Sind die fetten Jahre vorbei?: Wie viel VW-Mitarbeiter verdienen

Sind die fetten Jahre vorbei?Wie viel VW-Mitarbeiter verdienen
10.10.2026, 11:17 Uhr
Von Christina Lohner

Die übliche Gehaltserhöhung bei Volkswagen fällt im vergangenen Tarifstreit den drastischen Sparplänen zum Opfer. Im Vergleich zu anderen Arbeitgebern zahlt der Autobauer trotzdem noch stattliche Löhne. In der bevorstehenden Tarifrunde müssen Beschäftigte allerdings erneut bangen.
Mehr als fünf Milliarden Euro will VW-Chef Oliver Blume bei den Personalkosten sparen, um wieder international wettbewersbfähig zu werden. Weitere 50.000 Arbeitsplätze sollen deshalb bei Volkswagen wegfallen, die Hälfte davon in Deutschland. In Summe streicht der Autobauer damit 100.000 Jobs bis zum Jahr 2030, denn schon vor zwei Jahren hatten die Wolfsburger einen Stellenabbau in der Größenordnung beschlossen. Die Mitarbeiter, die ihren Arbeitsplatz behalten können, müssen bei den Konditionen Abstriche machen. So hat Blume etwa eine höhere Arbeitszeit ins Spiel gebracht. Kürzungen bei den jährlichen Bonuszahlungen wurden bereits im Tarifstreit vor zwei Jahren festgelegt.
Damals steckte VW bereits in seiner größten Krise seit den 1990er Jahren, schon zu dem Zeitpunkt sollten die vergleichsweise hohen Standortkosten sinken. Doch die vor knapp zwei Jahren beschlossene Schrumpfkur brachte nicht die erhoffte Kehrtwende. Die Wolfsburger stehen noch immer so unter Druck, dass die Arbeitnehmervertreter nach wochenlangem Streit schließlich im Aufsichtsrat dem Abbau weiterer 50.000 Arbeitsplätze zustimmten. Immerhin das Aus vier deutscher Werke und die Ausgliederung der Marke VW Pkw aus dem Konzern sind damit vorerst vom Tisch.
In den Augen der Arbeitnehmervertreter liegen Volkswagens strukturelle Probleme nicht bei den Gehältern. Die Arbeitskostendiskussion sei oft irreführend, betont die IG Metall. So habe der Betriebsrat kürzlich vorgerechnet, dass selbst eine Halbierung des Haustarifs VW-Fahrzeuge nur rund fünf Prozent günstiger machen würde. Entscheidend seien vielmehr die Zukunftsfähigkeit der Produkte, das Innovationstempo und die Investitionen. Die Beschäftigten leisteten bereits ihren Beitrag.
Für die bevorstehenden Tarifverhandlungen hat sich die Gewerkschaft daher fünf Prozent mehr Lohn zum Ziel gesetzt. Die letzte Gehaltserhöhung liegt zweieinhalb Jahre zurück. Teil des Sparpakets vor zwei Jahren war ein vorübergehender Verzicht auf Gehaltserhöhungen - ergänzt um Kürzungen etwa bei den Bonuszahlungen, die die Arbeitnehmerseite allerdings zum Teil abmildern konnte.
Spezialisten erhalten doppelt so hohe Grundgehälter wie Werker
Aktuell verdienen die meisten Beschäftigten in der Produktion 3900 bis 4300 Euro brutto im Monat, wie der Betriebsrat auf ntv.de-Anfrage mitteilte. Hinzu kommen Zulagen und Bonuszahlungen. Bei einem gängigen Werker-Lohn von gut 4100 Euro erhielten Produktionsmitarbeiter im vergangenen Jahr insgesamt 56.000 Euro plus Zuschläge für Nacht- und Sonntagsarbeit sowie eine Zusatzvergütung von 27,5 Prozent eines durchschnittlichen Monatseinkommens im August, die sich auch in freie Tage umwandeln lässt.
2026 dürfte die Jahressumme infolge der beschlossenen Bonuskürzungen um fast 1700 Euro geringer ausfallen. Auf den Monat umgerechnet liegt der Lohn eines "typischen" VW-Produktionsmitarbeiters damit derzeit bei gut 4500 Euro plus Zuschläge für Nacht- und Sonntagsarbeit.
In anderen Positionen sind bereits die Grundgehälter weit höher. Bachelor-Absolventen starten hier bei 5300 Euro, Master-Absolventen bei 5600 Euro. Meister erhalten gut 5950 Euro, bei mehr Verantwortung auch mehr. Bei VW verantworten die Meisterinnen und Meister sowohl ein Team als auch millionenschwere Unternehmenswerte, wie der Betriebsrat betont. Ein Fehler oder eine Unaufmerksamkeit könne zu Produktionsausfällen führen, "die Dutzende, womöglich Hunderte Fahrzeugverluste pro Tag nach sich ziehen können".
