«War wie versteinert»: Pfleger soll Patientin begrabscht haben

- Eine Frau wirft einem Pfleger der Solothurner Spitäler AG sexuellen Übergriff während ihres Spitalaufenthalts im Dezember 2025 vor.
- Die Stationsleitung sagte der Patientin, sie habe die Situation falsch verstanden – eine Antwort, die sie als völlig unangemessen empfand.
- Das Spital bestätigt, der Vorfall sei bekannt und abgeklärt, macht aber keine Angaben zum weiteren Verbleib des Pflegers.
«Es war schon Abend und ich war mit einer demenzkranken Patientin im Zimmer»: So beginnt die Schilderung einer Frau aus Solothurn über einen Vorfall während ihres Spitalaufenthalts, der sie tief erschüttert hat. Weil sie sich kraft- und energielos fühlte, wurde die Frau vom 21. Dezember 2025 bis zum 1. Januar 2026 in einem Spital der Solothurner Spitäler AG behandelt. Neben anderen Beschwerden musste eine Hautirritation versorgt werden.
«Der Pfleger versorgte eine Wunde, doch plötzlich hat er mir absichtlich unters T-Shirt gefasst und meine Brüste massiert», sagt die Frau, die anonym bleiben möchte. Als sie ihn aufforderte, damit aufzuhören, habe er dies getan. «Anschliessend ist er für eine halbe Stunde verschwunden. Ich war wie versteinert und wusste nicht, wie weiter. Erst nach diesen 30 Minuten hat er meine Wunde fertig versorgt.»
«Ich war wie versteinert und wusste nicht, wie weiter»
Am nächsten Tag habe sie sich ans Spitalpersonal gewandt. «Der Seelsorgerin habe ich unter Tränen erzählt, was passiert ist. Dabei hatte ich fast einen Nervenzusammenbruch», sagt sie. Später habe sie noch mit der Stationsleitung gesprochen.
Diese habe ihr gesagt, sie habe die Situation falsch verstanden, erzählt die Frau. Für sie sei diese Reaktion völlig unverständlich gewesen: «Ich weiss nicht, was man daran falsch verstehen kann. Er hat sich an mir aufgegeilt und war dann für 30 Minuten weg.» Auch nach der Entlassung habe sie mit dem Erlebten gekämpft. «Ich hatte Mühe, zu duschen, weil ich mich so geekelt habe», sagt sie.
«Ich hatte Mühe zu duschen, weil ich mich so geekelt habe.»
Schon zuvor sei ihr das Verhalten des Pflegers auffällig gewesen. Bei einer Thrombosespritze habe er spielerisch so getan, als sei die Spritze ein Dartpfeil und ihr Oberschenkel eine Dartscheibe: «Das kam mir schon seltsam vor.»
Eine Strafanzeige habe sie nicht eingereicht. «Es hat ausser der demenzkranken Person im Zimmer keine Zeugen gegeben», sagt sie. Zudem sei ihr von der Opferhilfe gesagt worden, dass sie in dem Fall einen Anwalt selbst bezahlen müsse.
Spital: «Der Vorfall ist uns bekannt»
Mit den Vorwürfen konfrontiert, schreibt die Solothurner Spitäler AG: «Der Vorfall ist uns bekannt. Die Abklärungen sind erfolgt und abgeschlossen. Aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes können wir keine Stellung beziehen», so Oliver Schneider, Leiter Marketing und Kommunikation.
Ob der betroffene Pfleger weiterhin im Spital arbeitet und wie konkret der Vorfall aufgearbeitet wurde, hat das Spital nicht kommentiert.
Betroffene melden sich teils erst später
Für die Patientenstelle Zürich sind solche Vorfälle keine Seltenheit: «Es werden immer wieder Fälle geschildert, in denen Patientinnen und Patienten von Grenzverletzungen oder sexuellen Übergriffen während einer Behandlung berichten», schreibt Mario Fasshauer, Geschäftsleiter der Patientenstelle Zürich, auf Anfrage.
«Gerade kranke, geschwächte, sedierte oder anderweitig abhängige Menschen befinden sich in einem besonderen Macht- und Vertrauensverhältnis», so Fasshauer. Wie häufig solche Vorfälle tatsächlich vorkommen, lasse sich jedoch nicht sagen.
«Betroffene melden sich aus Scham und Unsicherheit zunächst nicht»
Aus der Beratung wisse man, dass Betroffene Übergriffe teils erst später einordnen. «Sie melden sich aus Scham, Unsicherheit oder wegen des Abhängigkeitsverhältnisses zunächst nicht», so Fasshauer.
Wirst du oder wird jemand, den du kennst, sexuell belästigt?
Hier findest du Hilfe:
Belästigt.ch, Onlineberatung bei sexueller Belästigung am Arbeitsplatz
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Flurin Pestalozzi (flu) arbeitet seit 2025 bei 20 Minuten und ist Korrespondent in Bern.
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