Saudi-Arabien unter Druck: Was das für den Ölpreis bedeutet
Im Jemen kontrolliert die Huthi-Miliz wichtige strategische Abschnitte der Meerenge Bab al-Mandab. Eine wichtige saudische Ölpipeline wurde wegen beobachtetem Rauch vorsorglich abgeschaltet.
12.09.2026 | 0:26 minDer sich ausweitende Konflikt im Nahen Osten setzt den weltgrößten Ölexporteur Saudi-Arabien massiv unter Druck. Nach der iranischen Blockade der Straße von Hormus und der zunehmenden Bedrohung der Meerenge Bab al-Mandab durch die Huthi-Miliz im Jemen muss das Königreich nach Drohnenangriffen auch noch eine wichtige Pipeline abschalten.
Eine daraus folgende zusätzliche Reduzierung saudischer Exporte könnte den Ölpreis und damit die Benzinpreise auch in Deutschland noch weiter ansteigen lassen. Die wichtigsten Fragen und Antworten:
Was ist passiert - und wer steckt hinter dem Angriff?
Die Ost-West-Pipeline, die unter Umgehung der faktisch blockierten Straße von Hormus große Mengen Öl vom Persischen Golf zum Roten Meer bringen kann, wurde nach Angriffen auf die Leitung in den Regionen Riad und Medina vorsorglich stillgelegt. Das saudische Außenministerium teilte in der Nacht auf der Plattform X mit, bei dem Drohnenangriff, der aus dem Irak gestartet worden sei, seien Schäden verursacht und mehrere Menschen verletzt worden.
ZDF-Wirtschaftsexpertin Sina Mainitz erklärt, warum der Konflikt im Persischen Golf die Märkte belastet. Investoren hätten die Hoffnung auf ein "schnelles Ende" des Krieges aufgeben.
09.09.2026 | 1:35 minWer hinter dem Angriff steckt, wurde nicht mitgeteilt. Im Irak operieren einige vom Iran unterstützte Milizen. Das saudische Außenministerium erklärte, auf Bitten des Nachbarlands werde man aktuell im Irak keine Schritte gegen die Angreifer unternehmen. Zunächst bekämen die irakischen Behörden die Chance, selbst Maßnahmen zu ergreifen, um künftige Angriffe zu vermeiden.
Wie wichtig ist die Pipeline für Saudi-Arabiens Ölexporte?
Die Angriffe auf die Pipeline treffen Saudi-Arabien an einer sehr empfindlichen Stelle: Über die mehr als 1.200 Kilometer langen Röhren können pro Tag bis zu sieben Millionen Barrel Öl (ein Barrel entspricht 159 Liter) aus der Region am Persischen Golf zur Verschiffung nach Westen ans Rote Meer gepumpt werden.
Seit Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar und der darauffolgenden weitestgehenden Blockade der Straße von Hormus durch iranische Drohungen und Angriffe auf Schiffe versucht Saudi-Arabien mit Hilfe der Pipeline einen noch größeren Einbruch seiner Ölexporte zu verhindern.
Nach rund einem Monat greifen sich Iran und die USA erneut an, der Ölpreis steigt weiter. ZDF-Korrespondent Elmar Theveßen sagt, es sei "keine Lösung in diesem Konflikt in Sicht".
02.09.2026 | 2:29 minUS-Medien wie CNN und das "Wall Street Journal" berichteten, bei den Angriffen seien wohl Pumpstationen der Pipeline getroffen worden. Sie beriefen sich dabei auf Satellitenbilder, die zeigen sollen, dass es dort zu Bränden gekommen ist. Wie groß der Schaden ist, und bis wann er behoben werden kann, blieb zunächst unklar. Die Pipeline-Infrastruktur war bereits im April angegriffen worden, woraufhin die Kapazität der Röhren kurzzeitig gedrosselt werden musste.
Saudi-Arabien war vor dem Krieg hinter den USA der zweitgrößte Ölproduzent und der weltweit wichtigste Exporteur des Rohstoffs, der für die gesamte Weltwirtschaft von zentraler Bedeutung ist.
Warum ist Saudi-Arabiens Ausweichroute bedroht?
Inzwischen ist auch Saudi-Arabiens wichtigste Routenalternative zur Straße von Hormus, die Verschiffung über das Rote Meer und die Meerenge Bab al-Mandab in Richtung Asien, zunehmend gefährdet. Die mit dem Iran verbündeten Huthi-Rebellen nahmen jemenitischen Regierungsquellen zufolge die gesamte Küste des Roten Meers im Jemen und strategisch wichtige Inseln ein. Damit haben die Huthi nun deutlich mehr Zugriff auf Bab al-Mandab. Ein Huthi-Sprecher versicherte am Freitag zwar, die Sicherheit der Schifffahrt werde gewährleistet - das gelte jedoch nicht für saudische Schiffe.
Der Bab al-Mandab verbindet das Rote Meer mit dem Golf von Aden. Beide sind Teil einer der wichtigsten Schifffahrtsrouten der Welt, die vom Mittelmeer über den Suezkanal bis in den Indischen Ozean führt und somit den kürzesten Schifffahrtsweg zwischen Europa und Asien darstellt. Die Huthi-Miliz hat dort auch in der Vergangenheit schon immer wieder Schiffe angegriffen.
Die Inflation ist im August auf 2,9 Prozent gestiegen, schätzt das Statistische Bundesamt. Vor allem die im Zuge des Iran-Kriegs gestiegenen Energiepreise lassen die Teuerungsrate wieder ansteigen.
31.08.2026 | 1:34 minWelche Auswirkungen hat der Konflikt auf den Ölpreis?
Der Vormarsch der Huthi und die Schäden an der Pipeline könnten den Ölpreis in Richtung 120 US-Dollar pro Barrel treiben, sagte der Analyst Hamad Hussain von der Beratungsfirma Capital Economics dem "Wall Street Journal". Letztlich hänge das auch vom Ausmaß der Schäden an der Pipeline ab. Manche Analysten halten bei einem längeren Andauern des Konflikts auch einen noch höheren Ölpreis für möglich. Noch liegt er aber ein gutes Stück unter dem Jahreshoch von rund 126 Dollar, das Ende April erreicht wurde.
Die USA kündigen die "härtesten Sanktionen der Geschichte" und die "Endphase" des Konflikts mit Iran an. ZDFheute live analysiert die Details, Hintergründe und was neue Sanktionen bringen.
24.08.2026 | 36:21 minDer Rohöl-Preis legte zuletzt wieder deutlich zu. Der Preis für ein Barrel der Referenzsorte Brent aus der Nordsee mit Lieferung im November erreichte am Freitag zeitweise fast 110 US-Dollar. Vor dem Iran-Krieg lag der Ölpreis im Februar bei um die 70 Dollar pro Barrel. Damals lief noch etwa ein Fünftel der weltweiten Öl- und Flüssiggasexporte über die Straße von Hormus.
Quelle: dpa
Über das Thema berichtete heute Xpress am 12.09.2026 um 09:38 Uhr.
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