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Tuesday, October 20, 2026

Vor allem Frauen betroffen: Studie: Hunderttausende pflegende Angehörige fehlen dem Arbeitsmarkt

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Vor allem Frauen betroffenStudie: Hunderttausende pflegende Angehörige fehlen dem Arbeitsmarkt

20.10.2026, 08:31 Uhr

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Mehr als eine halbe Million Frauen, die vor allem die Pflege von Angehörigen stemmen, könnten deswegen bis 2045 weniger oder gar nicht arbeiten. (Foto: picture alliance / KNA)

Hunderttausende Arbeitnehmer pflegen Angehörige zu Hause und reduzieren deswegen ihre Arbeitszeit. In den nächsten zwei Jahrzehnten wird dies laut einer Studie dem Umfang von umgerechnet mehr als 200.000 Vollzeitstellen entsprechen.

Immer mehr Menschen pflegen ihre Angehörige und das wird in den kommenden Jahren auch zunehmend Folgen für den Arbeitsmarkt haben. Laut einer Studie könnte bis 2045 der damit verbundene Verlust an Erwerbstätigkeit auf rechnerisch 229.000 Vollzeitstellen steigen, wie aus einer Analyse der Bertelsmann Stiftung und der Prognos AG hervorgeht. Dies wäre ein Zuwachs von einem Viertel im Vergleich zu diesem Jahr. Grund sei der demografische Wandel. Während 2023 noch 8,7 Prozent der Bevölkerung im Erwerbsalter ein Familienmitglied pflegten, werde dieser Anteil bis 2045 voraussichtlich auf 13,3 Prozent steigen.

"Wir dürfen den wachsenden Pflegebedarf nicht mit Rückschritten bei der Gleichstellung bezahlen", warnte Michaela Hermann, Arbeitsmarktexpertin der Bertelsmann Stiftung. Da vor allem Frauen ihre Erwerbstätigkeit für die Pflege einschränkten oder aufgäben, verlören sie berufliche Perspektiven und der Jobmarkt dringend benötigte Fachkräfte. Der Arbeitsmarktexperte Eric Thode ergänzte, dass die gesellschaftliche Alterung dem Arbeitsmarkt immer mehr Erwerbspotenzial entziehen werde, wenn sich an der Situation der Pflegenden nichts ändere. "Das hemmt die berufliche Entwicklung der Betroffenen und trübt die Wachstumsaussichten", sagte Thode.

Rund sechs Millionen Menschen in Deutschland sind pflegebedürftig, drei Viertel von ihnen werden von Angehörigen zu Hause betreut. Wer Verwandte pflegt, verkürzt oft seine Arbeitszeit oder unterbricht die Erwerbstätigkeit. Die Folgen davon treffen Frauen der Analyse zufolge besonders stark. Sie stellen mit zwei Dritteln bereits den größten Anteil der Pflegenden und investieren im Schnitt sechs Stunden mehr pro Woche in die Pflege als Männer. Setzen sich diese Muster fort, könnten 2045 rund 580.000 Frauen wegen ihrer Pflegeverantwortung weniger oder gar nicht erwerbstätig sein. Dies entspreche drei Viertel des gesamten Verlusts an Erwerbsvolumen.

Die Autoren der Studie fordern von Politik und Unternehmen, die sogenannte informelle Pflege stärker in den Blick zu nehmen. Künftige Reformen wie das im Koalitionsvertrag angekündigte Familienpflegegeld sollten auf eine partnerschaftliche Verteilung der Pflegeverantwortung ausgerichtet sein. "Wer Angehörige pflegt, leistet einen enormen gesellschaftlichen Beitrag", sagte Hermann. Wer dafür die Erwerbstätigkeit einschränke, riskiere jedoch Einbußen bei Einkommen und Alterssicherung. Pflegende bräuchten daher verlässliche Absprachen mit ihren Arbeitgebern. Firmen sollten flexiblere Arbeitszeiten und möglichst auch Homeoffice anbieten.

Die Bundesregierung versucht, die Pflegeversicherung vor dem Hintergrund der alternden Gesellschaft fit für die Zukunft und finanzierbar zu machen. Die schwarz-rote Koalition hat die Reform aufgeteilt und setzt eine Kommission ein, die Vorschläge für strukturelle Veränderungen machen soll.

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