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Sunday, October 4, 2026

Ex-Stanley-Cup-Sieger Lyle Odelein († 58): Ein Kämpfer bis zuletzt

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Lyle Odelein ist am Freitag im Alter von 58 Jahren gestorben. Medienberichten zufolge erlitt er einen Herzinfarkt. Ein Nachruf von unserem Mitarbeiter Joël Wüthrich.

Lyle Odelein im Jahr 1992 im Trikot der Montreal Canadiens.

Lyle Odelein im Jahr 1992 im Trikot der Montreal Canadiens. Getty Images/Steve Crandall

Der legendäre NHL-Verteidiger absolvierte 1.056 NHL-Spiele, 420 davon für die Montréal Canadiens. Er war aber auch für New Jersey, Phoenix, Columbus (dort zwei Jahre Kapitän), Chicago, Dallas, Florida und Pittsburgh aktiv. Dazu kommen 86 Playoff-Spiele. Einen bleibenden Eindruck hinterließ er bei mir während den Playoffs 1993.

Odelein war damals 24 Jahre alt und ein wichtiger Bestandteil der Defensive. Er bestritt alle 20 Playoffspiele, erzielte ein Tor und bereitete fünf weitere vor. Seine Qualitäten als defensiver Back neben dem Offensivverteidiger Matthieu Schneider lagen im körperlichen Spiel, in der Arbeit vor dem eigenen Tor und in seiner Bereitschaft, Verantwortung für seine Mitspieler zu übernehmen.

Dass er aber auch offensiv einiges konnte, zeigte die folgende Saison mit 40 Punkten. Er selbst erinnerte sich später an die besondere Atmosphäre innerhalb des Teams von 1993: "Wir waren vielleicht nicht das beste Team, aber wir waren eine glückliche Familie." Kirk Muller berichtete von den Wasserschlachten mit Odelein in den Mannschaftshotels, die während den Playoffs zu einem Ritual wurden.

Der 1986 von Montréal erst in der siebten Runde an Position 141 gedraftete Kanadier hatte sich seinen Platz in der NHL im wahrsten Sinne des Wortes erarbeitet. Odelein war kein Verteidiger, der sich auf technische Qualitäten oder einen bestimmten Bereich seines Spiels reduzieren ließ. Seine Präsenz war unmittelbar zu spüren. Er spielte hart, suchte die Zweikämpfe, hielt gegnerische Stürmer vom eigenen Tor fern und zögerte nicht, die Handschuhe fallen zu lassen. Während seiner Zeit bei den Canadiens sammelte er 1.357 Strafminuten.

Playoffs 1993 als Meisterstück

Die Playoffs 1993 bleiben trotzdem das sportliche Kapitel, mit dem sein Name in Montréal besonders verbunden ist. Die Canadiens gingen damals nicht als großer Favorit in die entscheidende Phase der Saison. Jacques Demers verfügte aber über eine Mannschaft, deren Zusammensetzung ausgezeichnet funktionierte. Patrick Roy spielte überragende Playoffs, Kapitän Guy Carbonneau übernahm defensiv die schwierigsten Aufgaben, Kirk Muller und Vincent Damphousse gehörten zu den Führungsspielern. Eric Desjardins, Mathieu Schneider und Odelein gaben der Defensive unterschiedliche Qualitäten.

Montréal gewann auf dem Weg zum Stanley Cup zehn Spiele in der Verlängerung - bis heute ein NHL-Rekord innerhalb einer Playoff-Saison. Nach der Auftaktniederlage gegen Québec folgten elf Siege in Serie. Im Finale warteten Wayne Gretzky und die Los Angeles Kings. Die Canadiens entschieden die Serie mit 4:1 für sich und holten am 9. Juni 1993 im Montréal Forum ihren 24. Stanley Cup. Kein in Kanada beheimateter NHL-Klub hat seither den Cup gewonnen.

"Nicht das beste Team, aber wir waren eine Familie!"

