Diese fünf Branchen sorgen für Aufschwung in der Wirtschaft
Kommt Deutschlands Wirtschaft wieder in Fahrt? Die Gemeinschaftsdiagnose der fünf großen Wirtschaftsinstitute fällt überraschend aus: Sie prognostiziert für das Jahr 2026 einen Zuwachs beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 1,3 Prozent. Das ist mehr als doppelt so viel, wie noch im Frühjahr erwartet wurde. Da lag die Prognose bei 0,6 Prozent.
Doch woher kommen die Impulse und welche Branchen tragen den Experten zufolge zum Wachstum bei?
1. Infrastrukturbranche
Deutschland investiert 500 Milliarden Euro über das Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität. Mehr Geld für Infrastruktur schafft Nachfrage. Davon können beispielsweise Bauunternehmen und deren Zulieferer profitieren.
Wie das wirkt, lässt sich zum Beispiel an einer Brückensanierung erklären: Der Auftrag beschäftigt Bauarbeiter, verlangt Planungsleistungen und sorgt für Materialbestellungen. So kann öffentliches Geld auch bei privaten Unternehmen zusätzliche Arbeit schaffen.
Zu den Investitionen zählen aber auch Ausgaben für Klimaneutralität. "Die expansive Finanzpolitik ist der wichtigste Konjunkturtreiber im gesamten Prognosezeitraum", ordnet ifo-Konjunkturexperte Timo Wollmershäuser ein.
Am 18. März jährt sich der Beschluss der Bundesregierung zum Sondervermögen: enorme Kredite für Verteidigung, Infrastruktur und Klimaschutz. Wie fällt die Bilanz aus und wer profitiert bislang?
17.03.2026 | 1:57 min2. Rüstungsbranche
Auch höhere Verteidigungsausgaben des Bundes stützen das Wachstum. Das Kiel Institut für Weltwirtschaft nennt staatliche Rüstungsausgaben ausdrücklich als Impulsgeber.
Nach Einschätzung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln haben militärische Anschaffungen zum Zuwachs bei den Ausrüstungsinvestitionen im ersten Halbjahr beigetragen. Laut IW stiegen diese Investitionen im ersten Halbjahr 2026 um 0,8 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.
IW-Konjunkturforscher Michael Grömling erwartet von den höheren Ausgaben für Verteidigung "auf absehbare Zeit konjunkturelle Impulse". Höhere Verteidigungsausgaben wirkten sich bereits positiv auf Rüstungsfirmen und deren Zulieferer sowie Dienstleister aus.
Das ifo-Institut beziffert den zusätzlichen Wachstumsimpuls für Infrastruktur und Verteidigung für 2026 auf knapp 40 Milliarden Euro. Allerdings entsteht nicht durch jeden ausgegebenen Euro zu mehr deutsche Wirtschaftsleistung: Wird Ausrüstung importiert, findet ein Teil der Produktion und damit auch Wertschöpfung im Ausland statt.
In Washington haben Bundesverteidigungsminister Pistorius und sein US-Kollege Hegseth eine Vereinbarung unterzeichnet. Die Zusammenarbeit im Rüstungsbereich soll ausgebaut werden.
16.09.2026 | 1:39 min3. Industrie
Ausgerechnet das Exportgeschäft, dass durch Zölle und geopolitische Krisen empfindlich ist, hilft der Konjunktur. Nach Einschätzung von Grömling war der relativ starke Anstieg der Warenexporte ein wesentlicher Treiber des überraschend guten ersten Halbjahres 2026: "Unternehmen rund um den Globus haben sich offensichtlich mit Vorräten eingedeckt, um etwaige und spätere Lieferkettenprobleme zu vermeiden." Laut Statistischem Bundesamt stiegen die Warenexporte im 1. Halbjahr 2026 um 3,9 Prozent auf 817,8 Milliarden Euro.
Davon profitierten Hersteller von Vorprodukten - also Gütern, die andere Unternehmen weiterverarbeiten, insbesondere die Chemieindustrie. Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser verweist zudem auf Impulse aus der EU und den USA. Die Auftragslage in der deutschen Industrie habe sich seit Jahresbeginn kontinuierlich verbessert.
