Hilfe für den Sudan – «Hoffnungslosigkeit darf nicht zu Gleichgültigkeit führen»

11 Millionen Menschen sind im Sudan auf der Flucht vor dem Krieg. Über 33 Millionen Menschen, die Hälfte davon sind Kinder, benötigen humanitäre Hilfe. Angesichts der Not im Sudan warnt Bundespräsident Guy Parmelin vor Resignation.
Hier direkt spenden bei der Glückskette oder am Glückskette-Sammeltag am 29.10.2026 bei Radio SRF 1 in die Telefonzentrale anrufen unter 0800 87 07 07.
Trotz weltweiter Mittelkürzungen betont er die humanitäre Verantwortung der Schweiz: Zwar könne man nicht jedes Leid beenden, gezielte Hilfe rette jedoch Leben und gebe den Menschen eine echte Perspektive.
Guy Parmelin
Amtierender Bundespräsident
Guy Parmelin ist seit 2016 Bundesrat. Der SVP-Politiker wurde 2015 als Nachfolger der zurückgetretenen Eveline Widmer-Schlumpf (BDP) in die Regierung gewählt. Seit 2019 ist Parmelin Vorsteher des Eidgenössischen Departements für Wirtschaft, Bildung und Forschung. Er ist 1959 geboren und war bis zu seiner Wahl in den Bundesrat als Meisterlandwirt und -weinbauer tätig. 2003 wurde er für den Kanton Waadt in den Nationalrat gewählt.
SRF: Wie gehen Sie persönlich mit so viel menschlichem Leid um?
Guy Parmelin: Das Leid dieser Menschen macht mich sehr betroffen, besonders wenn ich daran denke, wie viele Kinder darunter leiden – Kinder, die nichts für diesen Krieg können und denen eine unbeschwerte Kindheit genommen wird.
Bei solchen Bildern fühlt man sich manchmal machtlos. Aber wir dürfen nicht wegschauen. Wir müssen helfen, wo wir können, und das ist für mich eine Frage der Menschlichkeit.
Manche Menschen empfinden die Lage als aussichtslos. Was sagen Sie diesen Zweiflern?
Ich verstehe dieses Gefühl. Aber Hoffnungslosigkeit darf nicht zu Gleichgültigkeit führen. Wir können diesen Krieg nicht mit einer Spende beenden.
Die Schweiz schaut nicht weg.
Aber wir können mit unserer Hilfe Leben retten, Hunger lindern und Menschen wieder eine Perspektive geben. Wir können zwar nicht allen helfen, doch für diejenigen, denen wir helfen, macht es einen riesigen Unterschied.
Was hat die offizielle Schweiz bislang für die kriegsbetroffene Bevölkerung im Sudan geleistet?
Die Schweiz schaut nicht weg. Seit Kriegsbeginn hat sie rund 217 Millionen Franken für humanitäre Hilfe im Sudan und in der Region bereitgestellt. Damit helfen wir ganz konkret. Dank Schweizer Unterstützung konnte das Welternährungsprogramm etwa 1,1 Millionen Menschen einen Monat lang mit Nahrungsmitteln versorgen.
Gerade in schwierigen Zeiten zeigt sich, was Solidarität wirklich bedeutet.
Geld allein genügt jedoch nicht: Die Schweiz engagiert sich diplomatisch für einen Waffenstillstand sowie den Schutz der Zivilbevölkerung. Erst vor wenigen Tagen haben wir in Genf gemeinsam mit der Uno weitere Friedensbemühungen koordiniert. Unser Ziel ist klar: Wir wollen nicht nur das Leid lindern, sondern auch dazu beitragen, dass dieser Krieg endlich endet.
Weltweit schrumpfen die Hilfsgelder, während die Not wächst. Wie blicken Sie auf dieses Spannungsfeld?
Das bereitet mir Sorgen, denn die Not wird nicht kleiner, nur weil finanzielle Mittel knapper werden. Die Schweiz muss verantwortungsvoll wirtschaften und kann nicht alles finanzieren. Aber wir dürfen unsere humanitäre Tradition nicht vergessen. Gerade in schwierigen Zeiten zeigt sich, was Solidarität wirklich bedeutet. Deshalb ist es wichtig, dass der Staat, die Hilfswerke und die Bevölkerung gemeinsam Verantwortung übernehmen. Humanität ist kein Luxus, den man sich nur in guten Zeiten leisten sollte.
Was geben Sie Menschen mit, die noch zögern, ob sie spenden sollen?
Schauen Sie nicht weg. Hinter den erschütternden Zahlen stehen Menschen, Mütter, Väter und vor allem viele Kinder, die sich nichts sehnlicher wünschen als Frieden, Sicherheit und Nahrung.
Wir können das Leid nicht von heute auf morgen beenden, aber wir können heute etwas tun, um es zu lindern. Jede Spende ist ein Zeichen der Hoffnung und kann für einen einzelnen Menschen den entscheidenden Unterschied machen.
Das Gespräch führte Dani Fohrler.
Angesichts der alarmierenden Verschärfung der Ernährungskrise im Sudan ruft die Glückskette zu Spenden auf und organisiert heute, Donnerstag, 29. Oktober, gemeinsam mit der SRG einen nationalen Solidaritätstag für die vom Krieg und Hunger betroffenen Menschen.
Millionen Menschen sind auf lebenswichtige humanitäre Hilfe angewiesen, doch den Hilfsorganisationen fehlen zunehmend die Mittel, um diese zu leisten. Von 7 bis 23 Uhr werden unter der Gratisnummer 0800 87 07 07 Spendenzusagen entgegengenommen. Online kann auf glueckskette.ch gespendet werden
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