Dorfstreit eskaliert: Gemeinderat tritt geschlossen zurück

- Der gesamte siebenköpfige Gemeinderat von Brienzwiler im Berner Oberland hat seinen sofortigen Rücktritt angekündigt.
- Er begründet den Schritt mit der zugespitzten Lage: Behörden und Angestellte seien persönlich angegriffen worden.
- Das Regierungsstatthalteramt soll eine besondere Verwaltung einsetzen, am 9. Dezember wird neu gewählt.
In Brienzwiler im Berner Oberland eskaliert ein seit Längerem schwelender Streit: Wie der «Blick» berichtet, hat der gesamte Gemeinderat seinen sofortigen Rücktritt angekündigt. In der 530-Einwohner-Gemeinde im Berner Oberland soll am 9. Dezember eine neue Exekutive gewählt werden.
Die siebenköpfige Behörde begründet den Schritt mit der stark zugespitzten Situation im Dorf. Behördenmitglieder, Angestellte und ihre Familien seien persönlich stark belastet worden. Mehrere Personen seien mit Angriffen und Rücktrittsforderungen konfrontiert gewesen. Auch der Gemeindeschreiber hat mittlerweile gekündigt.
Finanzen sind nicht der Grund für den Rücktritt
Nun soll das Regierungsstatthalteramt eingreifen und eine besondere Verwaltung einsetzen. Der abtretende Gemeinderat betont, dass die Finanzen nicht der Grund für den Rücktritt seien. Die Rechnung 2025 weise einen Ertragsüberschuss von knapp 198’000 Franken aus.
Trotzdem hatte es in den vergangenen Monaten immer wieder Konflikte gegeben. An der Gemeindeversammlung war das Budget 2026 zunächst wegen offener Fragen zu einzelnen Posten abgelehnt worden. Später wurde es unverändert angenommen. Auch die ausstehende Jahresrechnung sorgte im Dorf für Kritik.
Der Gemeinderat verweist zudem auf Pendenzen bei der Gebührenverwaltung, der Verwaltungssoftware, der Elektrizitätsversorgung, im Bauwesen und bei der Gemeindeorganisation. Pauschale Vorwürfe, diese Probleme seien allein heutigen Behördenmitgliedern anzulasten, weist er zurück.
Wie sollte eine kleine Gemeinde mit solchen Dauerstreitigkeiten umgehen?
Bürger forderten Rücktritt von drei Mitgliedern
Eine Gruppe namens «Pro Brienzwiler» hatte zuvor Rücktritte gefordert. Sie kritisiert unter anderem höhere Kosten nach dem Wechsel der externen Finanzverwaltung sowie lange Bearbeitungszeiten bei Baugesuchen. Auch die Einführung von Tempo 30 hatte für Streit gesorgt.
Christian Schranz von «Pro Brienzwiler» sagt gegenüber «Blick», die Gruppe habe nicht den Rücktritt des gesamten Rats verlangt, sondern jenen von drei Personen. Nun wolle sie selbst Verantwortung übernehmen: Mitglieder der Gruppierung könnten bei der Neuwahl für den Gemeinderat kandidieren.
Zoé Stoller (sto) arbeitet seit 2021 bei 20 Minuten und ist stellvertretende Leiterin des Ressorts Regionen.
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