Lindholm-"Tatort" im Check: Alles ist Gemüse

13.09.2026, 10:03 Uhr
Von Julian Vetten

Vier geschlagene Monate lang musste Fernsehdeutschland auf einen frischen Sonntagskrimi warten: Nun eröffnet "König in Gelb" die "Tatort"-Saison 2026/27. Ob die längste Sommerpause der Seriengeschichte mit einem Paukenschlag endet, lesen Sie hier.
Was passiert?
Kommissarin Lindholm (Maria Furtwängler) wird qua Amtshilfe zu einem Todesfall in einer Demenzklinik auf dem niedersächsischen Land gerufen. Eine Bewohnerin ist beim Spazierengehen gestürzt und gestorben, es gibt keine Hinweise auf Fremdeinwirkung. Lindholm stuft den Fall zunächst als Routinesache ein, doch kurz darauf meldet sich ein Kollege: Matthias Vogel (Andreas Lust) berichtet, die Spur eines siebenfachen Serienmörders führe in dieselbe Klinik.
Lindholm ist unsicher, wie sie mit dem Hinweis umgehen soll. Denn Vogels Zustand, der selbst an Demenz erkrankt ist, schwankt: In manchen Momenten wirkt er wie ein kompetenter, kooperativer Ermittler, in anderen ist er desorientiert und bewegt sich zwischen Erinnerung und Einbildung. Im Verlauf der Ermittlungen übertragen sich Vogels Zweifel und seine Sorge, beobachtet zu werden, zunehmend auf Lindholm selbst, die bald an der Verlässlichkeit ihrer eigenen Erinnerungen zu zweifeln beginnt.
Worum geht es wirklich?
Wenig überraschend um die Volkskrankheit Demenz, an der fast zwei Millionen Menschen in Deutschland leiden. "König in Gelb" will darauf aufmerksam machen, dass schon heute passende Betreuungskonzepte nicht einfach zu finden sind. Die Plätze sind knapp, auch ohne die knappe Million zusätzlicher Betroffener, die wegen der stark alternden Gesellschaft bis 2050 dazukommen sollen.
Wegzapp-Moment?
Gibt es am laufenden Band: Von Lindholms seltsamen Interaktionen mit dem dementen Kommissar bis zu den furchtbar platten Dialogen, nach denen man am Ende selbst ein bisschen zu dem Gemüse wird, von dem viel die Rede ist.
Wow-Faktor?
Am ehesten noch der Fakt, dass der diesjährige Saison-Auftakt mit einer Tradition bricht: Zum allerersten Mal in der "Tatort"-Geschichte feiert der neueste Serien-Teil nicht sonntagabends um 20:15 Uhr Premiere, sondern ist schon seit Freitagabend in der Mediathek abrufbar.
Wie ist es?
3 von 10 Punkten. Nach der längsten Sommerpause der "Tatort"-Geschichte - mehr als vier Monate sind seit dem letzten Fall vergangen - ist der Saisonauftakt 2026/27 einer zum Vergessen: "König in Gelb" will auf die soziale Ungleichheit aufmerksam machen, die das Pflegesystem reproduziert, einen sehr kalten Mordfall wieder aufwärmen und mit Lindholm und Vogel zwei Ermittler in einem bizarren Demenz-Ballett herumwirbeln. Das geht natürlich schief, der Film ist vor allem eines: heillos überladen.
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