Warn-Apps in Ukraine und Russland: Achtung, Achtung, hier hackt Ihr Desinformant

In der Nacht wurden die Apps für Notfall-Warnungen in Ukraine und Russland möglicherweise gehackt. Die Ukraine vermeldet derweil militärische Erfolge.
Foto: Dan Bashakov/AP/dpa
dpa/afp/rtr/taz | In der Ukraine und in Russland sind die offiziellen Notfall-Apps, die bei feindlichen Luftangriffen dringende Warnungen auf Smartphones schicken, nach Behördenangaben gehackt worden. Zunächst wurde am späten Sonntagabend in der ukrainischen App unter anderem fälschlicherweise vor radioaktiver Strahlung in der Hauptstadt Kyjiw gewarnt.
Die App „Air Alert“ sei möglicherweise vom Feind kompromittiert worden, teilte die ukrainische Luftwaffe auf Telegram mit: Es bestehe keine Gefahr durch Strahlung. Über die App soll zudem auch fälschlicherweise vor Angriffen mit chemischen Waffen gewarnt worden sein. Die Bürger wurden von den Behörden aufgefordert, nicht auf Links in der Warn-App zu klicken.
In der Nacht zum Montag meldete dann Russland einen massiven Cyberangriff auf seine Warn-App, wie die staatliche Nachrichtenagentur Tass unter Berufung auf das Zivilschutzministerium berichtete. Es sei den Angreifern gelungen, Falschinformationen an die Bevölkerung zu versenden, hieß es weiter ohne Details. Die Webseite des Ministeriums für Warnungen war in der Nacht zunächst zeitweise nicht erreichbar.
Die russische Behörde machte keine Angaben dazu, wen sie hinter dem Angriff vermutete. Die zeitliche Abfolge der Ereignisse ließ die Vermutung zu, dass es sich um einen ukrainischen Gegenangriff gehandelt haben könnte.
„Die Waffenruhe ist beendet“
Unterdessen ist die sechstägige Feuerpause in der russisch besetzten südukrainischen Stadt Oleschky vorbei. „Die vom 27. Oktober bis zum 1. November geltende Waffenruhe ist beendet“, erklärte der ukrainische Menschenrechtsbeauftragte Dmytro Lubinez am Sonntagabend.
Russland hatte nach ukrainischen Angaben eine Verlängerung der Feuerpause abgelehnt. Ein ranghoher ukrainischer Regierungsvertreter sagte der Nachrichtenagentur AFP am Sonntagabend wenige Stunden vor Auslaufen der Waffenruhe, das Außenministerium in Kyjiw habe Moskau eine Verlängerung vorgeschlagen. „Die Russen wollen nicht“, fügte er hinzu.
Die Feuerpause sollte angesichts gravierender Engpässe bei Lebensmitteln, Wasser und Medikamenten eine Versorgung der Bevölkerung, Hilfslieferungen und die Evakuierung von Zivilisten ermöglichen. Am Samstag waren aus Oleschky evakuierte Menschen über Russland und Belarus im Norden der Ukraine eingetroffen und hatten dort ihre Angehörigen wiedergesehen.
Kurz vor dem Auslaufen der Waffenruhe evakuierte das ukrainische Militär nach eigenen Angaben weitere 167 Menschen aus bedrohten Gebieten der südlichen Region Cherson, darunter 22 Kinder und 21 Menschen mit eingeschränkter Mobilität.
Die Stadt Oleschky liegt am Ufer des Dnipro in der Region Cherson im von Russland besetzten Süden der Ukraine. Russland hatte die Stadt 2022 erobert. Von ursprünglich 24.000 Einwohnern sollen sich vor der nun erfolgten Evakuierungsaktion noch etwa 2000 in der Stadt aufgehalten haben, jetzt sind es noch etwa 1000.
Ukraine macht gegen Russland Boden gut
Derweil vermeldet die Ukraine Erfolge am Boden gegen Russland. Die Ukraine habe im Oktober mehr Gelände befreit (96,2 Quadratkilometer) als an Russland verloren (85,8 Quadratkilometer“, erklärte Präsident Wolodymyr Selenskyj unter Berufung auf Angaben des Generalstabs.
Der Oktober 2026 sei außerdem der für Russland verlustreichste Monat seit Beginn der Vollinvasion im Februar 2022 gewesen, mit 54.400 getöteten, kampfunfähig gemachten oder vermissten russischen Soldaten.
Ukrainekrieg Optimismus ist fehl am Platz
Kommentar von Barbara Oertel
Wer die Evakuierung aus Oleschky für ein Zeichen hält, dass Putin nun zu ernsthaften Friedensverhandlungen bereit wäre, ist komplett weltfremd.
Frontstadt Oleschky Trotz erfolgreicher Evakuierung wenig Hoffnung auf Frieden
Die Ukraine und Russland haben erstmals eine humanitäre Aktion in den besetzten Gebieten durchgeführt. Aber ein Waffenstillstand ist in weiter Ferne.
Von Timur Vorkul und Mathias Brüggmann
Ukrainische Gegenoffensive im Donbass „Operation Vivaldi“ bringt Russland aus dem Takt
Die Ukraine befreit gerade wieder mehr Territorium, als sie verliert. Ein wichtiger russischer Vorstoß konnte gestoppt und zurückgedrängt werden.
Von Dominic Johnson
taz FUTURZWEI im Abo entdecken Endlich mal ein Magazin für Zukunft
taz FUTURZWEI ist unser Magazin für eine bessere Zukunft. Das Abo bietet jährlich vier Ausgaben für nur 38 Euro. Zudem erhalten Sie eine Ausgabe von Luisa Neubauers neuestem Buch „Was wäre, wenn wir mutig sind?“ (solange Vorrat reicht).
- Jedes Quartal neu in Ihrem Briefkasten
- Nur 38 Euro im Jahr
- Als Prämie Luisa Neubauers „Was wäre, wenn wir mutig sind?“
- Herausgegeben von Harald Welzer
Jetzt abonnieren
KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.