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Tuesday, October 27, 2026

Gesundheitstourismus: Schöner altern

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Wie viele Wellnesstempel hat sich das Aqua Dome im österreichischen Längenfeld dem Trend Longevity angeschlossen. Was ist dran an den Versprechungen?

Wer möchten nicht gesünder, fitter, schlanker werden? Ein gutes, möglicherweise längeres Leben haben? Longevity ist das Schlagwort dafür, nicht nur in der globalen Wellness- und Tourismusindustrie. Hotels, Resorts und Destinationen überbieten sich mit Angeboten rund um „gesundes Altern“. Und ein herausragender Wellnesstempel wie das Aqua Dome im österreichischen Längenfeld im Ötztal bringt die besten Bedingungen dafür mit.

Im riesigen Thermalschwimmbad von 49.000 Quadratmeter mit 2.300 Quadratmeter Wasserfläche ist für alles gesorgt. 67 Grad heißes Schwefelwasser speist die Therme mit zwei Innenbecken von 34 bis 36 Grad Celsius, eine große Galerie lädt zum Ausruhen. In der Glaskuppel spiegeln sich die Bergspitzen, innen ist es karibisch warm. Vom großen Innenbereich schwimmen die Badenden über ein Flussbecken hinaus in die Freiluft-Therme. Mittendrin thront dort das beleuchtete und beheizte Glaskristall. Steigt man die Treppen hinauf, gelangt man zur Sensation der Therme: zu den schwebenden Schalenbecken im Freien, die auch bei einer Außentemperatur von 25 Grad minus die Badenden im Solebad, dem Massagepool oder dem Schwefelbad das Gefühl wohliger Wärme in kalter Bergluft geben.

Riesige Wellnessoase

Gesellschafter des Aqua Dome sind unter anderen das Land Tirol, die Bergbahnen, die Gemeinde und die Raiffeisenbank mit 60 Prozent. Die Architektur ist von der Bergwelt abgekupfert. Das Aqua Dome ist mächtig wie die Bergmassive: grauer Stein, Fichtenholz und in der Form einem Bergkristall nachgeahmt. Die Therme ist eine Mischung aus Spaßbad und überdimensionierter Wellnessoase. Wohlfühlfantasien der trendigen Art. Fast keine wurde ausgelassen. Die Saunenlandschaft trumpft auf: Loft-, Erd-, Blockhaus-, Heustadl-, Kräuter-, Sole-Sauna. Ein riesiges Dampfbad. Im angrenzenden Ruheraum mit Blick gen Gletscher schaukeln die Wasserbetten den Besucher in behagliches Dösen. Und natürlich gibt es alle sportlichen In- und Outdoor-Aktivitäten: Fitnessraum mit Spinning, Tai-Chi, Qi-Gong, Tae-Bo, Klangschalentherapie, Yoga, Jazzdance & Co. Ski fahren, selbst im Sommer, ist in der Ski-Hochburg Sölden ohnehin selbstverständlich, und für Nordic Walking gibt es einen extra Parcours. Mountainbiking ist längst angesagt. Hier ist man angekommen in der schönen, neuen Freizeitwelt. Hier fühlt man sich verwöhnt nach allen Schikanen. Hier werden die Tops der Freizeitwelt getoppt. Und natürlich Kosmetik, Fußpflege, Massagen, Hautdiagnostik.

Innovation Fettwaage

Felix Graf, Leiter des Fitness Center im Aqua Dome, analysiert den Gesundheits- und Körperzustand mit Tanita, der Körperanalyse-Waage. Sie sendet ein elektrisches Signal durch den Körper, um den Widerstand durch Fettgewebe zu messen. Ihre Informationen gehen weit über die einfache Messung des Körpergewichts hinaus. Sie misst mehr als zehn verschiedene Werte wie Muskelmasse, das Körperwasser und das metabolische Alter. Damit soll, so die Philosophie ihres Entwicklers, ein Beitrag zur weltweiten Gesundheitsförderung geleistet werden. Entwickelt wurde die Waage 1992 von dem Japaner Tomio Sato, ein Mitarbeiter des Unternehmens Tanita.

„Grundsätzlich ist dieses Prinzip von Langlebigkeit schon immer da gewesen. Aber nun führen wir Messungen mit neuesten Technologien aus, denn die Technologie wächst mit. Man kann sich tracken über Schrittzähler am Handy oder durch irgendwelche Smartwatches, durch Ringe, die die Vitalwerte aufnehmen“, erklärt Graf. „Hier können wir eine Stoffwechselanalyse durchführen, auch eine Leistungsdiagnostik, wo die maximale Sauerstoffaufnahme festgelegt wird. Wir schauen, wie fit das kardiovaskuläre System ist, das Herz-Kreislauf-System. Wie gut der Körper wirklich Sauerstoff aufnehmen kann. Das sind die wichtigsten Longevity-Werte.“

Longevity soll die Lebensspanne nicht nur zu verlängern, sondern vor allem die gesunden Lebensjahre maximieren. Wissenschaftlich basiert das Konzept auf Erkenntnissen aus Ernährungsmedizin, Bewegungslehre, Stressforschung und Prävention. Faktoren wie ausgewogene Ernährung, regelmäßige Bewegung, ausreichend Schlaf, soziale Einbindung und der Verzicht auf schädliche Gewohnheiten sind die zentralen Säulen. Viele Longevity-Angebote in Hotels bestehen aus klassischen Wellness- und Gesundheitsbausteinen – ergänzt durch moderne Begriffe und eine teure Diagnostik.

