RTP DesportoJesus concentrado no treino para "consolidar processos e preparar momentos decisivos"PunchArsene Wenger, African coaches to dissect record 2026 World Cup runESPN Deportes¿Cómo le fue a Checo en la qualy del GP de Bahréin en Malasia?The Jerusalem PostDual UK-Iran national arrested in RAF Fairford bomb plot investigation released on bailInquirerDrug den dismantled in Cotabato, 3 suspects arrestedESPNTony Reno, who guided Yale to 5 Ivy League football titles, dies at 52Bollywood HungamaEXCLUSIVE: Siddharth P Malhotra reveals Ikka sequel and Shaque Season 2 are in the works; also shares happiness at the response to Parineeti Chopra starrer show: “Haven’t got so many calls for a series before”ZDF heuteEntdecken Sie das ZDF-NachrichtenstudioSportstarIndia vs Brazil LIVE score: IND 0-2 BRA; Estevao scores and assists; Vinicius denied by Gurpreet
The Daily Newsstand · Free, Always
Saturday, October 3, 2026

Gegen den Krieg, für den Dialog - ein orthodoxer Bischof in Europa

Translate

Noch malerten Anstreicher in den vergangenen Tagen. Kräftige Kerle trugen Kirchenbänke in das Gotteshaus, Frauen bügelten Vorhänge. Aber schon lange zieht Weihrauchduft durch den Kirchenraum des serbisch-orthodoxen "Klosters der Entschlafung der Allheiligsten Gottesgebärerin" in Hildesheim-Himmelsthür südlich von Hannover. Der typische Geruch eines orthodoxen Kirchenraumes vermischt sich mit dem frischer Farbe.

"Endlich hat unsere Gemeinde hier in der Region einen Ort des Gebets, der Ruhe und der Liturgie, des gemeinsamen christlichen Lebens", sagt Bischof Grigorije Duric der DW. Er hoffe auf ein geistliches Zentrum, auf mönchisches Leben, einen Ort der Begegnung, auch mit Klosterladen und Café.

Der 58-Jährige ist Metropolit der serbisch-orthodoxen Christen in ganz Deutschland. Nach seinen Angaben sind das bis zu einer Million Gläubige. Andere Schätzungen gehen von 400.000 bis 500.000 Personen aus. Bundesweit gibt es 52 Orte für Gottesdienste. Zu Hildesheim-Himmelsthür, so der Bischof, zählten rund 400 Familien zwischen Braunschweig und Goslar.

Das Gotteshaus, ein markanter neugotischer Bau aus den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts, überragt in Himmelsthür die umliegenden Gebäude. Auf dem Foto kann man erkennen, dass der eigentliche Kirchenraum in der dritten Etage liegt, darunter sind Arbeitsräume.
Die serbisch-orthodoxe Kirche in Himmelsthür, ein neugotischer Bau Bild: Christoph Strack/DW

Der neugotische Bau entstand vor gut 120 Jahren als Anstaltskirche eines evangelischen Frauenheims. Nachdem die "Diakonischen Werke Himmelsthür" in den 1970er Jahren in einen anderen Stadtteil von Hildesheim umzogen und hier 1977 der letzte evangelische Gottesdienst gefeiert wurde, kaufte die Serbisch-Orthodoxe Kirche für Mitteleuropa die Kirche und die angrenzenden Gebäude und baute sie mit viel ehrenamtlicher Arbeit um. Und nun wurde aufwendig renoviert und restauriert. Künftig soll es hier eine geistliche Präsenz mit Klosterleben geben.

Mehrere orthodoxe Klöster in Deutschland

Insgesamt leben nach Schätzungen rund 4,5 Millionen orthodoxe Christen in Deutschland. Mittlerweile gibt es auch diverse Klöster - bulgarisch oder russisch, griechisch, serbisch oder rumänisch. Meist sind es dort nur wenige Mönche oder Nonnen, kaum eine Handvoll, die die Liturgie pflegen und für Gläubige auch spirituelle Gesprächspartner sind. Und oft haben die Mönche einen Bezug zu den Athos-Klöstern in Griechenland, dieser ganz eigenen Klosterwelt.

Zum Gebäude gehört ein Klosterladen. Hier sieht man kleine Kreuze mit typisch orthodoxen Darstellungen sowie Kerzenständer. Zum Repertoire gehören auch Bücher, Ikonen, Weine und zahlreiche weitere Gegenstände des religiösen Alltagslebens.
Im Klosterladen.... Kreuze und KerzenständerBild: Christoph Strack/DW

Bischof Grigorije betont, dass Himmelsthür auch ein pan-orthodoxer Ort sei, offen für orthodoxe Gläubige aller Kirchen. "Wir haben hier Gläubige aus Serbien und Griechenland, aus Bulgarien und Rumänien, auch aus der Ukraine und Russland." Und es sei ihm wichtig, dass immer wieder auch deutsche Nachbarn und Freunde einbezogen seien. Niemand dürfe sich in ein Ghetto zurückziehen und abschotten. Das wäre "sehr gefährlich".