Laut Kiel Institut für Weltwirtschaft profitieren auch einzelne deutsche Branchen von kriegsbedingten Lieferproblemen asiatischer Konkurrenten. Das bedeutet aber noch keine dauerhafte Rückkehr zu alter Exportstärke. Sind Vorräte aufgefüllt oder Wettbewerber wieder lieferfähig, kann dieser zusätzliche Schub nachlassen.
Das Kabinett hat darüber diskutiert, wie Deutschlands Wirtschaft gestärkt werden könne, erklärte Bundeskanzler Merz. Großer Fokus lag dabei auf Innovation und Künstlicher Intelligenz.
26.08.2026 | 51:39 min4. Informations- und Kommunikationstechnik
Der weltweite KI-Boom stützt nach Einschätzung von Wollmershäuser ebenfalls die deutsche Exportwirtschaft. Damit hängt ein Teil des Auslandsgeschäfts an einem Technologietrend, der neue große Investitionen auslöst.
Für die Digitalisierung beschreibt Grömling die Nachfrage konkret: Sie betreffe Software, Datenbanken und industrielle Güter der Informations- und Kommunikationstechnik - etwa für Rechenzentren oder Cybersicherheit.
Der Zusammenhang: Künstliche Intelligenz braucht Rechenleistung. Unternehmen benötigen dafür technische Infrastruktur und Software. Zugleich digitalisieren sie auch unabhängig von KI ihre Abläufe und schützen ihre Systeme vor Angriffen.
So entstehen Geschäftsmöglichkeiten für deutsche IT-Anbieter und Hersteller entsprechender Technik. Grömling beobachtet hier bereits "seit geraumer Zeit kräftige Impulse durch die fortschreitende Digitalisierung".
KI wirkt unsichtbar, doch dahinter steht der Bedarf an riesigen Rechenzentren mit hohem Strom-, Wasser- und Flächenbedarf. Der Ausbau der Infrastruktur stößt in Großbritannien auf Widerstand.
22.09.2026 | 2:14 min5. Öffentliche Dienstleistungen
Auch öffentliche Dienstleistungen tragen nach den Beobachtungen von ifo und IW zur Entwicklung bei. Zur Wirtschaftsleistung gehören schließlich nicht nur verkaufte Autos oder Maschinen, sondern beispielsweise auch Unterricht und medizinische Versorgung.
Öffentliche Dienstleistungen wirken dabei als Katalysator: Schulen und Universitäten bilden Fachkräfte aus, Institute und Forschungseinrichtungen schaffen Innovationen, die wiederum wirtschaftlich nutzbar gemacht werden können.
Dennis Berger ist Redakteur im ZDF-Team Wirtschaft und Finanzen.
In Deutschland könnten bis 2029 rund 723.000 Fachkräfte fehlen. Eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft sieht die größte Lücke im Verkauf und bei der Kinderbetreuung.
07.09.2026 | 0:30 minFünf führende Wirtschaftsforschungsinstitute untersuchen die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland in der Gemeinschaftsdiagnose. Zweimal jährlich, im Frühjahr und im Herbst, legen sie im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums ihr Gutachten vor.
Beteiligt sind folgende Institute, die teilweise noch mit internationalen Partnern zusammenarbeiten:
- Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin)
- ifo Institut - Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung an der Universität München
- Kiel Institut für Weltwirtschaft
- Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung, Halle (IWH)
- Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung, Essen (RWI).
Die Institute analysieren die wirtschaftliche Lage und schätzen unter anderem, wie stark die Wirtschaftsleistung wachsen oder schrumpfen dürfte. Ihre Prognose ist eine wichtige Orientierung für die Bundesregierung und die Steuerschätzung. Sie ist jedoch keine sichere Vorhersage: Unerwartete Entwicklungen können die wirtschaftlichen Aussichten verändern.
Über dieses Thema berichtete das ZDF in mehreren Sendungen, unter anderem im heute journal update am 24.09.2026 ab 00:30 Uhr.
KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.