Vodafone erprobt KI-Übersetzung und Geräuschfilter im Mobilfunknetz
KI-Unterstützung tritt dieser Tage auf vielfältige Weise in Erscheinung: auf Cloudservern, lokal auf dem Gerät – oder im Telefonnetz. Vodafone hat jetzt zusammen mit dem TK-Ausrüster Ericsson in einem realitätsnahen Testnetz KI eingesetzt, um Telefonate live zu übersetzen und störende Hintergrundgeräusche automatisch herauszufiltern. Beide Funktionen laufen laut dem Mobilfunknetzbetreiber netzseitig. Damit sind weder ein spezielles Smartphone noch zusätzliche Apps erforderlich.
In Tests mit einem gewöhnlichen Smartphone sei die Live-Übersetzung zwischen den Sprachen Deutsch, Englisch, Spanisch, Italienisch und Französisch erprobt worden. Der Geräuschfilter könnte zum Beispiel in lauten Umgebungen wie Flughäfen oder Bahnhöfen Anwendung finden. Die Übersetzung soll laut Pressemitteilung erst nach ausdrücklicher Aktivierung durch den Nutzer erfolgen. Ohne Zustimmung würden keine Gesprächsinhalte gespeichert oder analysiert.
Technisch nutzt Vodafone einen eigenen Anwendungsserver und eine KI-Plattform. Über Schnittstellen sind diese mit einem KI-Gateway und Kernnetz-Technologie von Ericsson verbunden. Die Erprobung sei Teil der gemeinsamen Initiative „Core Network of the Future“, die zum Ziel hat, allgemein an KI-Integration und Zukunftstechnologien fürs Mobilfunknetz zu arbeiten.
Eine Frage des Vertrauens
KI ist auch bei den Mitbewerbern ein großes Thema. Die Deutsche Telekom zeigte bereits im März auf der Mobilfunkmesse Mobile World Congress (MWC) einen netzseitigen KI-Anrufs-Assistenten (Magenta AI Call Assistant), der mit ElevenLabs zusammen entwickelt wurde. Wann solche Funktionen für Endkunden kommen, ist allerdings bei beiden Unternehmen noch unklar. Eng daran geknüpft ist die Frage nach den Kosten. Für den Moment ist vorerst nur das Konzept nachgewiesen.
Die Mobilfunker haben den Vorteil, dass ihre KI-Lösungen im Vergleich zu Dritt-Apps geräteunabhängig und ohne App-Installation funktionieren. Andererseits müssen Telekom, Vodafone und Co. befürchten, dass Google und Apple früher oder später selbst solche Funktionen in ihre Betriebssysteme implementieren könnten und womöglich auch an einem plattformübergreifenden Standard feilen. Bliebe noch die Vertrauensfrage, wem die Kunden mehr trauen – dem US-Unternehmen mit Interesse an KI-Trainingsmaterial oder dem Telefonanbieter aus dem eigenen Land.
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