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Wednesday, October 14, 2026

Der erste Deutsche bei den All Blacks: Segner schreibt Geschichte

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Als erster deutscher Rugbyspieler trägt Anton Segner (25) das Trikot der neuseeländischen Nationalmannschaft, der berühmten All Blacks. Die märchenhafte Story eines Frankfurters am anderen Ende der Welt.

Trägt als erster Deutscher das Trikot der All Blacks: Anton Segner

Trägt als erster Deutscher das Trikot der All Blacks: Anton Segner IMAGO/Photosport NZ

Fernab der Frankfurter Heimat schickt sich Anton Segner derzeit an, in die wohl größten Fußstapfen der Rugby-Welt zu treten. Bereits als Teenager nach Neuseeland übergesiedelt, hat es Segner nicht nur in die berühmteste Rugby-Nationalmannschaft der Welt geschafft - er ist dabei, sich das legendäre All-Blacks-Trikot mit der Nummer sieben auf dem Rücken zu eigen zu machen. Dieses wird in Neuseeland nur mit einem Namen verbunden, dem von Richie McCaw, der als erfolgreichster Rugbyspieler aller Zeiten gilt. McCaw erarbeitete sich seinen Heldenstatus, indem er die All Blacks 2011 nach einer 24 Jahre andauernden Titelflaute zum Triumph bei der Heim-WM führte. Das Endspiel absolvierte er mit gebrochenem Mittelfuß.

McCaw sprach nach dem Triumph davon, die Last der ganzen Nation auf den Schultern gespürt zu haben. Diese Erwartungshaltung, der im Rugby erfolgsverwöhnten Neuseeländer, inspirierten den Mann aus Oamaru zu 131 Siegen in insgesamt 148 Länderspielen - eine bis heute unübertroffene Bilanz. Dass nun ausgerechnet ein gebürtiger Deutscher McCaws Erbe auf der Flanker-Position antreten soll, sorgt nicht nur in Neuseeland für Erstaunen. Segner selbst betont im Gespräch mit dem kicker: "Die sieben auf dem Rücken zu tragen ist für mich keine Last, sondern pure Motivation!"

Im Fußball aussortiert - im Rugby brillant

Eine Rückblende: Während McCaw 2015 in London als letzte Amtshandlung im All-Blacks-Trikot von Prinz Harry den WM-Pokal zum zweiten Mal überreicht bekam, bereitete sich der gebürtige Frankfurter Anton Segner gerade auf das größte Abenteuer seines noch jungen Lebens vor. Der damals 14-Jährige träumte, inspiriert von seinen neuseeländischen Coaches, davon, einmal für die All Blacks zu spielen, und übte deren weltberühmten Haka. Doch wie weit ihn sein Traum später bringen würde, war damals noch kaum absehbar ...

Im Jugendfußball war Segner aufgrund seines Gewichts, und vielleicht auch wegen seiner X-Beine, aussortiert worden. In den Jugend- Mannschaften des SC Frankfurt 1880 brillierte der Junge aus Sachsenhausen aber dermaßen im Rugby, dass ihm sein ehemaliger Trainer, Ex-Profis Tim Manawatu, 2017 ein Stipendium im über 18.000 Kilometer entfernten Nelson auf der Südinsel Neuseelands vermittelte. Segner landete also im Alter von 15 Jahren am traditionsreichen Nelson College, einer Rugby-Talentschmiede, die bereits über 20 All Blacks hervorgebracht hat. Im professionell organisierten Schul-Rugby übertraf der Deutsche fortan alle Erwartungen und spielte sich nach und nach in die Notizbücher der neuseeländischen Profi-Scouts.

Anton Segner zu Besuch bei seinem Heimatverein SC Frankfurt 1880

Anton Segner zu Besuch bei seinem Heimatverein SC Frankfurt 1880 IMAGO/Kessler-Sportfotografie

Als erster Ausländer überhaupt wurde er im College-Team schnell Kapitän der ersten Mannschaft und führte diese zum ersten Titel nach zwölf Jahren. Segners Talent und seine Anführer-Qualitäten bescherten ihm anschließend einen Profivertrag in der National Provincial Championship, der zweiten Profiliga Neuseelands. Als Noch-Teenager schaffte er dann ohne Umwege den Sprung zu den Profis, was keine Selbstverständlichkeit ist: Auf seiner physisch anspruchsvollen Sturm-Position fällt vielen talentierten Jugendspielern der Übergang in den deutlich härteren Herrenbereich schwer.

Über Auckland zu den All Blacks

Eine noch größere Herausforderung erwartete Segner aber abseits des Platzes: Mit dem Beginn der Corona-Pandemie schloss Neuseeland für knapp zweieinhalb Jahre seine Grenzen. Segner konnte das Land nicht verlassen, und seine Familie durfte ihn nicht besuchen. Doch der Frankfurter ließ sich, angetrieben von seinem Ehrgeiz, davon nicht beirren. Sein späterer Coach Leon McDonald, selbst ehemaliger All Black, attestierte Segner bereits 2021 "alle physischen Voraussetzungen, die Fähigkeiten am Ball und vor allem eine überragende Arbeitsmoral" zu haben. Es war McDonald, der den Deutschen 2021 schließlich zum Top-Klub Blues in Neuseelands Metropole Auckland holte. Dort musste Segner plötzlich mit gestandenen All Blacks um Spielzeit in der dritten Sturmreihe kämpfen - eine steile Lernkurve auf dem letzten Schritt vor dem Sprung in den All-Blacks-Kader.

