Antonia liess sich mit 25 Brüste entfernen: «Habe Seelenfrieden»

- Antonia (26) aus der Schweiz liess sich nach einem positiven BRCA1-Gentest präventiv beide Brüste entfernen.
- Die Mutation, die ihr Brustkrebsrisiko auf rund 80 Prozent erhöht, hatte sie von ihrer Mutter geerbt.
- Seit der Operation sagt Antonia, sie habe «Seelenfrieden» und lebe ohne die Angst vor Brustkrebs.
Antonia war 13 Jahre alt, als ihre Mutter an Brustkrebs erkrankte. Plötzlich gehörten Arzt- und Spitalbesuche zum Alltag der Familie. «Ich habe damals mitgelitten», erzählt die heute 26-Jährige. Schon damals fasste sie einen Entschluss: «Das wollte ich meinen Kindern nie zumuten.»
Denn Antonia wusste früh, dass auch sie ein erhöhtes Krebsrisiko haben könnte. In ihrer Familie waren bereits mehrere Menschen an Krebs erkrankt. Nach der Brustkrebsdiagnose liess ihre Mutter deshalb einen Gentest machen. Das Resultat: Sie trägt eine BRCA1-Mutation. Diese Genveränderung erhöht das Risiko für Brust- und Eierstockkrebs und kann vererbt werden.
«Ich war noch nicht bereit für den Test»
Antonia konnte also die Mutation mit einer Wahrscheinlichkeit von 50 Prozent geerbt haben. Mit 18 hätte sie sich testen lassen können. Doch sie wollte zunächst nichts wissen. «Ich dachte: Nein, mich würde die Diagnose aus der Bahn werfen.»
Sie wurde 2021 Mutter eines Sohnes und schob den Gedanken an einen Test wieder weg. Als sie 2024 ihre Tochter bekam, änderte sich das. «Ich wusste: Wenn ich das Gen habe, könnte ich es ihr weitergegeben haben.» Das sei der ausschlaggebende Punkt gewesen. «Ich dachte: Okay, ich nehme es jetzt in die Hand.»
«Ich sass nur noch heulend im Bett»
Im November 2025 gab Antonia Blut ab. Als sie das Resultat erhielt, sass sie zu Hause. «Ich habe nur noch heulend im Bett gelegen.» Der Test war positiv: Antonia trägt ebenfalls die BRCA1-Mutation.
«Mit 25 von seinem sehr hohen Brustkrebsrisiko zu erfahren, ist ein Schlag in den Bauch.»
Völlig überrascht habe sie das Resultat nicht. Ihre Mutter und Grossmutter hatten Brustkrebs, ihr Grossvater Prostatakrebs. «Ich wusste irgendwie, dass es in mir steckt. Es gab viel zu viel Krebs im Stammbaum.» Trotzdem sei die Gewissheit ein Schock gewesen. «Mit 25 zu wissen, dass man ohne Vorsorge mit einer 80-prozentigen Wahrscheinlichkeit an Brustkrebs erkranken kann, ist ein Schlag in den Bauch.»
«Meine Brüste sind nicht die hübschesten»
Nach dem positiven Test setzte sich Antonia mit ihren Möglichkeiten auseinander. Ihre Mutter hatte bereits eine Mastektomie hinter sich. Auch für Antonia war bald klar: Sie wollte ihr Risiko so weit wie möglich senken.
Also entschied Antonia sich mit 25 Jahren für eine präventive Mastektomie – die Entfernung beider Brüste – mit anschliessendem Wiederaufbau aus Eigengewebe. Von ihrem Mann erhielt sie dabei stets Unterstützung: «Er wollte einfach, dass ich gesund bin und kein Risiko für Brustkrebs mehr in mir trage. Er sagte, selbst ohne Brustaufbau wäre er froh, wenn ich nicht mehr an Brustkrebs erkranken und er mich daran verlieren könnte.»
Eine Mastektomie – was ist das genau?
