Ecosia: Warum die Suchmaschine Mistral AI durch chinesische KI ersetzt
Die in Berlin ansässige Suchmaschine Ecosia vollzieht einen überraschenden Kurswechsel in ihrer KI-Strategie. Das Unternehmen trenne sich von seinem bisherigen europäischen KI-Partner Mistral AI, erklärte Gründer und CEO Christian Kroll gegenüber dem Portal Politico. Stattdessen setze die Firma künftig verstärkt auf Open-Source- sowie Open-Weight-Modelle, zu denen auch prominente Systeme chinesischer Entwickler gehören.
Ecosia legt einen Fokus auf Klimaschutz und Unabhängigkeit von großen US-Tech-Konzernen. Zahlreiche öffentliche Institutionen wie das deutsche Bundesumweltministerium und der britische National Health Service nutzen Ecosia. Erst im Mai hatte die Suchmaschine den US-Anbieter OpenAI durch das französische KI-Aushängeschild Mistral ersetzt.
Abgehängt und überlastet
Die Kooperation verlief dem Bericht zufolge aber nicht nach den Vorstellungen von Ecosia. Kroll begründet den Wechsel mit anhaltenden technischen Problemen und Leistungsdefiziten. Mistral sei schlicht ein Jahr hinter die Konkurrenz zurückgefallen. Durch überlastete Server sei es auch regelmäßig zu Ausfällen gekommen, da Ecosia als Kunde schlicht zu groß für die bestehende Infrastruktur der Franzosen gewesen sei.
Neben technischen Mängeln führt Kroll auch ökologische und strategische Bedenken an. Der hohe Anteil an Atomstrom im französischen Energiemix stehe im Widerspruch zu den eigenen Nachhaltigkeitszielen. Der Unternehmer hinterfragt ferner die europäische Souveränität des Anbieters, da Mistral erhebliche Summen von internationalen Investoren wie Nvidia oder Samsung eingeworben habe.
Kooperation mit China führt zu Zensurdebatte
Mistral-Mitgründer Guillaume Lample betonte am Rande einer Pressekonferenz, der Aufbau herausragender KI-Systeme erfordere Zeit und Rechenleistung. Er lud Ecosia dazu ein, das neue Modell Large 4 zu testen. Dennoch wirft der Abgang von Ecosia ein Schlaglicht auf die Herausforderungen bei der Schaffung einer eigenständigen europäischen KI-Infrastruktur. Kroll sieht die Zukunft Europas deshalb weniger im teuren Training eigener Basismodelle, sondern in der Nutzung leistungsfähiger Open-Weight-Ansätze. Dabei sind die erlernten Parameter frei zugänglich, sodass Entwickler solche Modelle lokal ausführen, anpassen und weiterentwickeln können. Um diesen Weg einzuschlagen, kooperiert Ecosia nun mit der Plattform Melious. Diese hostet verschiedene Open-Source-Modelle inklusive der chinesischen Systeme Qwen, GLM und Kimi. Laut Kroll konnte Ecosia dadurch die Betriebskosten etwa halbieren und gleichzeitig Qualität und Leistung verbessern.
Der Einsatz chinesischer KI-Modelle ist umstritten. In den USA überwiegen dabei Sicherheitsbedenken. Westliche Forschungsorganisationen warnen zudem vor Zensur und politischer Einflussnahme. Eine Untersuchung von NewsGuard zeigte jüngst, dass führende chinesische KI-Systeme Falschinformationen im Sinne der Pekinger Staatsräson oft nicht korrigieren.
Kroll sieht in diesen geopolitischen Aspekten kein K.-o.-Kriterium. Solche Schwachstellen ließen sich durch gezielte technische Nachbearbeitungen korrigieren. Fachleute teilen diese Zuversicht nur bedingt. Rasmus Rothe vom Bundesverband Künstliche Intelligenz erläuterte, direkte Zensur lasse sich zwar durch Nachtraining entfernen. Subtile Vorprägungen in den Trainingsdaten blieben aber tief verankert. Eine Korrektur erreiche meist nur die Oberfläche, nicht das Fundament des Modells.
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