InquirerHouse backslid on budget transparency reforms — CendañaESPN DeportesLas claves de Rodri para elegir al Barça y sus charlas con MourinhoESPNSources: With WR Cooper week-to-week, Jets signing ShepardDaily MaverickTHE GENDER GAP: Women athletes continue to get a raw deal on SA streetsThe Jerusalem PostIran holds over nine tons of nuclear material outside of IAEA safeguard, atomic energy head saysוואלהוינטר ליוצר הסרט נז"א: "אין לך מה לחזור"3DNewsК следующему поколению видеокарт готовы: начались продажи кабелей HDMI 2.2 с пропускной способностью до 96 Гбит/сBusiness AMAmerikaanse marine schat dat USS Gerald R. Ford al binnen zes maanden weer in dienst kan treden ondanks zware schadeAnime News NetworkJujutsu Kaisen Ranks #2 on Bookscan's August Adult Graphic Novel List in U.S.ConsequenceBlu DeTiger Announces New Album N.Y. Baby, Shares Title Track with Holly Walker, Say She She, Flavor Flav: StreamIl Fatto QuotidianoL’Antitrust vuole vedere chiaro nei rapporti tra Intesa e Generali che si creerebbero con le nozze tra Milano e Siena
The Daily Newsstand · Free, Always
Tuesday, September 15, 2026

Schule in der Ukraine: Schulstart in Irpin mit KI und Schutzraum

Translate

An dem technologisch ausgerichteten Lyzeum bei Kyjiw beginnt das vierte Schuljahr im Krieg. Durch die Luftangriffe hat sich das Lernen digital versiert.

Das Treppengeländer im Lyzeum ist mit blauen und weißen Luftballons geschmückt. „Ein bisschen festlich soll der Beginn des Schuljahres sein“, sagt die Leiterin Natalia Tit der Schule für innovative Technologie in der Kyjiwer Vorstadt Irpin. Der erste Schultag liegt schon ein paar Tage zurück. Aber weil wegen der andauernden russischen Luftangriffe nicht alle SchülerInnen gleich kommen konnten, lasse man die Ballons etwas länger hängen.

Anfang September hat in der Ukraine zum fünften Mal ein Schuljahr im Krieg begonnen. In der Nacht zum 1. September beschoss Russland Kyjiw und seine Umgebung mit ballistischen Raketen. Die Umstände zwingen das Land auch in der Schulbildung zu kreativen Lösungen. Die sind oft digital, doch allein damit ist es nicht getan.

Rund drei Millionen Kinder und Jugendliche besuchen im Schuljahr 2026/2027 ukrainische Schulen, darunter etwa 240.000 Erstklässler, sagte die Parlamentsabgeordnete Iryna Brozova vom Ausschuss für Jugend und Sport. Rund 2,2 Millionen ukrainische Schülerinnen und Schüler nehmen den Angaben zufolge am Präsenzunterricht teil, während weitere 700.000 bis 800.000 in einem Mischmodell lernen. Etwa 200.000 in frontnahen Gebieten können nur online unterrichtet werden. 400.000 nehmen vom Ausland aus teil.

Auf Informatik und Technologie ausgerichtet

Irpin ist in den vergangenen zwei Jahrzehnten schnell gewachsen. Zwischen den Einfamilienhäusern des einst ruhigen Vororts sind die Hochhäuser in den Himmel gewachsen. Auch mitten im Krieg herrscht rege Bautätigkeit. Die Mischung aus der Nähe zur Metropole und zur Natur mit den großen Kiefernwäldern und Seen zieht gut verdienende Zuzügler an.

In einer Straße in der Stadtmitte zwischen einem Supermarkt und einem Wohnblock aus der Sowjetzeit steht seit neun Jahren das Lyzeum. Ukrainische Lyzeen sind etwa mit deutschen Gymnasien vergleichbar – Sekundarschulen, die auf ein Universitätsstudium vorbereiten sollen. Viele haben sich fachlich spezialisiert.

Das Lyzeum in Irpin bietet, wie der Name schon nahelegt, Schwerpunktklassen für Informatik und Technologie an. Und es gibt noch eine für Englisch. Die SchülerInnen haben in diesen Fächern dann mehr Unterricht. In Englisch sind es beispielsweise fünf Wochenstunden statt drei.

Die Ausrichtung sieht man auch auf dem Schulhof: An der Außenwand des Nachbarhauses zeigt ein Bild Martin Cooper, der 1973 für den US-Konzern Motorola das Mobiltelefon entwickelte. „Seine Eltern kamen hier aus Irpin“, erklärt Ivan Netschiporuk. Mit dem Erfinder habe man schon mehrfach Kontakt gehabt und Videochats mit den Schülern gemacht.

KI-Lernprogramm Mriia als Pilotprojekt

Netschiporuk unterrichtet Informatik und Astronomie am Lyzeum und ist von der digitalen, staatlichen Lernumgebung Mriia begeistert. „Das ist mein Account“, sagt er und zeigt auf sein Smartphone. „Der gleiche funktioniert für Lehrer auch im Webbrowser.“ Dort ist sein Stundenplan angelegt. Für jede Unterrichtsstunde kann er die Inhalte vorbereiten, die er präsentieren will und dann für die SchülerInnen freigeben. „Ich kann ihnen Hausaufgaben geben und Tests erstellen.“ Die Unterrichtsstunden werden live im Videochat gestreamt. Gechattet wird über den Messenger Signal.

In die Mriia ist künstliche Intelligenz integriert. „Wenn wir beispielsweise einen Test über die Inhalte der vergangenen Schulstunde brauchen, erstellt die KI die gewünschte Menge an Fragen.“ Wenn die SchülerInnen den Test dann ausfüllen, bekommen sie direkt ein transparentes Ergebnis. „Das entlastet uns von vielen Routineaufgaben und in der frei werdenden Zeit können wir uns intensiver um die Schüler kümmern“, sagt Netschiporuk.