"Nicht das beste Team, aber wir waren eine Familie!" Odelein selbst erinnerte sich später an die besondere Atmosphäre innerhalb des Teams von 1993: "Wir waren vielleicht nicht das beste Team, aber wir waren eine glückliche Familie." Kirk Muller berichtete von den Wasserschlachten mit Odelein in den Mannschaftshotels, die während der Playoffs zu einem Ritual wurden. Rob Ramage und Mike Keane waren ebenfalls beteiligt, weitere Spieler kamen dazu. Selbst Trainer Jacques Demers ließ seine Mannschaft gewähren, als er davon erfuhr. Solche Geschichten passten zu Odelein.

Auf dem Eis konnte er ausgesprochen unangenehm sein, außerhalb der Bande beschrieben ihn Weggefährten als humorvollen, offenen und loyalen Menschen. Die Columbus Blue Jackets erinnerten nach seinem Tod an seinen Humor und daran, dass er für andere stets ein freundliches Wort übrig hatte. Die Härte, mit der er Eishockey spielte, war nur eine Seite seiner Persönlichkeit.

Erster Kapitän der Blue Jackets

Nach seinem Abschied aus Montréal 1996 spielte Odelein für New Jersey, Phoenix, Columbus, Chicago, Dallas, Florida und Pittsburgh. Seine Stellung innerhalb einer Mannschaft zeigte sich besonders im Jahr 2000. Die Columbus Blue Jackets gingen als neue Franchise in ihre erste NHL-Saison und ernannten den damals 32-Jährigen zum ersten Captain ihrer Geschichte. Für einen Klub ohne gewachsene Strukturen und Hierarchien war ein erfahrener Spieler gefragt, der Verantwortung übernehmen konnte. Odelein hatte zu diesem Zeitpunkt bereits mehr als 600 NHL-Spiele und einen Stanley-Cup-Sieg hinter sich.

Bis zu seinem Karriereende 2006 kamen 1'056 NHL-Spiele zusammen. Odelein erzielte 50 Tore und 202 Assists, spielte 86-mal in den Playoffs und verbrachte insgesamt 2.316 Minuten auf der Strafbank. Zahlen, die einen Teil seiner Karriere beschreiben. Seine Bedeutung für die Mannschaften, in denen er spielte, zeigte sich ebenso darin, welche Aufgaben ihm Trainer und Mitspieler übertrugen.

Ein Kämpfer auch außerhalb des Eises

Wie viel Kampfgeist in ihm steckte, zeigte sich 2018 auf eine Weise, die mit Eishockey nichts mehr zu tun hatte. Eine schwere Blutinfektion griff seine Aortenklappe an. Leber und Nieren versagten, sein Zustand war lebensbedrohlich. In Pittsburgh wurde Odelein einer komplizierten Operation unterzogen und erhielt unter anderem eine neue Leber und eine neue Niere. Mehr als einen Monat lag er im Koma. Im Oktober 2018 traf sich das Stanley-Cup-Team von 1993 in Montréal zum 25-Jahr-Jubiläum. Odelein war wenige Monate nach seiner lebensbedrohlichen Erkrankung dabei. Zu Hause benötigte er noch einen Gehstock. Beim Auftritt vor den Fans im Bell Centre wollte er darauf verzichten und ging aus eigener Kraft zu seinen ehemaligen Mitspielern. Mathieu Schneider, 1993 sein Partner in der Canadiens-Verteidigung, bezeichnete ihn damals als "Kämpfer und Überlebenden".

Diese Beschreibung passte schon immer zu ihm. Odelein musste sich bereits als Siebtrunden-Draftpick seinen Weg in die NHL erarbeiten und blieb dort 16 Saisons. Er gewann den Stanley Cup, wurde Kapitän einer neuen NHL-Franchise und bestritt mehr als tausend Spiele in einer Liga, in der seine Art von Eishockey jeden Abend körperlichen Einsatz verlangte.

Lyle Odelein wurde nur 58 Jahre alt. Für mich bleibt Lyle Odelein eng mit den emotionalen Momenten mit den Canadiens von 1993 verbunden. Er war kein "Shining Star" wie Patrick Roy, aber ein "Role Model" wie Guy Carbonneau oder Kirk Muller. Ein Spieler, der wusste, was seine Mannschaft von ihm brauchte, und bereit war, diese Aufgabe zu übernehmen.

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