Normaler Pegel im Rhein? "Es wird lange dauern"
Nur noch wenige Schiffe fahren aktuell in Köln auf dem Rhein. Das Niedrigwasser hat einen neuen historischen Tiefstand erreicht. Der Pegelstand sank auf 40 Zentimeter.
28.09.2026 | 0:22 minIm Niehler Hafen in Köln ist seit Wochen auffällig wenig los. Wo normalerweise Frachtschiffe ein- und ausfahren und große Mengen an Waren umgeschlagen werden, herrscht nahezu Stillstand. Der Grund: der seit Sommer anhaltend niedrige Wasserstand des Rheins. Besonders flussaufwärts, zum Beispiel bei Kaub in Rheinland-Pfalz, ist die Situation kritisch. Für die Binnenschifffahrt bedeutet das massive Einschränkungen.
Denn je weniger Wasser der Rhein führt, desto weniger Ladung können die Schiffe transportieren. Die Frachter müssen deutlich leichter beladen werden, damit sie nicht auf Grund laufen. Marcel Beck, Leiter im Vertrieb beim Logistikunternehmen Rheincargo, sagt:
Ein Schiff, das sonst 2.500 bis 3.000 Tonnen Ladung mitbringen kann, kann nur noch 250 bis 300 Tonnen Ladung mitbringen.
Marcel Beck, Leiter im Vertrieb bei Rheincargo
Und weiter: "Wir gucken jetzt, dass wir den Kunden anbieten, da wo wir die Möglichkeit haben, zu wechseln."
Der Rhein leidet unter extremer Trockenheit, Grund dafür sind ausbleibende Niederschläge und fehlendes Schmelzwasser. Der Pegel liegt in Kaub bei nur 2 Zentimetern, Besserung ist nicht in Sicht.
28.09.2026 | 2:17 minWechsel von Wasser auf Straße und Schiene nur schwierig möglich
Für die Unternehmen bedeutet das: Transporte müssen teilweise auf andere Verkehrsträger verlagert werden. Doch Lkw und Bahn können die zusätzlichen Mengen nicht ohne Weiteres auffangen. Vor allem ein kurzfristiger Wechsel auf die Schiene ist schwierig, weil dafür die nötigen Waggonkapazitäten fehlen.
Trotz des extremen Niedrigwassers wird im Niehler Hafen weiterhin jede mögliche Tonne umgeschlagen. Denn auch stark reduzierte Schiffsladungen können einen Unterschied machen. "Ein Schiff, das lediglich 250 Tonnen transportiert, ersetzt immer noch ungefähr die Ladung von zehn Lkw", sagt Beck von Rheincargo.
Wassermangel wird zum Risiko für ganze Wirtschaftsbranchen. Nicht nur, weil niedrige Pegelstände Logistikketten unterbrechen. Auch wegen des Klimawandels fehlt insgesamt Wasser.
26.08.2026 | 2:49 minHistorisch niedrige Pegelstände an vielen Messpunkten
Wie niedrig der Rhein inzwischen steht, zeigen die Pegelstände. In Köln liegt der Wasserstand aktuell bei rund 42 Zentimetern. In Kaub ist er sogar negativ: minus 1 Zentimeter. Zum Vergleich: Im Jahresmittel liegt der Wasserstand in Köln normalerweise bei knapp drei Metern, in Kaub bei etwa zwei Metern.
Besonders bei Niedrigwasser ist es wichtig, dass die Schiffsführer wissen, wie tief die Fahrrinne im Fluss gerade ist. Der Pegel ist damit nicht identisch. Jana Pareigis erklärt mit Grafik.
06.08.2026 | 0:33 minAuch weiter rheinabwärts ist die Lage angespannt. In Düsseldorf steckte Anfang der Woche ein Frachtschiff im Hafenbereich fest. Das Schiff war auf eine Sandbank geraten. Die Bergung gestaltete sich entsprechend schwierig - ein weiteres Beispiel dafür, welche Folgen der niedrige Wasserstand für die Schifffahrt hat. Die entscheidende Frage ist deshalb: Wann bekommt der Rhein wieder ausreichend Wasser?
Die anhaltende Dürre und das resultierende Niedrigwasser im Rhein wirken sich schon jetzt auf Transportketten aus. Was das für die Wirtschaft bedeutet - ZDFheute live ordnet ein.
12.08.2026 | 38:13 minHydrologe: Keine schnelle Entspannung am Rhein
"Wir brauchen im Rhein fast einen Meter zusätzliches Wasser, das wird nicht nach einem Regen wiederkommen", sagt der Hydrologe Robert Reinecke von der Universität Mainz. "Ich gehe nicht davon aus, dass sich die Lage in den nächsten 14 Tagen entschärfen wird."
Es wird lange dauern, bis wir zu einem normalen Pegel zurückkehren werden.
Robert Reinecke, Universität Mainz
Für die Binnenschifffahrt heißt es damit vorerst: Jeder Zentimeter zählt. Und je länger das Niedrigwasser anhält, desto größer werden die Herausforderungen für Häfen, Reedereien und Unternehmen, die auf den Rhein als wichtigen Transportweg angewiesen sind.
Über dieses Thema berichtete heute in Deutschland am 28.09.2026 ab 14:00 Uhr.
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