Die Wut der Schüler auf Frankreichs Straßen
An fast 340 Schulen in Frankreich haben Schüler gegen schlechte Ausstattungen an ihren Schulen protestiert. Teils wurden die Schulen blockiert, es gab mindestens 440 Festnahmen durch die Polizei.
30.09.2026 | 1:56 minRund 200 Schülerinnen und Schüler haben sich am Morgen vor dem "Lycée Auguste Renoir" im Pariser Vorort Asnières sur Seine versammelt.
"Unsere Schulen sind heruntergekommen, es gibt zum Teil nicht einmal Tische und Stühle", sagt die 17-jährige Prunelle.
Wir sind doch die Erwachsenen von morgen.
Prunelle, 17-jährige Schülerin
Auch Eltern sind heute vor Ort, weil sie sich Sorgen um ihre Kinder machen. Am Dienstag hatte die Polizei versucht, die Schülerproteste an der Schule gewaltsam zu beenden.
Wir haben am Morgen unsere Schule blockiert, ganz friedlich, dann kam die Polizei und hat Tränengas eingesetzt, obwohl wir ein friedliches Sit-In gemacht haben.
Eden, 17-jährige Schülerin
Sie berichtet von fehlenden Toiletten, klagt über Lehrermangel. Sie hatte ein Jahr lang keinen Mathe-Unterricht, weil ein fehlender Lehrer nicht ersetzt wurde.
Tausende Schüler in Deutschland protestieren bundesweit gegen eine mögliche Wehrpflicht. Finden sich im neuen Wehrdienst zu wenige Freiwillige, kann der Bundestag über eine Pflicht entscheiden.
25.09.2026 | 0:20 min440 Festnahmen und mehrere Verletzte
Es ist längst mehr als ein Kampf um bessere Schulbedingungen. Im Netz und in den Nachrichtensendern kursieren Bilder von gewaltsamen Ausschreitungen, brennenden Müllcontainern vor Schultoren. Videos in sozialen Medien zeigen Auseinandersetzungen zwischen Jugendlichen und Polizeikräften, auch Angriffe auf Lehrer sind dort zu sehen.
Die Lage ist explosiv. Proteste gibt es in ganz Frankreich. Gestern Abend zog Innenminister Laurent Nuñez im Nachrichtensender BFM Bilanz. 440 Festnahmen, über 30 Verletzte, knapp 340 betroffene Schulen. Er sieht eine Gefahr für die innere Sicherheit und rechtfertigte die vielen Polizeieinsätze vor den Schultoren der Republik.
Nepal, Peru, Marokko: Die Jugend der Welt geht auf die Straße, gegen soziale Ungerechtigkeit und Korruption. Wir sprechen mit Johanna Wahl.
14.10.2025 | 7:51 minPolemik um Gewaltaufruf in Saint Denis
Im Pariser Vorort Saint Denis blockieren hunderte Jugendliche schon seit Ende letzter Woche das Lycée Paul Eluard. Der Bürgermeister der Stadt, Bally Bagayoko vom linkspopulistischen LFI, ist immer wieder vor Ort. Von den Jugendlichen wird er wie ein Star gefeiert.
Der 53-jährige Bagayoko war selbst Schüler im Lycée Paul Eluard. Er wuchs als Sohn malischer Einwanderer in einem der heruntergekommenen Wohnblocks von Saint Denis auf. Inzwischen ist er eine der bekanntesten Figuren der linkspopulistischen Formation um den Präsidentschaftskandidaten Jean-Luc Mélenchon.
"Gewalt kann legitim sein, aber wo man sie vermeiden kann, sollte man das tun", sagte er gestern vor einer Schülergruppe. Seitdem reißt die Polemik nicht ab. Der Aufruf zur Gewalt hat landesweit Empörung ausgelöst. Premierminister Sebastien Lecornu wirft dem Bürgermeister vor, die Schülerproteste politisch zu instrumentalisieren.
Frankreichs Premier Lecornu will wegen der Staatsverschuldung 54 Milliarden Euro sparen. Hohe Zinsen engen den Spielraum ein. Drohen neue Gelbwesten-Proteste mit Folgen für die gesamte EU?
22.09.2026 | 2:06 minPolit-Streit um Schülerproteste
Der große Schulprotest mischte sich gestern mit einer schon länger geplanten Großdemonstration. Zwischen 200.000 und 300.000 Menschen gingen in ganz Frankreich auf die Straße. Wütende Feuerwehrleute, Angestellte aus dem öffentlichen Dienst, mehrere Gewerkschaften. Auch viele Lehrer waren dabei. Ihre Löhne sind im europäischen Vergleich extrem niedrig und auch sie beklagen die miese Ausstattung der Schulen.
Die LFI-Parteispitze mit Präsidentschaftskandidat Jean-Luc Mélenchon war geschlossen vor Ort. Er forderte Jugendliche und ihre Eltern zum Weiterprotestieren auf, sprach von "wüster Polizeigewalt". Er wittert junge Wählerstimmen und neue, krasse Bilder, die seine Narrative befeuern. Schüler- und Studierendenproteste hatten schon immer ein hohes Konfliktpotential, ein wiederkehrendes politisches Pulverfass.
Schulen zu, Busse stehen still
:Warum in Frankreich so viele streikenKeine Schule - klingt erstmal toll, oder? In Frankreich war das aber gar nicht so lustig. Statt Schule gab es Streiks und Proteste.
Inzwischen ist eine heftige politische Debatte quer durch alle Parteien im Gange. Am Lycée Auguste Renoir wollen sie weiter protestieren. "Bildung ist ein Grundrecht!", sagt die 17-jährige Janelle.
Sie ist die Grundlage für die Menschen von morgen, die Wirtschaft von morgen, dafür kämpfen wir.
Janelle, Schülerin
Für Donnerstag haben die Schülerinnen und Schüler zu einem weiteren großen Aktionstag aufgerufen.
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