christopher Gaffney, Archäologe und Spezialist für Bodenradar an der Universität Bradford in Großbritannien, bezeichnet den Bericht gegenüber "Nature" als "faszinierend". Allerdings lägen noch nicht genügend Informationen vor, um endgültige Schlussfolgerungen zu ziehen, weshalb er noch zwiegespalten sei. Laut Peter Styles, Geophysiker an der Keele University in Großbritannien, erscheint aufgrund der Gravitationsdaten "das Vorhandensein von Kammern plausibel".
Im Jahr 2015 waren Reeves bei 3D-Laserscans der Grabkammer minimale, gerade Risse und Linien unter dem Putz der bemalten Nordwand aufgefallen. Bereits damals stellte er die Theorie auf, dass es sich um eine Scheinwand handeln könnte, die weitere Räume verbirgt. Es folgte eine Flut von Medienberichten und weitere Untersuchungen. Für Ernüchterung sorgten jedoch Messungen eines italienischen Forscherteams, das 2018 keine Hinweise auf verborgene Kammern unmittelbar hinter der Wand des Tutanchamun-Grabes finden konnte. Dies sei jedoch kein Widerspruch zu den neuen Annahmen, die von einem mit Schutt gefüllten Gang hinter dem Grab ausgehen, so Ballard.
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