Krieg, Vertreibung, Hunger – Die Lage im Jemen wird immer schlimmer

Krieg, Vertreibung, Hunger Die Lage im Jemen wird immer schlimmer
Die neuste Militäroffensive der Huthis treibt Zehntausende Menschen in die Flucht. Die Hilfswerke kommen kaum noch nach.
16.09.2026, 20:32
Die Welt sorgt sich um steigende Ölpreise. Grund dafür ist die Entwicklung im Nahen Osten: Der Iran kontrolliert die Strasse von Hormus und die mit ihm verbündete Huthi-Miliz im Jemen jetzt auch die wichtige Meerenge an der südlichen Ausfahrt aus dem Roten Meer, Bab al-Mandab.
Die Menschen im Jemen haben mit ganz anderen Problemen zu kämpfen. Denn: «Tausende Familien sind auf der Flucht. Viele zum wiederholten Mal in dem krisengeschüttelten Land», sagt Alison Bottomley. Sie arbeitet für das norwegische Hilfswerk Norwegian Refugee Council (NRC). Derzeit befindet sie sich in der jemenitischen Hafenstadt Aden.
Flucht aus dem Landesinnern
Einige Flüchtlingslager im Landesinnern seien nun komplett verwaist. Die Menschen seien von dort über Nacht und ohne Hab und Gut in vermeintlich sicherere Regionen weiter südlich geflüchtet.
«Sie sind zu Fuss unterwegs und suchen andere Lager auf. Doch dort hat es für sie keinen Platz», so Bottomley. Viele hätten die letzten Nächte unter freiem Himmel oder in überfüllten Unterkünften verbracht. Mitarbeiter des NRC hätten etwa beobachtet, wie sich sechs Familien ein einziges, kleines Zelt teilten.
Die Kürzungen bei den internationalen Hilfsgeldern beeinträchtigen die Hilfe im Jemen stark.
«Die Nahrung ist knapp: Ein Bauer, der mitsamt seinen zehn Hühnern geflohen war, hat diese mit anderen Vertriebenen geteilt – jeden Tag ein Huhn.» Das habe für die ersten Tage gereicht, so die NRC-Vertreterin im Jemen. Doch nun sei der Vorrat aufgebraucht.
Nicht enden wollender Bürgerkrieg
Der Jemen hat einen acht Jahre dauernden Bürgerkrieg hinter sich, der 2022 in einen brüchigen Waffenstillstand mündete. Der Krieg droht jetzt durch die Offensive der Huthi in Richtung Rotes Meer wieder aufzuflammen.
Für die krisengeschüttelte Bevölkerung bedeutet das neues Leid. Bereits vor der aktuellen Eskalation war die Hälfte der Bevölkerung auf humanitäre Hilfe angewiesen, 18 Millionen Menschen leiden laut UNO an Hunger.
«Der Jemen kann sich diese zusätzliche Notlage eigentlich nicht leisten», sagt die Mitarbeiterin des norwegischen Hilfswerks. Den Menschen fehle es am Elementarsten. «Es fehlt an Wasser, Nahrung, Schutz und einer funktionierenden Gesundheitsversorgung.» Hilfe werde nicht erst morgen gebraucht – jeder Tag des Wartens sei tödlich für die Menschen auf der Flucht.
Es fehlt an Geld und internationaler Hilfe
Jetzt baut das NRC neue Flüchtlingslager auf, um die Vertriebenen aufzunehmen. Auch ausserhalb von Aden entstehen bereits behelfsmässige Zeltstädte.
Doch selbst das Hilfswerk fühlt sich dieser Krise nicht gewachsen: «Die Kürzungen bei den internationalen Hilfsgeldern beeinträchtigen die Hilfe im Jemen stark.» Der humanitäre Hilfsplan für das Land sei derzeit erst zu 20 Prozent finanziert – und die neuste Flüchtlingswelle noch gar nicht eingerechnet.
Zur langwierigen Krise im Jemen gesellt sich damit eine weitere akute Notlage. Und weil das Geld der internationalen Gemeinschaft zunehmend fehlt, droht die Situation für die Menschen vor Ort ein katastrophales Ausmass anzunehmen.
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