The Jerusalem PostNew records put Hitler at center of renewed questions over his niece’s 1931 deathESPN DeportesKane falla un penalti y España aprovecha para empatarESPN🔴 Live updates: Sullivan among four earning first caps as USMNT faces PeruRTP DesportoMundiais Ciclismo. Demi Vollering chegou finalmente ao arco-íris한겨레화려한 의전 뒤 제한된 성과…트럼프·시진핑, ‘빅딜’ 대신 ‘관리된 휴전’VanguardIreland squad vote to play Israel tie despite Gaza uneaseVarietyChris Hansen Reacts to ‘Primetime’ and Robert Pattinson’s Portrayal of Him: ‘So Bizarre’ and ‘Detached From Reality’The South AfricanWeather: Severe thunderstorms to lash ONE province with heavy rain and hailRadio-CanadaQuatre personnes sont mortes dans l’écrasement d’un hélicoptère en MontérégieSouth China Morning PostThousands march in Spain over eviction of 87-year-old woman Maricarmen AbascalABC News (Australia)Victoria considers 'emergency extractions' of wildlife as bird flu spreadsThe Hollywood ReporterReba McEntire Reveals She Missed a Call From Dolly Parton Before Her Death: “I’ll Never Know Why She Called”
The Daily Newsstand · Free, Always
Saturday, September 26, 2026

Squishy Toys und im Feed: Die Butter quetschen

Translate

ASMR-Videos, in denen sich Matsch zwischen Finger presst, lassen die Kopfhaut kribbeln. Beruhigend!

Etwas stimmt mit meinem Algorithmus nicht. In jedem zweiten Video in meinem Feed geht es um dasselbe: lange Fingernägel, die etwas kneten. Meist sogenannte Squishy Toys in der Optik eines Butterblocks – viele davon mit Wachs übergossen. Das Ganze fällt unter die Kategorie ASMR, ein bereits bekannter, von mir aber noch nie frequentierter Trend.

ASMR steht für „Autonomous Sensory Meridian Response“, ein wohliges Kribbeln, das von der Kopfhaut den Nacken hinunterrieselt, wenn man Flüstern, Knistern oder Kneten hört. Vielen helfen die Clips, besser einzuschlafen oder runterzukommen.

Mich hat das bisher nicht abgeholt. Was hat der Algorithmus über mich herausgefunden, das ich selbst noch nicht weiß? Bin ich mit Mitte dreißig in eine Zielgruppe gerutscht, die dringend Trost aus dem Smartphone braucht? Zugegeben, sie beruhigen meine sonst vielleicht eskalierende Lebens-Fomo. Ein bisschen erinnern die Videos mich aber auch an den eskapistischen Content während der Pandemie. Ist die (politische) Situation etwa schon wieder so schlimm?

Wer einem Fingernagel dabei zusieht, wie er sich durch Wachs arbeitet, bekommt etwas, das sonst kaum zu haben ist: eine Handlung mit klarem Anfang, klarem Ende und vorhersehbarem Ergebnis. Kein Cliffhanger, keine Nachrichtenlage, keine Meinung, die man haben müsste. In Zeiten überlagerter Krisen liegt der Reiz womöglich in kleinen, kontrollierbaren Momenten, in denen nichts passiert außer dem, was man sieht und hört.

Ein Unbehagen bleibt trotzdem. Plattformen verdienen an Aufmerksamkeit, ob sie mir guttut, spielt keine Rolle. Ruhe ist ebenso verwertbar wie Aufregung: Content, der nichts verlangt und sich endlos wiederholen lässt, hält Menschen im Feed. Der Algorithmus hat gemerkt, dass ich bei diesen Videos nicht mehr wegscrolle. Vielleicht ist die ehrlichere Frage nicht, was er über mich weiß, sondern was ich ihm erlaube, für mich zu entscheiden. Bis ich sie beantwortet habe, schaue ich noch ein Video. Nur eins. Und vielleicht noch eines.

Die taz schreibt, redet und diskutiert für Pluralismus und eine freie, offene Gesellschaft – besonders jetzt, wo der Rechtsextremismus weiter erstarkt und demokratische Institutionen angreift. Dort wo rechtsextreme Kräfte an Zustimmung gewinnen, wächst auch die Befürchtung vor zunehmenden Angriffen und Diffamierungen gegen Gegner*innen extrem rechter Politik. Besonders selbstverwaltete Orte spüren diesen Druck, dabei brauchen wir gerade jetzt Orte der Kritik, (Sub)Kultur und der Solidarität. Gerade jetzt müssen wir zusammenhalten und uns solidarisch mit denjenigen zeigen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit „Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

View the original on taz →

KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.