Damit Betroffene ihr Brustkrebsrisiko senken können, wird von Ärztinnen und Ärzten häufig empfohlen, eine oder beide Brüste vollständig entfernen zu lassen. Die medizinische Bezeichnung dafür ist «Mastektomie». Wie Dr. med. Salome Riniker vom Tumor & BrustZentrum Ostschweiz erklärt, lässt sich das Brustkrebsrisiko durch eine beidseitige Mastektomie deutlich senken – um etwa 90 Prozent.
Nach dem Eingriff gibt es verschiedene Methoden, die Brust oder beide Brüste wiederaufzubauen. Dieser Wiederaufbau der Brust wird von der Grundversicherung der Krankenkasse bezahlt.
Aufbau mit Eigengewebe
Laut Krebsliga Schweiz entnehmen Chirurginnen und Chirurgen bei einem Aufbau mit Eigengewebe an einem Ort des Körpers Gewebe (Bauch, Oberschenkel, Gesäss oder Rücken) und formen danach die neue Brust. Vorteile davon können sein, dass diese Art von Aufbau das ganze Leben hält. Zudem sind so keine Fremdkörper im Körper und die Brust fühlt sich natürlich an. Sie bringt jedoch auch Nachteile mit sich: Die Gewebeentnahme hinterlässt Narben und die Operation ist kompliziert und dauert länger.
Brustaufbau mit Silikon
Beim Aufbau mit Silikon wird ein Silikonkissen in die Brust oder Brüste eingesetzt. Als Vorteile dieser Methode gelten vor allem die kürzere Operationszeit und das Ausbleiben zusätzlicher Narben. Doch bei einem Silikonaufbau muss das Silikon nach einigen Jahren ausgetauscht werden, was eine weitere Operation erfordert. Zudem ist Silikon ein Fremdkörper, was sich für Frauen auch so anfühlt.
Nach dem Brustaufbau können Brustwarze und Warzenhof rekonstruiert werden, sobald die Wunden vollständig verheilt sind. Dafür kann eigenes Gewebe verwendet und die Brustwarze anschliessend tätowiert oder pigmentiert werden. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten dafür nur selten. Und zwar nur dann, wenn eine Ärztin oder ein Arzt die Brustwarzen tätowiert oder wenn die Leistung unter ärztlicher Aufsicht erfolgt. Eine Alternative sind aufklebbare Brustwarzenprothesen.
Die Operation sei lang und körperlich belastend gewesen. «Meine Brüste sind jetzt nicht die hübschesten», sagt sie offen. «Aber es war medizinisch notwendig. Und das hat mich gesund gemacht.»
«Ich habe jetzt Seelenfrieden»
Vor der Operation hätten ihr die Kontrollen jeweils grosse Angst gemacht. Heute lebe sie ruhiger. «Ich weiss, dass ich wahrscheinlich keinen Brustkrebs bekomme. Ich bin einfach beruhigter und habe Seelenfrieden.»
Dass sie sich so jung operieren liess, sei eine bewusste Entscheidung für ihre Kinder und ihr eigenes Leben gewesen. Weitere Kinder möchte Antonia nicht und damit auch ausschliessen, die Mutation weiterzugeben. «Ich wollte nicht, dass meine Kinder das Gleiche durchmachen müssen wie ich.» Gleichzeitig fürchtet sie sich davor, ihre Kinder später über die mögliche Genmutation aufklären zu müssen. Sie hofft, ihnen mit ihrer Entscheidung ein Vorbild zu sein.
Antonia möchte Frauen mit familiären Krebsfällen ermutigen, sich mit genetischen Abklärungen auseinanderzusetzen. Viele hätten Angst vor dem Resultat. Antonia könne das verstehen. Doch für sie persönlich sei die Angst vor einer möglichen Krebserkrankung schlimmer gewesen als das Wissen um die Mutation. «Wenn man es weiss, kann man etwas dagegen machen.»
Wie andere Frauen aus der Community mit ihrem Krebsrisiko umgehen und was eine BRCA-Mutation genau bedeutet, liest du hier.
Hast du oder hat jemand, den du kennst, die Diagnose Krebs erhalten?
Hier findest du Hilfe:
KrebsInfo der Krebsliga, Tel. 0800 11 88 11
Selina Keller (sek) arbeitet seit 2025 bei 20 Minuten und ist Redaktorin im Ressort Community
KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.
