Nach Hamanns Tirade: Könnte man Elfmeterpunkt-Treter "aus dem Verkehr ziehen"?

Nationalspieler Nadiem Amiri will Borussia Mönchengladbachs Kevin Diks die Ausführung eines Elfmeters verkomplizieren. Das bringt den Sky-Sport-Experten Dietmar Hamann mächtig auf die Palme. Eine schmerzhafte Handhabe gibt es aber noch nicht.
Dietmar Hamann war mächtig sauer: "Ein Spiel Sperre", forderte der Sky-Sport-Experte für den Mainzer Nadiem Amiri. "Ich würde ihn aus dem Verkehr ziehen." Und der Vize-Weltmeister von 2002 konkretisierte: "Er ist Nationalspieler geworden und hat großen Wert für die Mannschaft. Wir müssen diese Sachen aus dem Sport bringen. Da schauen Kinder zu. So etwas macht man nicht. Das ist nicht im Spirit of the Game."
Was Hamann so aufgeregt hatte? Beim Stand von 2:1 für seine Mainzer im Bundesligaspiel bei Borussia Mönchengladbach vor einem Elfmeter der Gastgeber den Elfmeterpunkt bearbeitet - woraufhin Gladbachs Kevin Diks tatsächlich erstmals in der Bundesliga scheiterte.

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Schiedsrichter Robert Hartmann hatte Amiris Aktion wohl in den turbulenten Momenten zwischen Entscheidung und Ausführung nicht beobachtet. Zwar glich Gladbach zwei Minuten nach dem Fehlschuss doch noch aus, verlor am Ende aber trotzdem 3:4.
"Gehört sich nicht"
"Wir müssen anfangen, Spieler für so etwas zu bestrafen. Das geht nicht. Das ist für mich nicht unsportlich, sondern grob unsportlich. Das gehört sich nicht", schimpfte Hamann weiter. "Da spielt es auch keine Rolle, dass er zu Recht Nationalspieler ist."

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Die Regelsituation ist allerdings eindeutig: Der Schiedsrichter hat auf dem Feld nicht die unmittelbare Möglichkeit, einen Elfmeterpunkt-Verwüster aus dem Verkehr zu ziehen: Beobachtet er den Vorgang und ordnet ihn als unsportliches Verhalten, kann der Unparteiische eine Gelbe Karte zücken. Eine Rote Karte für den Störversuch gibt das Regelwerk nicht her - weswegen auch der VAR nicht eingreifen kann.
Ein nachträgliches Eingreifen des Kontrollausschusses des DFB ist nahezu ausgeschlossen - eben auch weil die Situation im Sinne der Regel keine Sperre rechtfertigt.

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Das Phänomen, in der Zeit zwischen Pfiff und Ausführung den Elfmeterpunkt zu verwüsten, ist kein Neues. In der vergangenen Saison hatte Jeanuel Belocian mit einer ähnlichen Aktion für Ärger gesorgt: Der damalige Wolfsburger bearbeitete in der Partie gegen den FC Bayern den Rasen, daraufhin rutschte Harry Kane weg und verschoss seinen Strafstoß.

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2015 stand der damalige Augsburg-Keeper Marwin Hitz im Mittelpunkt, als er mit den Stollen Löcher in den Rasen hackte und FC-Stürmer Anthony Modeste anschließend vergab. Beide Rasen-Bearbeiter wurden allerdings nicht gesperrt. Bei der WM im Sommer hatte Paraguays Gustavo Velazquez im Achtelfinale gegen Frankreich (0:1) regelrecht auf den Punkt eingetreten.
"Grenze überschritten"
Amiris Aktion war dagegen harmlos: Der Mainzer Kapitän wischte eher beiläufig mit seinen Stollen über den Punkt und raute den Untergrund bestenfalls ein wenig auf. Doch auch das sei schon "grob unsportlich", sagte Hamann. Man kann immer versuchen, einen Vorteil für sich rauszuholen. Aber das hat alles Grenzen, und die Grenze wurde dort weit überschritten."
Als Gegentrend hat es sich inzwischen etabliert, dass Mitspieler des Schützen sich am Punkt positionieren, um das Stückchen Land gegen Eindringlinge zu verteidigen.
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