"Der Krieg, eine Schande"

Der Metropolit kommt auch auf die russische Aggression gegen die Ukraine zu sprechen, die "Nostalgie" eines Groß-Russlands, den Krieg in Europa. "Eine Schande. Das ist eine Schande." Es sei ein Krieg zwischen orthodoxen Christen. "Aber die Menschen, die diesen Krieg führen, denken immer nur an Geld und Macht und andere Dinge, sie denken nie über das Christentum nach." Wichtig sei, dass für Christen der andere immer ein Bruder beziehungsweise eine Schwester bleibe.

"Ich bin aus Bosnien, aus Sarajevo. Und ich bin Europäer", sagt Grigorije über sich selbst. "Ich fühle mich als europäische Person, als total europäische Person." Er hoffe, dass Serbien eines Tages den Weg in die Europäische Union schaffen werde. Aber Europäer seien die Serben mit der Geschichte ihres Landes auf jeden Fall. Er betone auch immer wieder in den Gemeinden, wie wichtig es sei, dass die Menschen den Dialog suchten und führten, das Gespräch auch über Konfessionsgrenzen hinweg. "Die Möglichkeit zum Dialog ist etwas, das Gott uns geschenkt hat." Der Dialog ermögliche es den Menschen, einander kennenzulernen und vom anderen zu lernen.

Längst ist es nicht mehr die "Gastarbeiter-Generation" der 1960er Jahre. Viele der serbischen Christen sind in Deutschland aufgewachsen, haben hier die Schule besucht und studiert, sprechen Deutsch als Muttersprache. "Es sind Deutsche mit serbischen Wurzeln", so der Bischof. "Ihre erste Sprache ist Deutsch, für ihre Kinder ist es auch die Lebensweise und Kultur. Sie sind Deutsche. Aber sie möchten nie sagen, dass sie ihre serbischen Wurzeln ablehnen." Und sie teilten mit Christen verschiedener Herkünfte ihren Glauben. Zur festlichen Einweihung erwarte die Gemeinde auch Bischöfe der katholischen und der evangelischen Kirche.

Grigorije kommt auf die Gastarbeiter-Geschichte auch, wenn man ihn nach der Finanzierung der umfassenden Renovierung und Ausgestaltung fragt. Seine Kirche habe für das Projekt keine öffentlichen Gelder bekommen, weder von der Stadt, noch dem Land Niedersachsen, noch vom Bund. Die serbisch-orthodoxe Gemeinde in Deutschland habe gespendet, das sei auch ihre Aufgabe. "Aber der größte Teil kommt von einem einzelnen Mann."

Ein Gastarbeiter-Kind als Stifter

Der Stifter, so Grigorije, einst als Sohn einer Gastarbeiter-Familie in Hildesheim geboren, sei heute längst erfolgreicher Unternehmer in Berlin. "Er sagte: Einst habe ich mit meiner Mutter diese Kirche besucht. Ich werde alle Arbeiten, alle Reparaturen bezahlen", berichtet der Bischof. Eine neue Steintafel im Eingangsbereich würdigt den "großen Einsatz und die opferbereite Liebe" des namentlich genannten Stifters.

In der rechten Bildhälfte sieht man die mit Heiligendarstellungen verzierte sogenannte Ikonostase, die in orthodoxen Kirchen den Altarbereich vom Kirchenschiff trennt. Im linken Bildteil eine steinerne Arbeit, die bereits zur Ausgestaltung der früheren evangelischen Kirche gehörte.
Im Kirchenraum findet sich auch - hier rechts im Bild - eine sogenannte Ikonostase zwischen dem Altarbereich und dem Kirchenschiff Bild: Christoph Strack/DW

Ausdrücklich legt Grigorije Wert darauf, dass die Geistlichen seiner Kirche in Deutschland die deutsche Sprache gut beherrschen. Als er, 1967 unweit von Sarajevo geboren, 2018 als Bischof nach Deutschland kam, habe nur jeder zehnte Geistliche gut Deutsch gesprochen. Mittlerweile sei es jeder zweite. Tendenz steigend. Der Bischof verweist auf die Möglichkeit, an der Universität München ein Studium der orthodoxen Theologie zu absolvieren.

Ein orthodoxer Kirchentag?

Metropolit Grigorije denkt derweil weiter. Er möchte die anderen orthodoxen Bischöfe in Deutschland für so etwas wie einen gemeinsamen orthodoxen Kirchentag gewinnen. Das könne dazu beitragen, "uns langsam und deutlich in dieser Welt zu integrieren".

Bislang sei das Problem der orthodoxen Kirchen in Deutschland noch der Nationalismus der einzelnen Gemeinschaften. "Aber wir müssen hier mehr und mehr eine orthodoxe Kirche sein. Dabei könnte ein gemeinsamer Kirchentag, bei dem wir uns gemeinsam präsentieren, ein Schritt sein."

View the original on DW Deutsch →

KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.