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Monday, August 24, 2026

90.000 Schüler landesweit: "Team Wallraff" blickt hinter die Kulissen der Waldorfschulen

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90.000 Schüler landesweit"Team Wallraff" blickt hinter die Kulissen der Waldorfschulen

24.08.2026, 18:49 Uhr

Berichte unzureichender Lehrerausbildung, Einflüsse esoterisch geprägter Lehren und teils riskante Situationen im Unterricht: Was passiert in Deutschlands Waldorf-Klassenzimmern? Das "Team Wallraff" arbeitete undercover in Schulen und besuchte ein Seminar.

Rund 90.000 Kinder besuchen in Deutschland eine Waldorfschule - so viele wie nie zuvor. Der Staat unterstützt die Ersatzschulen mit fast 650 Millionen Euro jährlich. Doch die Schulform gerät immer wieder in die Kritik. Das "Team Wallraff" arbeitete undercover an zwei Waldorfschulen, besuchte ein Seminar für angehende Waldorflehrer und sprach mit Lehrern, Eltern und Experten. Aus der Recherche über alternative Pädagogik wird der Blick in ein Schulsystem, das Fragen zur Qualität des Unterrichts und zur Qualifikation mancher Lehrkräfte aufwirft.

Eine RTL-Reporterin dokumentiert bei ihren Einsätzen an Schulen in Sachsen und Rheinland-Pfalz sowie bei einem Seminar in Dresden, nach welchem Schulkonzept dort bis heute an diesen Waldorfschulen gelehrt und wie Lehrpersonal in waldorfpädagogischen Grundlagen ausgebildet wird. In Sachsen erlebt sie, wie eine Lehrerin auf Basis von Waldorf-Gründers Rudolf Steiner "Anthroposophie" Schüler nach "Temperamenten" einteilt.

André Sebastiani von der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften bezeichnet die dahinterstehende Vorstellung als "rein esoterisches Weltbild", für das es aus wissenschaftlicher Sicht keine Grundlage gebe. Im künstlerischen Teil des Grundlagenseminars sollen die Teilnehmer unter anderem Zaubersprüche in den "Temperamenten" sprechen. Sie tanzen dabei durch den Raum und sprechen gemeinsam "Abrakadabra". Das Dresdner Seminar erklärt, es handle sich bei diesem Angebot um eine künstlerische Annäherung an ein pädagogisches Thema. Rollenspiele würden auch an Universitäten zum Ausbildungsplan gehören und auch wissenschaftliche Werke über deutsche Literatur mit "Zaubersprüchen" beginnen. 

Manche Lehrkräfte, darunter viele Quereinsteiger, beschrieben ihre Ausbildung gegenüber der Reporterin als teils unzureichend. Schüler berichten von Wissenslücken bei grundlegenden Unterrichtsinhalten, Eltern von nicht hinreichend beachteten Lernschwierigkeiten bei ihren Kindern. Lehrbücher gibt es kaum, stattdessen sogenannte Epochenhefte. "Der Lehrer ist die einzige Ressource der Wahrheit", sagt Waldorflehrerin Judith Lürmann.

Die Schulen teilen auf Anfrage mit, dass ihre Lehrkräfte nach den geltenden gesetzlichen Vorgaben und unter Beteiligung der zuständigen Schulaufsichtsbehörden eingesetzt würden und über die jeweils erforderlichen Qualifikationen verfügten. Beide Schulen verweisen außerdem auf die Ergebnisse bei den staatlichen Abschlussprüfungen: In Rheinland-Pfalz lägen diese seit Jahren im oder über dem Landesdurchschnitt. Die Schule in Sachsen teilt mit, dass Waldorf-Abiturienten im Schnitt bessere Abiturergebnisse erzielten als Schüler aus Regelschulen. 

An beiden Schulen erlebt die Reporterin Situationen, in denen aus ihrer Sicht regulärer Unterrichtsstoff zu kurz kommen könnte, etwa als in Sachsen über Wochen normaler Unterricht seltener stattfinden soll, um ein Theaterstück einzustudieren. Dazu teilt die Schule mit "schulisch durchgeführte Theaterinszenierungen" seien "ein wichtiges Element pädagogischer Binnendifferenzierung".

In Rheinland-Pfalz erlebt sie Szenen ohne Lehreraufsicht mit potenziell gefährlichen Folgen: An einem Tag hantieren zwei Schüler mit Hammer und Spitzhacke, am nächsten steigt ein Junge mit einem Bein aus einem Fenster im zweiten Stock. Die Schule weist pauschale Rückschlüsse auf die Qualität des Unterrichts aus einzelnen Beobachtungen zurück: "Sollten im schulischen Alltag einzelne Situationen auftreten, die pädagogisch oder organisatorisch zu reflektieren sind, werden diese selbstverständlich im Rahmen der bestehenden Verfahren aufgearbeitet."

Die #wallraffen-Recherchen zeigen ein System mit großen pädagogischen Freiheiten - und werfen Fragen auf: Entsprechen Unterricht und die wissenschaftliche Ausbildung der Lehrkräfte den Anforderungen, die Eltern, Kinder und der Staat an die Ersatzschulen stellen? 

RTL zeigt die Undercover-Recherche in #wallraffen am heutigen Montag um 22.15 Uhr. Schon jetzt ist die Folge auf RTL+ abrufbar.

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