Drei von vier Piloten fallen im Cockpit in Sekundenschlaf

Wegen chronischer Übermüdung
Drei von vier Piloten fallen im Cockpit in Sekundenschlaf
Diese Zahlen lassen aufhorchen: Ein Grossteil der Piloten ist laut einer neuen Erhebung chronisch übermüdet – und schläft deshalb während des Flugs kurz ein. Besonders schlimm ist die Situation bei Billigfliegern.
Publiziert: vor 20 Minuten
- Laut einer Befragung von Piloten erlebten 76,8 Prozent in den letzten vier Wochen mindestens einen Sekundenschlaf im Flug
- Fast ein Viertel (24,2 Prozent) fliegt trotz Fluguntauglichkeit übermüdet weiter
- Besonders akut sind die Mängel bei Low-Cost- und Wet-Lease-Anbietern
Bernadette HoggRedaktorin Wirtschaft
Es sind Zahlen, die Passagieren den Schweiss auf die Stirn treiben: Wer in Europa in die Ferien fliegt, sitzt mit hoher Wahrscheinlichkeit in einer Maschine, deren Crew am Limit operiert. Aus einer Umfrage des europäischen Piloten-Dachverbands ECA geht hervor: Mehr als drei von vier Pilotinnen und Piloten (76,8 Prozent) erlebten in den letzten vier Wochen mindestens einen Sekundenschlaf während des Flugs!
Der Grund dafür: Fast 40 Prozent gaben an, chronisch zu wenig Schlaf zu bekommen, um die ständige Erschöpfung abzubauen. Besonders heikel: Wenn Piloten merken, dass sie zu müde zum Fliegen sind, melden das die wenigsten. Nur gerade 37,2 Prozent ziehen die Notbremse und melden sich fluguntauglich. Knapp ein Viertel (24,2 Prozent) setzt sich trotz gefährlicher Übermüdung ans Steuer.
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Die Chefs machen Druck
Dahinter steckt laut der ECA ein System der Einschüchterung im Fluggeschäft. 38,2 Prozent der Befragten fürchten disziplinarische oder vergeltende Massnahmen des Managements, wenn sie ihre Müdigkeit melden. Fast die Hälfte (46,9 Prozent) flog übermüdet weiter, weil sie sich vor einer negativen Reaktion des Managements fürchteten. 44 Prozent wollten schlicht nicht negativ auffallen.
«Wenn Piloten um ihre Karriere fürchten müssen, sobald sie Müdigkeit melden, tun sie es einfach nicht mehr», warnt ECA-Vorstandsmitglied Coen George. Für die Airlines sei das bequem, weil die internen Statistiken vor den Aufsichtsbehörden sauber blieben. «Aber es verschiebt das Risiko direkt zurück ins Cockpit – und macht die Airline blind für echte Sicherheitsgefahren.»
Gefahr bei den Billigfliegern
Am schlimmsten ist die Lage laut dem Bericht bei Billigfluggesellschaften sowie Wet-Lease-Anbietern – also Airlines, die Flugzeuge samt Crew an andere Gesellschaften vermieten. 11 Prozent der Piloten von Billigfluggesellschaften meldeten 10 oder mehr Sekundenschläfe in den vorangegangenen vier Wochen.
Auch geografisch klafft eine tiefe Kluft durch Europa: Während Fluggesellschaften aus Finnland, den Niederlanden und Deutschland deutlich besser abschneiden und eine gesündere Meldekultur pflegen, belegen Airlines mit Zulassungen in Irland und Malta – zwei beliebte Standorte für Billigflieger wie Ryanair – regelmässig die hintersten Ränge.
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