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Tuesday, September 15, 2026

China und künstliche Intelligenz: Keine Macht für niemand

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Fabian Kretschmer

China versucht, sich gegen die US-Tech-Szene zu inszenieren. Aber das ist eine Show, der man nicht glauben sollte.

E s ist jedes Mal furchteinflößend, wenn man daran denkt, über wie viel Macht eine Handvoll Tech-Bros aus dem Silicon Valley verfügen. Sie kontrollieren große Teile jener Technologie, die das Potenzial hat, die Menschheit existenziell zu bedrohen. Auf der anderen Seite steht die zweite KI-Weltmacht: die Volksrepublik China. Staatschef Xi Jinping bemüht sich sehr, sein Land als Gegenthese zur Profitgier der US-Tech-Branche zu inszenieren. Als Xi im Juli die „World AI Conference“ in Shanghai eröffnete, sprach er davon, künstliche Intelligenz „zum Wohle der Menschheit“ weiterentwickeln zu wollen. Es ist ein Angebot an die Welt, das zu schön klingt, um wahr zu sein.

Insbesondere Europäer sollten sich von solch luftiger Rhetorik nicht blenden lassen. Zwar stehen bei Pekings KI-Geschäftsmodell tatsächlich weniger die wirtschaftlichen Renditen im Vordergrund. Umso stärker geht es der Staatsführung um politische Kontrolle. Insofern käme es einer Orwell’schen Dystopie gleich, setzten sich die chinesischen KI-Entwickler weltweit durch. In allen Themenfeldern, die Peking für sensibel erachtet, sind DeepSeek, Moonshot AI und Co nicht der Wahrheit verpflichtet, sondern den „sozialistischen Werten“ der Partei. Das bedeutet eine politische Kontrolle darüber, welche Informationen überhaupt zugelassen werden.

In einer idealen Welt müsste die Europäische Union eine dritte KI-Alternative erschaffen und auch mit einem ethischen Regelwerk vorpreschen. Doch angesichts des derzeitigen technologischen Rückstands Europas erscheint ein solches Szenario geradezu utopisch. Doch Südkorea versucht sich tatsächlich, als dritte KI-Macht zu präsentieren: ein demokratischer Staat, der über eine potente Chipindustrie und viel Soft Power verfügt. Vielleicht wäre dies ein Ansatz, der die Dichotomie zwischen den USA und China mittelfristig durchbrechen könnte.

Das Logo der taz: Weißer Schriftzung t a z und weiße Tatze auf rotem Grund.

Denn auch wenn es keineswegs wünschenswert ist, dass eine Handvoll Tech-Bros erschreckend viel Macht anhäuft: Die Alternative kann nicht darin bestehen, diese Macht einfach einem Parteistaat zu überlassen.

Nach dem Erfolg der AfD bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt bangen viele Menschen um die Zukunft, es droht die erste AfD-Regierung. Das wäre eine (weitere) Zäsur für Deutschland. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Fabian Kretschmer Korrespondent in Südkorea

Seit 2024 Korrespondent für die koreanische Halbinsel und China mit Sitz in Seoul. Berichtete zuvor fünf Jahre lang von Peking aus. Seit 2014 als freier Journalist in Ostasien tätig. 2015 folgte die erste Buchveröffentlichung "So etwas wie Glück" (erschienen im Rowohlt Verlag), das die Fluchtgeschichte der Nordkoreanerin Choi Yeong Ok nacherzählt. Betreibt nebenbei den Podcast "Beijing Briefing". Geboren in Berlin, Studium in Wien, Shanghai und Seoul.

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