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Thursday, October 15, 2026

100 Jahre Michel Foucault – Likes, Sex, Macht: 5 Gründe, warum Foucault bis heute wichtig ist

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Gefängnisse, Wahnsinn, Sex, und Macht waren zentrale Themen seiner Philosophie. Am 15. Oktober wäre Michel Foucault 100 Jahre alt geworden. Und doch steckt er mitten in unserem Alltag: in Likes, Diagnosen, Rankings und in der Frage, wer wir eigentlich sein sollen.

1. Macht braucht keinen Befehl

Macht? Da denken wir an Regierungen, Chefs oder Polizei. Foucault schaut auf die leiseren Formen: Regeln, Bewertungen und Erwartungen. Schulnoten, Rankings, Fitnessziele oder Likes zeigen uns, was als gut, normal oder erfolgreich gilt.

Das Tückische daran: Oft braucht es niemanden mehr, der uns kontrolliert. Wir vergleichen uns selbst, optimieren uns und fragen uns, ob wir genügen. Social Media wäre für Foucault deshalb ein spannendes Forschungsfeld. Hier lässt sich beobachten, wie Macht auch ohne sichtbare Befehle wirkt.

Mann mit Brille und dunklem Jackett sitzt auf einem Sofa.
Legende: Michel Foucault wurde 1926 im westfranzösischen Poitiers geboren und starb am 25. Juni 1984 im Alter von 57 Jahren in Paris an den Folgen einer HIV-Infektion. Der Philosoph untersuchte, wie Vorstellungen von Wahrheit, Normalität, Sexualität und Identität entstehen – und wie Macht in den Alltag eindringt. Getty Images/Sygma/Sophie Bassouls

2. Wer bestimmt, was normal ist?

Normal oder auffällig, gesund oder krank, leistungsstark oder schwach: Solche Kategorien wirken schnell selbstverständlich. Foucault fragt: Wer hat diese Massstäbe eigentlich gesetzt?

Denn was als «normal» gilt, hat eine Geschichte und kann sich verändern. Das heisst nicht, dass Krankheiten oder Unterschiede einfach erfunden sind. Aber Foucault würde fragen, wer in eine Norm passt, wer nicht, und was das mit Menschen macht. Bei psychischen Diagnosen, Schönheitsidealen oder Leistungsdruck ist das ziemlich aktuell.

3. Wahrheit: Wem glauben wir?

Wahrheit gibt es nicht! Foucault wird manchmal so gelesen. Aber das ist zu simpel. Ihn interessiert, warum wir manchen Stimmen glauben und anderen nicht. Wer gilt als Experte oder Expertin? Welche Methoden überzeugen uns? Welchen Institutionen vertrauen wir?

Genau deshalb passt Foucault in unsere Gegenwart: Bei Fake News, Wissenschaftsskepsis oder KI geht es immer auch darum, wem wir glauben und woran wir verlässliches Wissen erkennen.

Sternstunde Philosophie Fake News oder echte Gefahr? Die Wahrheit hinter Desinformation

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4. Warum Sex mehr als Sex ist

Foucault misstraut der einfachen Geschichte, früher sei Sex tabu gewesen und heute seien wir befreit. Ihn interessiert vielmehr, warum moderne Gesellschaften Sexualität so genau untersuchen und uns dazu bringen, immer wieder darüber zu sprechen und sie sichtbar zu machen. Ärztinnen, Psychologen oder Pädagogen fragen, was wir begehren, und ordnen ein, was als normal oder abweichend gilt.

So wird Sex zu mehr als etwas, das wir tun: Er soll auch verraten, wer wir sind. Heute begegnet uns das ganz selbstverständlich, vom Therapiegespräch über Dating-Apps bis zur allzeit verfügbaren Pornografie. Foucault fragt: Warum reden wir so viel über Sex? Wie werden wir dabei eingeordnet? Und warum glauben wir, dass unsere Sexualität unser «wahres Ich» offenlegt?

5. Wer bin ich?

Sei einfach du selbst! Klingt gut. Foucault wäre skeptisch. Denn dieses «Selbst» ist für ihn nicht einfach schon fertig da. Wie wir über uns denken, was wir normal finden und welche Art Mensch wir sein wollen, lernen wir auch von unserer Umgebung. Das klingt erst einmal unfrei.

Foucault dreht es aber um: Wenn unser Ich nicht in Stein gemeisselt ist, können wir es auch verändern. Freiheit heisst dann, zu verstehen, wie wir geworden sind, wer wir sind, und auszuprobieren, wer wir noch sein könnten.

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