Viele Luxushotels positionieren sich inzwischen gezielt als „Longevity-Destinationen“. Sie bieten Programme, die Detox-Kuren, Biohacking, Schlafoptimierung, Diagnostik, personalisierte Ernährung oder mentale Gesundheit umfassen. Der Wellness-Tourismus umfasste 2024 nach Angaben des globalen Wellnessinstituts 894 Milliarden US-Dollar weltweit. Bis 2029 wird ein Wachstum auf rund 1,4 Billionen US-Dollar erwartet. Die jährliche Wachstumsrate liegt deutlich über dem klassischen Tourismus.

„Eine Therme dient per se der Gesundheit“, sagt Bärbel Frey, Geschäftsführerin des Aqua Domes beim Abendessen im Speisesaal des Hotels. „Am Longevity-Trend kommen wir nicht vorbei, denn der Gesundheitstrend ist einfach extremer geworden, viel extremer.“ Seit Eröffnung des Aqua Domes vor 24 Jahren ist Bärbel Frey dabei, ebenso ihre Kollegin, die Hoteldirektorin Barbara Krabath – effiziente Frauenpower mit Blick fürs Detail. Nicht nur am überquellenden Buffet, bei dem es schwerfällt, sich zwischen Salat und Käseplatten, zwischen Rinderroulade und Tirolerspeckknödeln für die „Clean Cuisine“ zu entscheiden. Eine kalorienreduzierte, schonend zubereitete Kost, mit deutlich weniger Zucker, Weißmehl und Fett – passend zum Longevity-Programm.

Der Wille zur Selbstoptimierung

„Der Besuch des Fitnessstudios ist in einem bestimmten Alter unbedingt zu empfehlen“, sagt Julian Deinert, Fitnesstrainer und Ernährungsberater des Resorts. Dem durchtrainierten Deinert, ein Prototyp des männlichen Modells der Fitnessszene, glaubt man gern. Er beschreibt ausführlich die Notwendigkeit des Muskeltrainings gegen Muskelschwund im Alter, Haltungsschäden und Fettleibigkeit. „Man muss an seine Grenzen gehen“, sagt er und erhöht en passant das Gewicht an der Schulterpresse, wo gerade ein älterer Herr übt. Julian Deinert gibt auch Ernährungstipps, viele die man ohnehin kennt, aber es schadete ja nicht, darüber nachzudenken, dass Sonnenblumenöl viele ungesunde, gesättigte Fettsäuren hat und man auf den Zucker im Kaffee besser verzichten sollte. Und er empfiehlt Omega 3, Kreatinphosphat und andere Nahrungsergänzungsmittel. Deinert setzt auf den absoluten Willen zur Selbstoptimierung.

„Longevity ist State of the Art, muss man haben“, sagt Barbara Krabath, die Direktorin des Aqua Domes. „Und wir wollen dabei sein, weil wir überzeugt sind, dass es zu unserem Resort und zu unserem Produkt passt. Deshalb haben wir letztes Jahr damit angefangen und bauen es jetzt stufenweise weiter aus.“ Man habe ihr das Aqua Dome direkt vor die Füße gebaut. „Ich bin gebürtige Längenfelderin, wohne fünf Gehminuten vom Resort entfernt. Seit 2024, also seit der Baustellenzeit bin ich hier im Aqua Dome“, erzählt sie. Das ist keine Selbstverständlichkeit im Tourismusgeschäft mit seiner hohen Fluktuation. Natürlich habe sich in der Zwischenzeit einiges geändert. „Wir sind größer geworden, von 140 auf 200 Zimmer, und es kommt eine neue Generation von Mitarbeitern. Die brauchen eine andere Führung, eine andere Ansprache. So wie wir in der Branche groß geworden sind, funktioniert das nicht mehr. Und da sind natürlich wir selber auch gefordert, dass wir sagen, wir bilden uns weiter.“

Tourismus, vor allem ein extensiver Wintertourismus in Sölden hält das Ötztal in Schwung, auch wirtschaftlich. Mit der einheimischen Bevölkerung klappe es gut, sagt die Einheimische Krabath. „Als wir eröffnet haben, hatte Längenfeld circa 2.500 Einwohner, mittlerweile sind es 5.000 Einwohner. Das heißt, es sind sehr viele Menschen nach Längenfeld gezogen, weil sich im Tal viel verändert hat. Vermietet worden ist im Ortsteil seit jeher, seien es einfache Zimmer oder Apartments. Das haben auch meine Eltern früher gemacht. Wir sind mit dem Tourismus groß geworden. Und direkt oder indirekt profitiert bei uns auch jeder vom Tourismus.“

Longevity fügt nicht nur dem Tourismus im Ötztal ein neues Segment hinzu, vor allem passt es perfekt in einen größeren gesellschaftlichen Trend: die permanente Selbstoptimierung. Gesundheit wird zunehmend zu einem Lifestyle-Produkt. Wer es sich leisten kann, investiert in Programme, Diagnostik und Retreats. Longevity wird damit auch zu einem sozialen Distinktionsmerkmal. Die Überreichen dieser Welt wie Musk und Thiel haben es längst zu ihrer Agenda gemacht. Den weniger Privilegierten bleibt nur ein Trost: Gesunde Lebensweise muss man sich täglich erkämpfen durch Disziplin, Beweglichkeit und langfristiges Ernährungsbewusstsein. Longevity beginnt im Alltag, nicht beim Auftanken mit Verwöhnprogramm im Spa eines Resorts.

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