Das Lyzeum in Irpin ist eine der Schulen, die die KI-gestützte Version von Mriia als Pilotprojekt testen. Mriia ist das ukrainische Wort für Traum. Mriia steht allen Schulen auf freiwilliger Basis zur Verfügung und soll später alle Bildungsstufen abdecken: Vorschule, außerschulische Angebote, berufliche und akademische Bildung sowie Erwachsenenbildung. Umgesetzt wurde Mriia durch die East Europe Foundation. Die Entwicklung wurde zu einem großen Teil mit Fördergeldern aus der Schweiz finanziert. Zu den Geldgebern gehören auch das deutsche Auswärtige Amt und die GIZ.

Zahl der Schüler passt in den Schutzraum

Natalia Tit leitet das Lyzeum. Sie nimmt sich Zeit für eine Führung. Gerade sei kein Alarm, sagt sie, deshalb könne man den Unterricht in den normalen Räumen besichtigen.

In der dritten Etage hat gerade eine der achten Klassen Biologieunterricht. Die Smartphones der SchülerInnen stecken für die Dauer des Unterrichts in einer Box auf dem Lehrpult. Lehrerin Marina Sokur erklärt eine Präsentation über den menschlichen Kreislauf auf einem großen Monitor. Die SchülerInnen im Raum können dieselben Inhalte auf Tablets auf ihren Tischen verfolgen, genauso wie die SchülerInnen, die remote teilnehmen. Über den Laptop auf dem Pult vor Sokur wird der Unterricht gefilmt und über die Mriia-Plattform gestreamt.

Kurz vor dem Mittag schallt aus den Lautsprechern für einige Sekunden Britney Spears. „You drive me crazy!“ Statt mit einer Klingel wird im Lyzeum die Pause mit Welthits aus der Konserve eingeläutet.

Mit derzeit 237 SchülerInnen ist das Lyzeum eine vergleichsweise kleine Schule. Angesichts der russischen Luftangriffe bringt die geringe Größe einen wichtigen Vorteil: Alle Schüler passen gleichzeitig in den Schutzraum im Keller. Laut den Sicherheitsvorschriften dürfen nur so viele SchülerInnen gleichzeitig in Präsenz unterrichtet werden, wie es Platz im Schutzraum gibt. Andere Schulen arbeiten deshalb im Schichtbetrieb.

Unterricht geht im Keller weiter

Die Vorschrift hat einen ernsten Anlass. Schulen werden immer wieder zum Ziel russischer Angriffe. Von insgesamt rund 12.000 Schulen im Land wurden nach Angaben von Unicef bis zum vergangenen Winter mehr als 1.600 beschädigt oder komplett zerstört.

Natürlich ist im Keller nicht so viel Platz wie auf den drei oberirdischen Etagen. Dennoch hat jede Klasse ihren eigenen Sitzbereich mit Tischen und Stühlen. Es gibt Tafeln, Whiteboards und sogar einen 3D-Drucker sowie eine Sprossenwand, eine Bodenturnmatte und Tischtennisplatten für den Sportunterricht.

Der Unterricht wird bei Alarm im Keller fortgesetzt. „Wir passen die Inhalte aber an“, sagt Englischlehrerin Olya Huschtschina. Wegen der beengten Verhältnisse könne man im Keller nicht laut sprechen, ohne andere zu stören. Sie bereite also immer noch eine zweite Version der Unterrichtsstunde vor, in der die SchülerInnen lesen oder schreiben.

Bei den SchülerInnen scheint das Konzept anzukommen. In der ersten Woche nach den Ferien sei kein Unterricht ausgefallen, erzählt Dima. Einer seiner Freunde besuche die große Nachbarschule um die Ecke. „Der hatte nur zwei Stunden Unterricht in der ganzen Woche. Dort gehen sie in den Keller und warten einfach nur. Wie soll man so etwas lernen?“ Der 17-Jährige macht im nächsten Sommer seinen Abschluss und will danach in Kyjiw studieren.

Interesse an gedruckten Büchern

Die 13-jährige Mariia geht in die 8. Klasse und ist mir ihrer Schulwahl zufrieden. Von ihren LehrerInnen wird sie für ihr gutes Englisch gelobt, und das stimmt auch. Es gefalle ihr, dass viel Unterricht in Präsenz möglich ist, das sei effizienter. „Gerade für die Sprachen ist doch der direkte Austausch wichtig“, sagt sie. Außerdem gebe es viele Möglichkeiten auch außerhalb des eigentlichen Unterrichts am Nachmittag. An einer Wand im Flur werben ein Dutzend Arbeitsgemeinschaften um TeilnehmerInnen. In diesem Schuljahr kann man zum Beispiel Deutsch und Polnisch lernen, es gibt eine Design-AG und eine für Programmiersprachen, für Schach und Theater.

Trotz aller Digitalisierung würden die SchülerInnen in der jüngsten Zeit mehr Interesse an gedruckten Büchern zeigen, erzählt Schulleiterin Tit. Sie sehe das an den Nutzungszahlen der Schulbibliothek. In einem Besprechungsraum im Erdgeschoss steht eine ganze Wandseite mit Bücherregalen. Die SchülerInnen können die Bücher mit einem QR-Code ausleihen und wieder zurückbringen, wenn sie ausgelesen sind.

Nach dem Erfolg der AfD bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt bangen viele Menschen um die Zukunft, es droht die erste AfD-Regierung. Das wäre eine (weitere) Zäsur für Deutschland. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

View the original on taz

KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.