Sinneswandel nach Diesel-Deal: Trump stoppt geplante Strafmaßnahmen gegen Russland

Sinneswandel nach Diesel-DealTrump stoppt geplante Strafmaßnahmen gegen Russland
17.10.2026, 05:11 Uhr

Mit weitreichenden Sanktionen will der US-Kongress im Ukraine-Krieg den Druck auf Russland erhöhen. Mitte September unterzeichnet Trump das Paket. Doch kurz vor dem Inkrafttreten der Maßnahmen überlegt es sich der US-Präsident anders.
Knapp einen Monat nach der Unterzeichnung eines Sanktionspakets gegen Russland legt US-Präsident Donald Trump die darin vorgesehenen Zölle kurz vor ihrem Inkrafttreten auf Eis. Die drastischen Strafmaßnahmen ruhen damit bis auf Weiteres. Trump begründete sein Vorgehen in einem Dekret damit, dass dies "zum jetzigen Zeitpunkt im nationalen Interesse" der USA liege.
Das Sanktionspaket hatte Mitte September eine parteiübergreifende Mehrheit im Kongress bekommen. Die Parlamentarier beschlossen neue weitreichende Strafmaßnahmen gegen Russland, Trump besiegelte das Gesetz am 18. September mit seiner Unterschrift.
Vorgesehen war, dass die im Text verankerten Zölle und Sanktionen 30 Tage nach der Unterzeichnung automatisch greifen - es sei denn, der Präsident würde innerhalb dieser Zeit anders entscheiden. Das ist nun geschehen, kurz vor Ablauf der Frist hat Trump das Vorhaben ausgesetzt.
Trump fällt Selenskyj in den Rücken
Der Kongress wollte den Druck auf Russland erhöhen, Trump schien zuletzt aber eher gegenteilige Ziele zu verfolgen: Vor wenigen Tagen hatte er ungeachtet bestehender Sanktionen mit dem Kreml die Lieferung von russischem Diesel vereinbart und danach den Druck auf die Ukraine und Präsident Wolodymyr Selenskyj verstärkt.
Russland werde umgehend mehr als 300.000 Tonnen Diesel für die USA und den Weltmarkt zur Verfügung stellen, hatte Trump verkündet. Bestehende Sanktionen würden dafür ausgesetzt. Trump, dessen Republikaner sich in gut zwei Wochen den Wählern stellen müssen, hofft dadurch, die derzeit hohen Spritpreise wieder senken zu können. In den vergangenen Monaten waren die Preise für Benzin und Diesel infolge des Iran-Kriegs nach oben geschnellt. Selenskyj ließ derweil erkennen, dass er sich wegen Trumps Diesel-Deal mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin und darauffolgenden Drohungen in Richtung Kiew von den USA betrogen fühle.
Das Gesetz sieht neben direkten Sanktionen gegen russische Politiker und Firmen auch Strafmaßnahmen gegen russische Öl- und Gas-Exporte vor, mit denen Moskau seinen Angriffskrieg finanziert. Das Gesetz würde Trump unter anderem dazu berechtigen, die fünf größten Käufer russischer Energieträger mit Sanktionen zu belegen. Gleiches gilt für jene fünf Länder, die Russland am meisten dabei helfen, Energiesanktionen zu umgehen. Damit könnte es die US-Handelsbeziehungen zu den wirtschaftlichen Schwergewichten China und Indien weiter strapazieren, die große Mengen russischen Erdöls beziehen.
Das Sanktionsgesetz trägt den Namen des im Juli gestorbenen Senators und Trump-Vertrauten Lindsey Graham, der es maßgeblich vorangetrieben hatte. Viele Demokraten hatten kritisiert, dass der Gesetzentwurf Trump zu viel Freiraum bei der Verhängung oder Aussetzung von Sanktionen einräumt. Offenbar war die Sorge nicht unbegründet.
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