Polizei entsetzt: Briten-Premier will Fußballfans ihr Recht aufs Stadionbier zurückgeben

Briten-Premier will Fußballfans ihr Recht aufs Stadionbier zurückgeben
24.09.2026 | 10:43 Uhr
Seit gut 40 Jahren dürfen englische Fußballfans beim Spiel ihres Lieblingsklubs im Stadion kein Bier trinken. Der neue Premierminister Andy Burnham will dieses Gesetz aus der Thatcher-Ära nun kassieren. Die Reaktionen sind gemischt.
Andy Burnham ist seit Kurzem britischer Premierminister - und seit Langem Fußballfan. Der Labour-Politiker, seit Jahrzehnten Anhänger des FC Everton, weiß, wie es in Fußballstadien zugeht. Und er weiß auch um das 1985 von der damaligen Thatcher-Regierung eingeführte Alkoholverbot auf den Tribünen der englischen Fußballstadien. Das will Burnham nun kippen. Zumindest denkt er laut darüber nach. Und provoziert damit Entsetzen bei der Polizei.
"Ich halte es nicht für fair, dass Fußballfans auf diese Weise herausgegriffen werden, und das habe ich auch deutlich gemacht. Ich denke, diese Gesetzgebung stammt aus einer Zeit, in der der Fußball noch ganz anders war", sagte Burnham auf dem Flug zur UN-Vollversammlung in New York zu Reportern. "Und ich glaube fest daran, dass es gute Gründe gibt, diese Diskriminierung zu beseitigen." Der Schritt wurde von der Football Supporters’ Association und der English Football League begrüßt.

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Polizei ist entsetzt
Die Polizei dagegen warnte, es sei "unglaublich unüberlegt", Änderungen vorzunehmen, ohne deren Auswirkungen auf die Sicherheit zu berücksichtigen. Ein Sprecher der UK Football Policing Unit, die die Polizeistrategie im Fußball in England und Wales koordiniert, sagte: "Die UKFPU würde ein Treffen mit dem Premierminister begrüßen, um seine Ansichten zu erörtern und die Herausforderungen zu erläutern, die diese vorgeschlagenen Änderungen für die Polizeiarbeit und die Sicherheit von Mitarbeitern und Fans bei Fußballspielen mit sich bringen würden." Ein Kritikpunkt an der jahrzehntealten Regelung ist, dass sie ausschließlich für Fußballspiele gilt. Bei anderen sportlichen Großveranstaltungen - wie etwa im Cricket oder im Rugby - ist das Trinken von Alkohol in den Stadien erlaubt.
"In anderen Sportarten kommt es einfach nicht in dem Maße zu Gewalt und kriminellem Verhalten seitens der Anhänger wie im Fußball – auch wenn es sich dabei um eine Minderheit handelt –, wobei Alkohol oft eine wesentliche Rolle bei gewalttätigem und ordnungsstörendem Verhalten spielt", sagte der Polizeisprecher. "Es wäre unverantwortlich, dies noch zu verstärken, indem man einen höheren Alkoholkonsum während der Spiele zulässt."

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Das Trinken von Alkohol in Sichtweite des Spielfelds ist in England und Wales verboten. Das Gesetz wurde eingeführt, als Hooliganismus in den englischen Stadien allgegenwärtig war. Die aktuellen Vorschriften gelten innerhalb von 15 Minuten vor dem Anpfiff und nach dem Schlusspfiff.
Fans begrüßen Vorstoß
Burnham lehnt das Verbot seit Langem ab und bezeichnet es als diskriminierend und überholt. Es erinnere an eine Zeit, in der Gewalt im Fußball durch Alkoholkonsum in Sichtweite des Spielfelds angeheizt wurde. Ein Sprecher der English Football League unterstützte den Vorstoß des Premierministers: Man stehe einer Überprüfung der Gesetzgebung, die "vor mehr als 40 Jahren eingeführt wurde und mit den bedeutenden Entwicklungen in den Stadien nicht Schritt gehalten hat", aufgeschlossen gegenüber.

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Eine von Fans initiierte Überprüfung der Fußball-Gesetzgebung im Jahr 2021 schlug vor, den Alkoholverkauf auf den Stehplätzen bei Spielen der League Two und der National League zu testen, um Vereinen der unteren Ligen zu helfen, ihre Kassen zu füllen. Pilotprojekte wurden bereits im Frauenfußball durchgeführt, nicht jedoch bei Männerpartien.
Tom Greatrex, Vorsitzender der Football Supporters' Association, sagte: "Die FSA hat stets argumentiert, dass es unfair ist, Fußballfans zu kriminalisieren, weil sie beim Spiel ein Pint trinken - zumal man auf demselben Platz sitzen und Alkohol trinken darf, während man ein Oasis-Konzert oder ein Rugby-League-Spiel verfolgt. Wir begrüßen die Äußerungen des Premierministers und stimmen voll und ganz zu, dass die Gesetzgebung veraltet ist und einer Überprüfung bedarf."
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