Jung, männlich, radikal: Das sind die 39 neu gewählten AfD-Abgeordneten im Landtag von Sachsen-Anhalt

Jung, männlich, radikalDas sind die 39 neu gewählten AfD-Abgeordneten im Landtag von Sachsen-Anhalt
11.09.2026, 16:33 Uhr
Von Laura Stresing
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Die AfD holt in Sachsen-Anhalt 43,8 Prozent und 39 Mandate. Fast alle Sitze stammen aus Direktwahlkreisen, nur eine Person kommt über die Liste. Unter den Neuen finden sich Namen mit brisanter Vorgeschichte.
Nach der Wahl in Sachsen-Anhalt steht fest, wer für die einzelnen Parteien in den neuen Landtag einzieht. Der AfD-Fraktion gehören 39 Abgeordnete an. Fast alle haben ein Direktmandat aus den 41 Wahlkreisen ergattert. Nur eine Person erhält ihren Sitz über die Landesliste.
Viele der neu gewählten AfD-Abgeordneten sind kein unbeschriebenes Blatt. Von den 39 Abgeordneten treten 19 ihr Mandat bereits zum wiederholten Mal an. Manche Namen kennt man aus Berichten zu Vorwürfen der Vetternwirtschaft oder auch aus Gutachten zu den rechtsextremen Umtrieben der Partei, die bundesweit Schlagzeile gemacht haben.
Gegen Simon Lansmann (Wahlkreis Salzwedel) und Sebastian Koch (Gardelegen-Klötze) etwa ermittelt aktuell die Staatsanwaltschaft Halle wegen möglicher Kontakte zu der verbotenen rechtsextreme Vereinigung "Artgemeinschaft". Gegen Koch läuft zudem ein Ermittlungsverfahren wegen des Verstoßes gegen das Waffengesetz. Beide ließen die Vorwürfe über ihre Anwälte zurückweisen.
Jung und radikal - so erlebt man die AfD gerade im Osten häufiger. Von den 39 Landtagsabgeordneten in Sachsen-Anhalt sind 18 Jahrgang 1980 oder jünger. Spitzenkandidat Ulrich Siegmund selbst wird dieses Jahr 36 Jahre alt. Wird er zum Ministerpräsident gewählt, wäre er der mit Abstand jüngste Regierungschef im Land. Derzeit ist der jüngste Ministerpräsident in Deutschland der amtierende Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, der 47-jährige Sven Schulze.
Mit nur zwei Frauen in den eigenen Reihen hat die AfD-Fraktion von allen vertretenen Parteien den geringsten Frauenanteil (5,1 Prozent). Damit sitzen genauso viele Frauen in der AfD-Fraktion wie Männer, die Matthias Büttner heißen. Die beiden Büttners wurden als Direktkandidaten für die Wahlkreise Stendal und Staßburg aufgestellt und gewählt.
Ebenfalls interessant: Juliane Waehler, die gewählte Direktkandidatin für den Wahlkreis Naumburg, ist die Tochter des AfD-Abgeordneten Lothar Waehler, der seit 2021 im Landtag von Sachsen-Anhalt sitzt und im Zentrum der Vetternwirtschafts-Vorwürfe gegen die AfD in Sachsen-Anhalt stand. Sowohl Waehlers Ehefrau als auch seine Tochter waren jeweils bei zwei AfD-Bundestagsabgeordneten beschäftigt.
Der älteste AfD-Abgeordnete in Sachsen-Anhalt ist Frank-Ronald Bischoff aus dem Oberharz. Der Jurist ist Jahrgang 1948 und war zu DDR-Zeiten hauptamtlicher Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit und unter anderem mit der Überwachung von "ausreisewilligen Bürgern" befasst. Bischoffs Stasi-Vergangenheit ist bereits seit 2017 bekannt - ein Wahlhindernis war sie nicht: Das Direktmandat im Wahlkreis Wernigerode hat Bischoff mit 38 Prozent der Erststimmen gewonnen. Die Gegenkandidatin von der CDU erhielt 21,5 Prozent.
Auch der AfD-Politiker Philipp-Anders Rau hat eine Vorgeschichte, über die schon in seiner Zeit als Lokalpolitiker geredet wird. Der ehemalige Bürgermeisterkandidat für Gommern ist ein zweifach verurteilter Straftäter. 2017 stand er wegen Urkundenfälschung vor Gericht, nachdem er sich mit einem falschen Abiturzeugnis einen Studienplatz erschlichen hatte. In dem Verfahren legte er auch seine Kokainsucht offen. Acht Jahre zuvor, im Jahr 2009, war Rau bereits wegen gemeinschaftlichen Diebstahls schuldig gesprochen worden. Er und sein Komplize hatten zahlreiche Gegenstände aus einem Münchener Hotel entwendet, darunter 100 Handtücher. Während eines Parteitags 2024 tauchten zudem mehrere Pornofilme auf, in denen Rau zu sehen sein soll.
Mit einem Wahlergebnis von 43,8 Prozent der Zweitstimmen fuhr die AfD in Sachsen-Anhalt ihr bisher bestes Wahlergebnis auf Landesebene ein. Die CDU-Fraktion in Sachsen-Anhalt schrumpft um 25 Sitze und ist nur noch mit 15 Parlamentariern vertreten. Wie die künftige Regierung in Magdeburg aussehen wird, ist noch offen. CDU, SPD, Grüne und Linke lehnen eine Zusammenarbeit mit der rechtsextremen AfD ab.
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