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Monday, November 2, 2026

In Brienzwiler kommts zum grossen Knall!

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Gemeinderat tritt in corpore zurück – per sofort

In Brienzwiler kommts zum grossen Knall!

In Brienzwiler BE hängt der Dorfsegen schief. Der Gemeinderat tritt per sofort geschlossen zurück. In der Gemeinde brodelt es schon länger. Die Gruppe «Pro Brienzwiler» hatte Rücktrittsforderungen gestellt.

Publiziert: vor 34 Minuten

  • In Brienzwiler BE hängt der Dorfsegen schon länger schief
  • Nun tritt der Gemeinderat in corpore zurück
  • Am 9. Dezember wird die Exekutive neu gewählt

Ruedi StuderBundeshaus-Redaktor

Das Dorf Brienzwiler BE liegt auf einer Sonnenterrasse auf der Südseite des Brünigpasses. Gut 530 Menschen zählt die Gemeinde im Berner Oberland. Ein Idyll eigentlich. Zerrissen wird dieses nicht nur durch den Kampfjetlärm des naheliegenden Militärflugplatzes Meiringen BE, sondern auch durch dorfinterne Streitigkeiten. Der Haussegen hängt schief. So sehr, dass es nun zum grossen Knall kommt: Der Gemeinderat schmeisst den Bettel hin!

Die siebenköpfige Exekutive tritt in globo per sofort ab, schreibt die Behörde in einer Mitteilung vom Montag. Das zuständige Regierungsstatthalteramt ist informiert, damit dieses eine «besondere Verwaltung nach kantonalem Recht» einsetzen kann. An der Gemeindeversammlung vom 9. Dezember soll eine neue Exekutive gewählt werden.

«Auseinandersetzung hat sich zugespitzt»

«Der Gemeinderat ist bestürzt darüber, wie stark sich die Auseinandersetzung zwischen einzelnen Brienzwilern und der Gemeinde zugespitzt hat», heisst es in der Mitteilung. Die persönliche Belastung für Behördenmitglieder, Mitarbeitende und ihre Familien sei erheblich. «Besonders bedauerlich ist, dass der Konflikt den Zusammenhalt im Dorf und die Bereitschaft, öffentliche Verantwortung zu übernehmen, beeinträchtigt.»

Demnach sollen verschiedene Behördenmitglieder wiederholt mit «persönlichen Angriffen» und Rücktrittsaufforderungen konfrontiert gewesen sein. So etwa Gemeindepräsident Adrian Schild und auch Gemeindeschreiber Thomas Riesen. Letzterer hat mittlerweile gekündigt.

Der Gemeinderat macht deutlich, dass er pauschale persönliche Angriffe und Darstellungen zurückweise, «welche komplexe, teilweise über Jahre entstandene Pendenzen einzelnen heute tätigen Personen zuschreiben». Ein an alle Haushalte verschickter Lagebericht vom September dokumentiere Aufarbeitungsbedarf in Gebührenverwaltung, Verwaltungssoftware, Elektrizitätsversorgung, Bauwesen und Gemeindeorganisation.

Krach um Gemeindeführung, Finanzen und Tempo 30

In der Gemeinde ist schon länger der Teufel los, wie Blick erfahren hat. Der Krach dreht sich insbesondere um die Führung der Gemeinde, dabei aber auch um die Finanzen. Nach einem von den Behörden aufgegleisten Wechsel der externen Finanzverwaltung wurde das Budget 2026 letzten Dezember aufgrund ungeklärter Budgetposten von der Gemeindeversammlung abgelehnt. Im Mai dieses Jahres kam es dann aber doch unverändert durch.

Die Rechnung für das Jahr 2025 hingegen lag bisher nicht vor, was ebenfalls für Ärger sorgte. Nun macht der Gemeinderat in seiner Mitteilung klar, dass nicht etwa eine finanzielle Notlage für den Gesamtrücktritt verantwortlich sei. «Die Gemeindefinanzen von Brienzwiler sind gesund. Die Jahresrechnung 2025 weist einen Ertragsüberschuss des Gesamthaushalts von 197’539.74 Franken aus.»

Mit den Kritikern habe man mehrfach das Gespräch gesucht, schreibt der Gemeinderat. «Leider gab es auch unter Einbezug der Aufsichtsbehörde keine gemeinsame Basis», heisst es weiter. Und: «Die ständigen Angriffe eines Teils der Bevölkerung haben das Fass zum Überlaufen gebracht.»

«Pro Brienzwiler» forderte Rücktritte

Zu den Kritikern gehört die Gruppierung «Pro Brienzwiler», die den Finger auf aus ihrer Sicht wunde Punkte hält. Einer davon ist Christian Schranz. Er bestätigt gegenüber Blick, dass man mit einer Petition Druck gemacht und den Rücktritt der «fehlbaren Gemeinderäte» verlangt habe. Einen Rücktritt der gesamten Exekutive hingegen nicht. Es gehe um drei Personen. Darunter auch der Gemeindepräsident, dem man separat ein entsprechendes Schreiben habe zukommen lassen.

Die Gruppierung störe sich unter anderem daran, dass der Wechsel der externen Finanzverwaltung und eine personelle Aufstockung in der Verwaltung die Gemeinde deutlich mehr koste als vorher, erzählt Schranz. Zudem gehe es bei der Bewilligung von Baugesuchen zu langsam vorwärts.

Auch Tempo 30 hatte die Gruppierung bekämpft, ist mit ihrer Beschwerde aber abgeblitzt – die Tempobeschränkung darf nun eingeführt werden. Trotzdem ist das Thema noch nicht vollends gegessen: «Der Streitpunkt sind die vielen Verfahrensfehler, welche hier wiederum durch die gleiche Führung gemacht wurden.»

Für Schranz ist klar: «Es muss nun etwas gehen.» Seitens «Pro Brienzwiler» sei man bereit, Verantwortung zu übernehmen und für den Gemeinderat zu kandidieren, kündigt er an. «Wir wollen nicht nur kritisieren, sondern auch etwas machen. Es braucht einen Neuanfang.»

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