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Friday, September 25, 2026

Korrigierte Wirtschaftsprognose: Nur eine Momentaufnahme

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Simon Poelchau

Öko­no­m*in­nen heben ihre Wirtschaftsprognosen an. Trotzdem fordern Neoliberale unter ihnen, an den geplanten Reformen festzuhalten.

N ever waste a good crisis“ – „Verschwende nie eine gute Krise“ heißt ein beliebter Spruch unter Ökonom*innen. Nur so lässt sich erklären, warum neoliberale Ökonom*innen, Lob­by­is­t*in­nen und die Bundesregierung an den geplanten Sozialstaatsreformen festhalten. Schließlich soll damit die angeblich strauchelnde Wirtschaft wieder fit gemacht werden. Nur zu dumm, dass jetzt alle Öko­no­m*in­nen ihre Wirtschaftsprognosen kräftig anheben.

Den aktuellen Prognosen fünf führender Wirtschaftsinstitute zufolge soll das BIP dieses Jahr um 1,3 Prozent wachsen. Das ist ganz ordentlich und mehr als doppelt so viel, wie die Institute noch im Frühjahr annahmen. Das liegt vor allem an der überraschend guten Entwicklung bei den Exporten sowie an der Industrie. Dies passt so gar nicht ins Bild von der angeblichen Industriekrise und den angeblich zu hohen Arbeitskosten, die die deutsche Wettbewerbsfähigkeit zu Grabe tragen würden. Trotzdem mahnen die Institute in ihrer Prognose Strukturreformen an.

Zur Wahrheit gehört aber auch: Die derzeit guten Konjunkturprognosen sind nur eine Momentaufnahme. Mit der Autobranche steckt der wichtigste hiesige Industriezweig in einer handfesten Krise. In diesem Jahrzehnt ist die Wirtschaft bisher kaum gewachsen. Das spüren die Menschen in ihrem Geldbeutel, steigende Spritpreise machen die Lage nur noch schlimmer. Jetzt müssen sie auch noch um ihre Arbeitsplätze bangen.

Das Logo der taz: Weißer Schriftzung t a z und weiße Tatze auf rotem Grund.

Doch verunsichern immer neue soziale Einschnitte die Menschen zusätzlich. Und das wirkt sich auf die Wirtschaft aus. Laut einer Umfrage des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung schränken bereits 42 Prozent der Befragten ihren Konsum ein. Wer die Rente zukunftsfit machen will, muss also mehr Zuwanderung zulassen und die Erwerbsbeteiligung von Frauen fördern und nicht die Rente mit 63 abschaffen. Und wer die Industrie wieder fit machen will, muss sie gezielt bei der Transformation unterstützen, statt die Lohnkosten zu drücken.

Die taz schreibt, redet und diskutiert für Pluralismus und eine freie, offene Gesellschaft – besonders jetzt, wo der Rechtsextremismus weiter erstarkt und demokratische Institutionen angreift. Dort wo rechtsextreme Kräfte an Zustimmung gewinnen, wächst auch die Befürchtung vor zunehmenden Angriffen und Diffamierungen gegen Gegner*innen extrem rechter Politik. Besonders selbstverwaltete Orte spüren diesen Druck, dabei brauchen wir gerade jetzt Orte der Kritik, (Sub)Kultur und der Solidarität. Gerade jetzt müssen wir zusammenhalten und uns solidarisch mit denjenigen zeigen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit „Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Simon Poelchau Redakteur

ist für Ökonomie im taz-Ressort Wirtschaft und Umwelt zuständig.

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