Werders Weg: Viel Kampf und ein Schuss Romantik
Damit ein Moment als magisch bezeichnet werden kann, muss einiges zusammenkommen: Ort, Zeitpunkt, die besonderen Umstände - vor allem muss er den Wendepunkt einer Geschichte darstellen. Solch einen Moment erlebte das Bremer Weserstadion am vergangenen Samstag um 16:59 Uhr, als RB Leipzig dort gastierte.
Werder-Stürmer Niclas Füllkrug stieg nach einem Eckball vor der Fankurve hoch, köpfte den Ball in einer eleganten, hohen Flugkurve ins lange Toreck und löste einen Jubel aus, wie ihn das Stadion seit dem Wiederaufstieg in die Bundesliga vor vier Jahren nicht mehr erlebt hatte.
Werder Bremen überrascht gegen RB Leipzig und wendet den befürchteten Fehlstart in die Saison ab. Beim 3:1 steht vor allem Heimkehrer Niclas Füllkrug im Fokus.
07.09.2026 | 9:02 minWerder baut auf die Rückkehrer Füllkrug und Dinkci
"Ich hatte ein bisschen das Gefühl, dass es heute so sein sollte und ich vor der Ostkurve treffe", sagte der Torschütze nach seinem ersten Spiel im Weserstadion seit mehr als drei Jahren.
Ich habe gespürt, dass es deutlich emotionaler ist als woanders.
Niclas Füllkrug
Werder-Trainer Daniel Thioune meinte anschließend, man hätte "für alle Fußballromantiker das Buch da schon zuschlagen können". Schließlich hatte der ebenfalls zu Werder zurückgekehrte Eren Dinkci das 1:0 erzielt.
Am Ende stand es 3:1 für Werder. Wichtiger als das nackte Ergebnis war der Stimmungsumschwung des Anhangs von großem Pessimismus zu neuer Hoffnung.
In der Vorbereitung hatte sich vieles aus der letzten Zittersaison wiederholt: Abgänge von Leistungsträgern (Mio Backhaus, Karim Coulibaly, Romano Schmid), verletzte Schlüsselspieler (Jens Stage, Justin Njinmah) sowie Last-Minute-Verpflichtung von Leih-Profis (Füllkrug, Dinkci, Youri Regeer, Moussa Ndiaye). Nach der 1:4-Niderlage in Freiburg war der Druck auf dem Kessel wieder hoch.
Mehr Heidenheim, weniger Bayer München
Bemerkenswert an der Leistungssteigerung gegen Leipzig war die Tatsache, dass sie mit sechs Neuzugängen in der Startelf zustande kam. Die Mannschaft kompensierte mangelnde Eingespieltheit mit großer Lauf- und Kampfbereitschaft. Dem waren die spielerisch überlegenen Leipziger physisch und mental nicht gewachsen waren.
"Wir werden nicht jedes Wochenende überperformen können, was die physischen Daten betrifft", dämpfte Thioune am Donnerstag vor dem Auswärtsspiel beim 1. FC Köln die Erwartungen. "Aber: Wir können uns zumindest daran orientieren." Der Werder-Trainer weiß genau, wie er die Qualität seiner Mannschaft einzuordnen hat. "Wir wollen ein Stück weit mehr wie Heidenheim sein, als danach zu streben, Bayern München zu sein."
Werder Bremen bleibt bei seiner ersten Auswärtsfahrt der Bundesliga-Saison beim SC Freiburg chancenlos. Beim 4:1 (2:0) gewinnen die Breisgauer auch in der Höhe verdient.
30.08.2026 | 7:32 minDie richtigen Typen
Thioune macht gerade die gleiche ernüchternde Erfahrung wie seine Vorgänger Florian Kohfeldt, Ole Werner und Horst Steffen: Die Träume von einem begeisternden Offensiv-Fußball mussten früher oder später einem pragmatischen Ansatz weichen. Thiounes Vorteil könnte sein, dass er diesen Lerneffekt bereits nach dem zweiten Spieltag hat - und nicht nach einem negativen, sondern einem sehr positiven Erlebnis.
"Man hat erkannt, dass wir der Mannschaft etwas mitgegeben haben", blickt er auf den Sieg gegen Leipzig zurück. "Dass sie tief kontrolliert Räume intensiv verteidigen muss und dass sie dann, wenn sie hoch rausgeht, intensiv und aggressiv anlaufen muss." Und er hat gesehen, dass für diesen Ansatz mit Regeer und Ludovit Reis genau die richtigen Typen verpflichtet wurden: zweikampfstarke Mentalitätsspieler, die die Ausfälle von Stage und Senne Lynen als Mittefeldzentrale gegen Leipzig vergessen ließen.
Studiogast: Miron Muslić
:Die Sendung mit 1. FC Köln - Werder BremenMit der Fußball-Bundesliga und dem Abendspiel 1. FC Köln - Werder Bremen. Dazu Basketball-WM der Frauen und US Open. Studiogast ist Miron Muslić, Trainer des FC Schalke 04.
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Geliehene Heimkehr
Trotz Transfereinnahmen von etwa 40 Millionen Euro musste sich Werder aufgrund seiner finanziellen Verpflichtungen auf dem Transfermarkt wieder bei den Sonderangeboten, sprich Leihspielern, bedienen. Mit Füllkrug und Dinkci sind diesmal allerdings zwei Spieler im Paket, deren Verpflichtung die Fans weniger als Leihgeschäft, sondern eher als ersehnte Heimkehr betrachten. In Köln wird sich zeigen, ob sie den Unterschied auch ausmachen können, wenn sie nicht von einer Woge der Begeisterung getragen werden wie im Weserstadion.
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