Wer mindestens fünf Jahre ohne längere Unterbrechung in Neuseeland gelebt hat, ist berechtigt, für das mutmaßlich beste Team der Welt aufzulaufen. Deshalb ist Segner seit 2022 nach den Regeln des Weltverbands für Neuseeland spielberechtigt. Seither hat sich das 1,92 Meter große Kraftpaket auch bei den Auckland Blues mehr und mehr zum Leistungsträger entwickelt. Der endgültige Durchbruch kam vorige Saison, gekrönt mit der Auszeichnung zum Spieler der Saison. Folgerichtig wurde der All-Blacks-Traum des Frankfurters dann endlich Realität. Head Coach Dave Rennie berief Segner in den erweiterten Kader, und so kam dieser am 11. Juli in Neuseelands Hauptstadt Wellington gegen Italien von der Bank erstmals zum Einsatz.

Segner wurde damit zum 1237. Spieler der All Blacks in der 123-jährigen Geschichte des Teams - und der erste Deutsche überhaupt, der für die legendäre Rugbymannschaft spielen durfte. Beim Stand von 14:10 eingewechselt, trug Segner maßgeblich dazu bei, dass die Neuseeländer zum Schlusspfiff einen 47:10-Kantersieg feiern durften. Trainer Rennie adelte Segner anschließend als "Wahnsinns-Athleten". Nur eine Woche später folgte der nächste Einsatz gegen Irland, und wieder wusste Segner mit seiner Dynamik zu überzeugen.

Anton Segner absolvierte eine Einheit mit den Profis seines Herzensvereins Eintracht Frankfurt.

Anton Segner absolvierte eine Einheit mit den Profis seines Herzensvereins Eintracht Frankfurt. IMAGO/Kessler-Sportfotografie

Vertragsverlängerung trotz Verletzung

Dann aber der Rückschlag: Am Tag vor dem Duell mit dem amtierenden Weltmeister in Südafrika wurde der Deutsche aufgrund einer Infektion im Knöchel, die operativ behandelt werden musste, aus dem Kader gestrichen. Die Zwangspause gab dem Frankfurter Zeit, das Geschehene zu reflektieren: "Nach meinem Debüt gegen Italien hatte ich zunächst gar keine Zeit, darüber nachzudenken, was da überhaupt passiert ist …"

Neuseelands Verband nutzte Segners Verletzungspause, um dessen vertragliche Zukunft zu klären und ihn bis 2031 zu binden. Im neuseeländischen System wird der erweiterte Kader der All Blacks direkt beim Verband unter Vertrag gestellt. Ein großer Vertrauensbeweis für Segner, denn kein anderer All Black ist mit einem dermaßen langfristigen Kontrakt ausgestattet. Der Hesse ist selbstredend "extrem glücklich" darüber, zumal ihm dies die Chance auf gleich zwei Weltmeisterschaften im All-Blacks-Trikot gibt.

Im November folgt für ihn und die All Blacks erst mal eine Tour nach Europa, bei der der zweite Teil der Rugby Nations Championship ausgetragen wird, gekrönt mit der Platzierungsrunde in London. Im dortigen Twickenham Stadium, dem mit 82.000 Zuschauern größten reinen Rugby-Stadion weltweit, hatte Segners großes Vorbild McCaw vor elf Jahren sein letztes Spiel für Neuseeland absolviert - nun könnte der Frankfurter hier seinen ersten Titel für Neuseeland feiern.

Fokus auf die WM im nächsten Jahr

Die Nations Championship ist aber nur ein Zwischenziel, der Blick richtet sich schon längst auf die WM 2027, die im Oktober und November in Australien ausgetragen wird. Nach dem Halbfinal-Aus 2019 in Japan und der Finalpleite in Frankreich 2023 gegen Südafrika erwartet Neuseelands Öffentlichkeit den Titel, es wäre der vierte in der All-Blacks-Geschichte.

Bei diesem Unterfangen ist Segner die Unterstützung eines ganz besonderen Fanklubs bereits jetzt sicher: Der leidenschaftliche SGE-Anhänger hat mittlerweile enge Kontakte zur Frankfurter Eintracht. Nachdem Ex-Kapitän Sebastian Rode ihn 2024 in Auckland beim Training besucht hatte, revanchierte sich Segner im vorigen Winter bei den Adlerträgern und absolvierte eine Einheit mit den Profis seines Herzensvereins. Auf diese Einheit folgte Segners bisher beste Saison - ein weiterer Besuch im Riederwald bei der SGE könnte vor der Weltmeisterschaft im kommenden Jahr also sicherlich nicht schaden.

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