Erfahrene oder sehr gefragte Fachkräfte wie Ingenieure, Programmierer oder auch Qualitätssicherer erreichen bis zu gut 7700 Euro - das Ende der Fahnenstange im Haustarifvertrag. Spezialisten und Führungskräfte unterhalb des außertariflichen Managements bei VW, wie beispielsweise ein Werksarzt oder die Leiterin einer Unterabteilung, werden nach einem eigenen Tarifvertrag bezahlt und verdienen mehr als 8000 Euro, teils über 9000 Euro.
Das untere Ende der Grundgehälter im VW-Haustarif liegt bei rund 2400 Euro für angelernte Tätigkeiten, beispielsweise in der Großküche. Gut 3500 Euro lassen sich in der Werkssicherheit, also etwa an den Toren, verdienen.
Zulagen und Boni on top
In allen Gehaltsstufen kommen zu den Grundgehältern monatlich knapp 170 Euro Zulage sowie die jährlichen Bonuszahlungen hinzu, die Urlaubs- und Weihnachtsgeld ersetzen. Im vergangenen Jahr erhielten die Beschäftigten für 2024 noch knapp 4800 Euro Bonus ausgezahlt. Mit dieser Größenordnung ist vorerst Schluss. Garantiert ist zurzeit nur noch ein Mindestbetrag von knapp 1900 Euro im November. Im vergangenen Mai bekamen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zusätzlich eine Anerkennungsprämie von 1250 Euro.
35-Stunden-Woche und bis zu 36 freie Tage
Die reguläre Arbeitszeit beträgt 35 Stunden pro Woche. Rund 40 Prozent der VW-Beschäftigten hatten in der Vergangenheit noch Verträge mit 33 Wochenstunden für Produktionsmitarbeiter und 34 Stunden für Büroangestellte. Seit gut einem Jahr gilt für alle die 35-Stunden-Woche. Bei alten Verträgen wird die Mehrarbeit zumindest teilweise finanziell ausgeglichen - mit gut 800 Euro pro Jahr in der Produktion und rund 600 Euro im Jahr in den Bürojobs.
Bei einer Vollzeitstelle haben die Beschäftigten 30 Urlaubstage. Zusätzlich besteht die Möglichkeit, eine Zusatzzahlung in freie Tage umzuwandeln. Die "Tarifliche Zusatzvergütung" fließt im August in Höhe von 27,5 Prozent eines durchschnittlichen Monatseinkommens. Statt sich das Geld auszahlen zu lassen, können die Mitarbeiter auch sechs Tage freinehmen. Unter Umständen kann der Arbeitgeber entscheiden, wann die freien Tage genommen werden.
Der Haustarifvertrag - einer der größten in Deutschland - gilt seit diesem Jahr auch für die drei sächsischen VW-Standorte und damit für rund 130.000 Beschäftigte in Braunschweig, Chemnitz, Dresden, Emden, Hannover, Kassel, Salzgitter, Wolfsburg und Zwickau. Am Standort Osnabrück gilt der IG-Metall-Flächentarifvertrag der Metall- und Elektroindustrie.
Ex-VW-Chef kassiert noch Millionen
Zum Vergleich mit anderen Arbeitgebern: Der mittlere Bruttojahresverdienst über alle Branchen hinweg lag im vergangenen Jahr bei knapp 54.100 Euro inklusive Sonderzahlungen. Die Hälfte der Beschäftigten in Deutschland verdiente laut Statistischem Bundesamt mehr, die Hälfte weniger. Die Arbeitszeiten waren dabei oft höher, die Zahl der bezahlten freien Tage niedriger als bei VW.
Der VW-Vorstand macht im Zuge der Sparmaßnahmen ebenfalls Abstriche, bei Konzernchef Blume machte das im vergangenen Jahr fast 500.000 Euro aus. Seine Gesamtvergütung inklusive Versorgungsaufwendungen lag bei 7,42 Millionen Euro. Auch der Gewinneinbruch hinterließ dabei deutliche Spuren. Im Jahr zuvor hatte Blume noch fast drei Millionen Euro mehr verdient.
Spitzenverdiener bei Volkswagen war zuletzt jedoch immer noch Blumes Vorgänger Herbert Diess, dessen Vertrag noch drei Jahre weiterlief bis Oktober 2025 - was ihm allein fürs vergangene Jahr noch einmal mehr als neun Millionen Euro bescherte.
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