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Friday, October 30, 2026

Russlands berüchtigte Jet-Drohne fliegt dank Schweizer Bauteilen

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  • In der russischen Jet-Drohne Geran-4 stecken zehn Bauteile der Schweizer Firmen STMicroelectronics und U-blox.
  • Laut Vladyslav Vlasiuk, Berater von Präsident Selenski, enthalten 95 Prozent der russischen Drohnen und Raketen Schweizer Teile.
  • Er kritisiert, die Schweiz tue zu wenig, und fordert Strafverfolgung und stärkere Kontrollen.
  • Das Seco verweist darauf, dass die Güter meist im Ausland gefertigt werden und daher keine Ausfuhr stattfinde.

Die Geran-4 sorgt bei der ukrainischen Bevölkerung für Angst und Schrecken: Die Weiterentwicklung der iranischen Shahed-Drohne erreicht dank ihres Jet-Antriebs viel höhere Geschwindigkeiten und kann so regelmässig die ukrainische Flugabwehr durchbrechen – mit potenziell verheerenden Folgen, gerade für die kommenden Wintermonate.

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Dass die Kamikazedrohne zuverlässig funktioniert, hat die russische Armee auch der Arbeit zweier Schweizer Unternehmen zu verdanken: Wie der ukrainische Militärgeheimdienst GUR auf seiner Info-Seite zur Geran-4 schreibt, sind in der Angriffsdrohne insgesamt zehn Bauteile der Firmen STMicroelectronics und U-blox verbaut, die beide ihren Sitz in der Schweiz haben. Total haben die Analysen diverser Waffen Bauteile von elf verschiedenen Schweizer Herstellern gefunden.

Insgesamt zehn verschiedene Bauteile von Schweizer Unternehmen wurden bislang in der Geran-4-Drohne gefunden.

Insgesamt zehn verschiedene Bauteile von Schweizer Unternehmen wurden bislang in der Geran-4-Drohne gefunden.Screenshot/war-sanctions.gur.gov.ua

So wichtig sind die Bauteile

Nicht nur in der Geran-4, sondern auch in diversen anderen Angriffswaffen Russlands finden sich Schweizer Bauteile. Wie Vladyslav Vlasiuk, der Präsident Wolodimir Selenski hinsichtlich internationaler Sanktionen berät, gegenüber SRF News sagt, enthalten 95 Prozent der russischen Drohnen und Raketen Schweizer Bauteile.

Darum kritisiert die Ukraine die Schweiz

Vlasiuk kritisiert, dass die Schweiz bislang zu wenig mache, um die Lieferungen zu unterbinden. Er fordert, dass die Strafverfolgungsbehörden eingeschaltet und die Kontrollen gestärkt werden. Während sich die Sanktionen gewandelt hätten, sei Russland auch besser geworden in deren Umgehung. Entsprechend soll sich auch die Schweiz anpassen, fordert der Präsidentenberater: Das Argument, dass die Produktionsstätten nicht in der Schweiz selbst angesiedelt seien und man darum streng genommen nicht nach Russland exportiere, reiche nicht mehr.

Das sagen der Bund und die betroffenen Firmen

Das Staatssekretariat für Wirtschaft Seco schreibt auf Anfrage von SRF, dass man sich der Problematik bewusst sei – bemüht zugleich aber eben jenes Argument, das Vlasiuk nicht gelten lassen will: Da die Güter in den meisten Fällen zwar von Schweizer Unternehmen produziert, aber nicht im Land selbst gefertigt werden, fänden folglich auch keine Ausfuhren statt.

STMicroelectronics lässt auf Anfrage von SRF verlauten, dass man über ein umfassendes globales Compliance-Programm verfüge und seit Ende Februar Massnahmen ergriffen habe, um sämtliche Sanktionen und Exportmassnahmen gegen Russland umzusetzen.

Wie beurteilst du den Umgang der Schweiz mit Schweizer Bauteilen in russischen Waffen?

U-blox verurteilt in seiner Stellungnahme den russischen Angriff scharf. In der Folge habe man auch Verkäufe in die Länder der Eurasischen Wirtschaftsunion gestoppt. Seit 2021 arbeitet der Halbleiterhersteller nach eigenen Angaben auch mit Conflict Armament Research zusammen, um herauszufinden, wie die Bauteile in russische Hände geraten. Im Zuge dessen konnten laut U-blox mehrere beteiligte Firmen identifiziert und geblacklistet werden.

Das rät Kiew den Schweizer Unternehmen

Trotz der Massnahmen gelangen seit Beginn des Angriffs tausende Komponenten von Schweizer Firmen nach Russland – viele davon laut Recherchen von Thinktanks und NGOs über China. Teils beliefern die Schweizer Unternehmen dort nämlich Zwischenhändler und Vertriebspartner, die weiterhin Geschäftsbeziehungen mit Russland unterhalten, einige Firmen produzieren ihre Ware auch dort.

Dass es auch anders geht, zeigt laut Vlasiuk ein Beispiel aus den Niederlanden: Lange Zeit sei das Halbleiterunternehmen NXP gar noch negativer aufgefallen als die Schweizer Firmen. Seither hat die Firma laut dem Berater des Präsidenten ihre Distributionspartner und Zwischenhändler systematisch unter die Lupe genommen und bereinigt. Das Resultat: Wie Vlasiuk sagt, finden sich 2026 fast keine NXP-Komponenten in den russischen Waffen.

Benedikt Hollenstein

Benedikt Hollenstein (bho) ist seit 2021 bei 20 Minuten. Er schreibt für den Newsdesk und übernimmt dort auch Tagesleitungsschichten.

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