Roman «Peck & Peck» – Mit Herz und Humor: Bestseller-Autorin Bonnie Garmus legt nach

Bonnie Garmus’ Debütroman «Eine Frage der Chemie» war im Jahr 2022 das meistverkaufte Buch der Schweiz. Und nicht nur hierzulande, sondern weltweit, wurde das Buch um die Chemikerin Elizabeth Zott begeistert aufgenommen; die Frau, die sich erfolgreich gegen Sexismus in der Wissenschaft wehrt. Mit einer Kochshow.
Damals wurde besonders Garmus’ Zeichnung der Hauptfigur gelobt – eine eigenwillige und sympathische Frau, die sich den starren Konventionen der 1960er-Jahre widersetzt. Hervorgehoben wurde auch Garmus’ Fähigkeit, ernste Themen wie gesellschaftliche Unterdrückung und persönliche Schicksalsschläge mit einer gewissen Leichtigkeit darzustellen, ohne an Tiefgang zu verlieren.
Neuer Schauplatz ist ein Lyrik-Verlag
Vor allem aber – und das ist wohl auch einer der zentralen Erfolgsfaktoren – blitzten immer wieder Humor und Ironie durch. Diese Qualitäten zeichnen auch Garmus’ neuen Roman «Peck & Peck» aus. Schauplatz ist nun nicht mehr das Los Angeles der 1960er-Jahre, sondern das New York der 1980er.
Im Zentrum steht Batter, ein junger Mann. Zu Beginn ist er ein verschuldeter College-Absolvent, der bei Gap T-Shirts faltet. Aber sein Herz schlägt für die Lyrik, und tatsächlich ergattert er eine Stelle im angesehensten Lyrik-Verlag dieser Zeit. Im Lyrik-Verlag der Peck-Brüder.
Dort muss Batter unter dem narzisstischen, nur auf Wettbewerb und Gewinn bedachten Salton Peck arbeiten. Dieser verbannt ihn zwar in die Kopierabteilung, aber das ändert nichts an Batters Entschlossenheit, für Originalität und Kreativität zu kämpfen.
Bonnie Garmus: «Peck & Peck». Piper, 2026.
Batter ist ein liebenswerter, scharfsichtiger, aber unterschätzter Held. Auf den ersten Blick ganz anders als Elizabeth Zott, die emanzipierte Hauptfigur aus Garmus’ Debütroman. Und doch haben die zwei etwas gemeinsam: Sie sind beide Menschen, die vordergründig ein unspektakuläres Leben führen – und sich gleichzeitig mutig gegen grosse Machtsysteme auflehnen.
Den Angriff auf die Kultur stoppen
Im persönlichen Gespräch sagt Bonnie Garmus: «Als ich ‹Eine Frage der Chemie› schrieb, war ich sehr besorgt über die wachsende Frauenfeindlichkeit in den USA, und ich wollte unbedingt die Aufmerksamkeit darauf lenken, dass sich die Dinge im Vergleich zu den 50er-Jahren nicht wirklich verändert haben. Im Gegenteil – wir haben uns zurückentwickelt.»
Mit ihrem neuen Buch wolle sie die Geisteswissenschaften, die Künste, ansprechen. Denn diese würden aus Gründen, die Garmus nie ganz verstanden habe, nie auf derselben Stufe wie die Naturwissenschaften gesehen, obwohl sie ebenso wichtig seien. «Und mit KI, oder der Art von KI, die wir heute sehen, erleben wir einen direkten Angriff auf Kultur und Kunst, den wir stoppen müssen.»
Mit «Peck & Peck» setzt Bonnie Garmus also wieder ein klares politisches Statement. Und zeigt den Weg: «Für jede positive Veränderung muss jemand wirklich hart arbeiten und etwas Riskantes tun. Nur so wird in der Welt überhaupt etwas erreicht.»
Wie das möglich sein kann, zeigt sie mit ihrem neuen Helden Batter Gray. Der Roman hat einige Längen und teilweise allzu verschachtelte Szenen. Aber er ist voller authentischer Figuren, voller Herz und Humor. Ein Votum gegen Vereinheitlichung, Automatisierung und Gewinnorientierung. Und für Originalität, Kreativität – und Menschlichkeit.
Radio SRF 2 Kultur, Kultur-Aktualität, 13.10.2026, 17:10 Uhr
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