Was Bauherren der Natur schulden
Weltweit sind viele Tier- und Pflanzenarten bedroht. Die Ursachen des globalen Artensterbens liegen häufig in menschlicher Hand. Dabei sind gesunde Ökosysteme überlebenswichtig für den Menschen.
14.10.2026 | 1:36 minEgal ob Fabriken, Häuser, Straßen - in Deutschland werden weiterhin Flächen für Straßen und Siedlungen ausgewiesen. Etwa 50 Hektar täglich - das sind rund 70 Fußballfelder. All diese Bauprojekte beeinträchtigen die Artenvielfalt, etwa weil Bäume gefällt oder Lebensräume von Tieren durchschnitten werden.
Nicht nur in Deutschland, sondern weltweit ist der Verlust von biologischer Vielfalt ein großes Problem. Denn fast alle wirtschaftlichen Unternehmen hängen auch von Biodiversität ab, so erklärt es etwa der Weltbiodiversitätsrat IPBES. Bei der Weltnaturkonferenz in Armenien diskutierten die UN-Staaten bis Freitag, wie die Artenvielfalt besser geschützt werden kann.
Rund 200 Staaten berieten bei der UN-Konferenz zur biologischen Vielfalt in Armenien über den Schutz von Natur und Meeren. Die Konferenz dauerte zwei Wochen.
19.10.2026 | 0:20 minWie das Naturschutzgesetz Biodiversität schützt
Ein lange erprobter Ansatz: Damit Natur durch Bauprojekte nicht einfach zerstört wird, müssen laut Naturschutzgesetz in Deutschland die Auswirkungen auf Natur und Tiere schon in der Planung berücksichtigt, vermeidbare Beeinträchtigungen verhindert und unvermeidbare Schäden an anderer Stelle ausgeglichen werden.
Konkret läuft ein Flächenausgleich bei Bauprojekten so ab: Vor dem Start müssen Gutachter beurteilen, wie in die Natur eingegriffen wird und welche Tierarten betroffen sind.
Als nächstes müssen Ausgleichsmaßnahmen beschlossen und durch Naturschutzbehörden genehmigt werden - um den Verlust von Naturfunktionen auszugleichen. Das kann etwa heißen, dass für Rodungen an anderer Stelle Bäume gepflanzt werden.
Die Stadt Heidelberg ließ diesen Sommer 36 sogenannte "Tiny-Häuser" bauen. Damit will sie in der von Wohnraummangel geplagten Stadt eine neue Wohnalternative schaffen.
08.10.2026 | 1:59 minEin Bauherr kann sich um den Ausgleich entweder selbst kümmern oder das Ganze an eine Flächen- oder Ökoagentur abgeben. Die hat im Idealfall bereits Flächen, auf denen Natur gezielt aufgewertet wird. Was das kostet, hängt davon ab, wie groß der Eingriff ist und davon, wie wertvoll die Natur ist, die dabei verloren geht.
Ein Auwald mit vielen Vogelarten und Libellen ist mehr wert als Ackerland, auf dem vergleichsweise wenig Tiere und Pflanzen leben. Je höher der biologische Wert, desto teuer wird der Ausgleich.
Aus einem Sondervermögen des Bundes für Infrastruktur fließen 100 Milliarden Euro an Länder und Kommunen. Die Klimabeiräte der Länder mahnen, damit Städte fit für den Klimawandel zu machen.
19.02.2026 | 2:42 minInfrastrukturgesetz weicht Naturschutzregeln auf
All das kostet Geld und braucht Zeit. Im Sommer wurde im Bundestag auch deshalb das Infrastruktur-Zukunftsgesetz verabschiedet. Mit dem Ziel, dass Bauprojekte einfacher und schneller genehmigt werden können.
Demnach werden mehr Projekte wie Straßen oder Brücken als Projekte mit "überragendem öffentlichen Interesse" eingeordnet, so sieht es das Infrastruktur-Zukunftsgesetz vor. Für diese Projekte sollen künftig Umweltprüfungen vereinfacht werden und statt sich vorwiegend um Ausgleich ihrer Schäden zu kümmern, können Bauherren gleichermaßen ein Ersatzgeld zahlen - das dann auch in den Naturschutz fließt.
Das Gesetz wurde vom CDU-geführten Verkehrsministerium eingebracht. Mit ihm soll Bürokratie abgebaut werden. Juliane Albrecht vom Leibniz Institut für ökologische Raumentwicklung in Dresden ist hingegen überzeugt, dass meist gar nicht der Naturschutz für Bauverzögerungen verantwortlich ist.
Laut Johann Rathke vom Naturschutzbund (Nabu) könnte die Änderung aber zur Folge haben, dass Kompensation für Eingriffe erheblich verzögert stattfindet oder erstmal gar nichts passiert, weil bisher nicht klar geregelt ist, wie das Ersatzgeld eingesetzt wird.
Viele Wildtierbestände nehmen laut WWF weiter stark ab. Von 1970 bis 2022 gingen untersuchte Wirbeltierbestände im Schnitt um 73 Prozent zurück. Ein Grund ist der Verlust von Lebensraum.
08.10.2026 | 0:25 minReformen: Zwischen Verfahrensbeschleunigung und Naturschutz
Für die Europäische Union hat der EU-Ministerrat Ende September Pläne für ein Vereinfachungspaket vorgelegt, mit dem Umweltprüfungen beschleunigt werden sollen. Umweltverbände kritisieren, das gehe zulasten des Naturschutzes und übe noch mehr Druck auf geschädigte Ökosysteme aus.
England geht in eine andere Richtung. Seit 2024 gilt dort ein Gesetz, das bestimmte Bauprojekte dazu verpflichtet, nicht nur die von ihnen verursachten Schäden auszugleichen, sondern für einen Zuwachs an Artenvielfalt zu sorgen. Konkret heißt das, durch Ausgleichsprojekte wie Aufforstung muss zehn Prozent mehr Natur wiederhergestellt oder verbessert werden, als die Bebauung zerstört.
In Deutschland solle es mehr Schutzgebiete für bedrohte Tiere und Pflanzen geben, so die Leopoldina. Der Klimawandel habe den Zustand bestehender Schutzgebiete bereits verschlechtert.
13.10.2026 | 1:38 minKioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.