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Wednesday, September 30, 2026

Wenn der Vater Spion ist: "Wurden in Sippenhaft genommen"

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Was geschieht mit Kindern, wenn die eigenen Eltern als Spione enttarnt werden? „Agentenkinder“ erzählt von Familien in der DDR und den Folgen von Spionage und Verrat.

30.09.2026 | 43:53 min

Werner Stiller wurde im Dezember 2016 tot aus der Donau geborgen. Ob es ein Unfall war, Suizid oder Fremdverschulden, blieb ungeklärt. Fest steht, dass Stiller ein Offizier des Auslandsnachrichtendienstes der DDR war.

Doch im Januar 1979 packte der damals 32-Jährige zwei Koffer mit streng geheimen Dokumenten der Auslandsspionage ein und verließ die DDR mit gefälschten Papieren. Stiller lief in den Westen über. Seine Frau und seine Kinder Edina und Andreas ließ er im Ost-Berliner Ortsteil Altglienicke zurück. Sein Sohn Andreas war damals elf Monate alt, seine Tochter Edina sieben Jahre. Bis zu Stillers Flucht hatte die Familie nichts von seinem Doppelleben gewusst.

Die Regierung initiiert eine Reform deutscher Geheimdienste. Befürworter finden, es brauche mehr Werkzeuge gegen Terror und Spionage. Kritiker argumentieren mit mangelndem Schutz der Privatsphäre.

12.08.2026 | 1:48 min

Tochter von Werner Stiller: Wurden in Sippenhaft genommen

Während Werner Stiller sich ein neues Leben im Westen aufbaute, spürte seine Familie in der DDR die Konsequenzen. Sie wurde zunächst nach Wandlitz in Brandenburg zu einem älteren Stasi-Ehepaar gebracht, später nach Cottbus umgesiedelt.

Mein Vater hat diesen Verrat begangen und wir wurden dann in Sippenhaft genommen. Die haben uns als Familie als Aussätzige behandelt, das war sehr demütigend.

Edina Gade, Tochter von Werner Stiller

"Du riskierst alles. Sie riskieren nichts." So warnt der Bremer Verfassungsschutz vor sogenannten "Wegwerfagenten". Ausländische Geheimdienste würden gezielt Privatpersonen für Spionage anwerben.

21.08.2026 | 1:40 min

Keine Familienzusammenführung vereinbart

Werner Stiller hatte mit dem Bundesnachrichtendienst keine Familienzusammenführung vereinbart, wie die 3sat-Dokumentation "Agentenkinder - Wenn die Eltern spionieren" zeigt. Edina kämpfte mit ihrer Familiengeschichte, suchte Halt in Alkohol und wechselnden Beziehungen. Erst mit 18 Jahren erfuhr sie die Wahrheit über ihren Vater.

Zu dieser Zeit suchte Werner Stiller auch wieder den Kontakt zu seinen Kindern. Andreas und Edina trafen sich mit ihm zunächst in Frankfurt am Main, wo er zu dieser Zeit im Vorstand einer Investmentbank arbeitete. Von da an trafen sie sich in unregelmäßigen Abständen.

Edina Gade (l.) und ihr Vater Werner Stiller, im Hintergrund sind Häuser zu sehen

Edina Gade und ihr Vater Werner Stiller in Budapest: Erst mit 18 erfuhr Gade die Wahrheit über das Doppelleben ihres Vaters.

Quelle: ZDF/ Edina Gade

Das Verhältnis zwischen Edina und Werner blieb schwierig. Als sie älter war, fragte sie ihn, ob er sie als Tochter liebe: "Und da guckt er mich so an: Nein."

Andreas fand zu dieser Zeit die Geschichte seines Vaters spannend, nahm ihn als eine Art besten Freund war. Doch als er selbst Vater wurde, änderte sich das bis zu Ablehnung und Verachtung.

Als ihre Eltern für die DDR spionieren oder in den Osten überlaufen, verändert sich das Leben ihrer Kinder. „Agentenkinder“ erzählt von Verrat, Verlust und Loyalität.

30.09.2026 | 44:45 min

Sohn von Günter Guillaume konnte Spionage nicht glauben

Auch für Pierre Boom änderte sich das Leben durch Spionage seines Vaters schlagartig. Er war 17 Jahre alt, als im April 1974 Beamte des Bundeskriminalamts seinen Vater Günter Guillaume und seine Mutter Christel in Bonn festnahmen. Guillaume hatte im Bundeskanzleramt für Willy Brandt gearbeitet, gleichzeitig hatte er für die DDR spioniert.

Sie können mir sagen, mein Vater sei der Kaiser von China. Das würde ich eher glauben, als dass er Spion für die DDR war.

Pierre Boom bei der Festnahme seines Vaters im April 1974

Pierre Boom lebte nach der Verhaftung seiner Eltern mit seiner Großmutter zusammen. Das Geld wurde knapp. Die DDR-Regierung drängte ihn umzuziehen. 1975, mit 18 Jahren, bekam er eine Wohnung in Ost-Berlin, einen Platz an der Oberschule und finanzielle Unterstützung. Doch heimisch wurde er dort nicht: "Dieses Heimatgefühl West war immer in mir drin."

Pierre Boom, Sohne von Günter Guillaume, hält eine Kamara in der Hand. Hinter ihm ist ein Bauwagen sowie eine Häuserzeile.

Pierre Boom arbeitete eine Weile als Fotojournalist. Mit 18 Jahren war der Sohn von Günter Guillaume nach Ost-Berlin gezogen.

Quelle: ZDF /Fotoarchiv Pierre Boom

Leben mit dem falschen Namen

Pierre durfte seine Eltern im Gefängnis im Westen besuchen. Aber: "Die Besuche haben mich zusehend belastet, auch überfordert, (...)". Er brach die Schule ab, begann eine Ausbildung zum Fotolaboranten und arbeitete später als Fotojournalist.

1987 wollte er mit seiner Frau aus der DDR ausreisen. Doch den Sohn eines einstigen Vorzeigeagenten in den Westen ziehen zu lassen, wäre für die DDR-Regierung einer politischen Niederlage gleichgekommen.

Am Oberlandesgericht Stuttgart ist ein Ukrainer wegen Agententätigkeit zu einem Jahr und drei Monaten Haft verurteilt worden. Im Auftrag Russlands soll der Mann Brandanschläge vorbereitet haben.

18.08.2026 | 0:16 min

Auch Günter Guillaume, seit 1981 nicht mehr in Haft und in der DDR lebend, war entsetzt, dass sein Sohn das Land verlassen wollte. "Er hat dann im Genossen-Kreis, bei einem war meine Mutter dabei, gesagt, er sähe seinen Sohn lieber im Gefängnis als im Westen", erzählt Pierre Boom über seinen Vater. Später habe Pierre noch erfahren, dass sein Vater darüber spekuliert habe, "ob der Pierre nicht mal einen Autounfall haben könnte".

1988 schließlich durften Pierre und seine Familie in den Westen ausreisen - nachdem sie den Nachnamen seiner Großmutter angenommen hatten: Boom.

Hochschulen und Universitäten als Ziel

:Spionage für China? Ehepaar in München festgenommen

Ermittler haben in München ein Ehepaar festgenommen, das für China spioniert haben soll. Die beiden sollen Informationen über militärische Hochtechnologie ausgekundschaftet haben.

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