EA beerdigt BioWare: Zum Abschied eine Floskel
BioWare: Es stimmt, dass vom legendären Rollenspiel-Entwickler zuletzt vor allem noch der Name übrig blieb. Dass Electronic Arts nun auch die letzten Überbleibsel des Studios schließt, tut trotzdem weh. BioWare war eines der größten Studios der Spielebranche und hat zu Glanzzeiten Videospiellegenden am Fließband produziert. Sein sang- und klangloses Ende räumt jeden verbleibenden Zweifel aus, dass Gamingkultur bei EA schlicht keine Rolle mehr spielt.
Nun muss man wirklich niemanden groß dazu überreden, EA unsympathisch zu finden. Seit August gehört der Publisher einem Private-Equity-Konsortium, das maßgeblich vom saudischen Staatsfonds PIF gestemmt wird. Den Kaufpreis von 55 Milliarden US-Dollar haben die neuen Eigentümer zu einem großen Teil auf Pump finanziert: 20 Milliarden US-Dollar Schulden muss EA selbst abtragen. Der Kampf um die Herzen der Spieler dürfte bei EA ohnehin längst als verloren gelten. Wenn wirtschaftlicher Druck auf zynischen Opportunismus trifft, gerät ein Studio wie BioWare eben unter die Räder.
Daniel Herbig berichtet auf heise online über Videospiele, Unterhaltungselektronik und andere Gadgets.
Ein Abschied auf Raten
Zur Wahrheit gehört aber auch, dass EA BioWare schon seit Jahren abschreibt. Als EA den Kauf des Studios 2007 bekanntgab, hatte BioWare mit „Baldur’s Gate“ und „Star Wars: Knights of the Old Republic“ bereits Rollenspielgeschichte geschrieben. Unter dem Dach von EA folgten „Dragon Age: Origins“ und die Fortsetzungen von „Mass Effect“ – der kreative Höhepunkt des Studios.
Danach ging es bergab. „Mass Effect: Andromeda“ enttäuschte 2017, zwei Jahre später floppte der Online-Shooter „Anthem“. Nach turbulenten Entwicklungsjahren, mehreren Neuausrichtungen und Ärger mit dem Publisher EA floppte 2024 „Dragon Age: The Veilguard“: Das weichgespülte Rollenspiel, das zwischendurch ein Live-Service-Titel werden sollte, fühlte sich kaum noch nach BioWare an. Und verkaufte sich schlecht, was EA auch öffentlich eingestehen musste. Spätestens da war klar: BioWare dürfte keine große Zukunft mehr haben.
Nach „Veilguard“ durfte nur noch ein kleines Kernteam am nächsten „Mass Effect“ arbeiten, die übrigen Entwickler wurden „vorübergehend“ zu anderen EA-Teams zwangsverfrachtet. Schnell stellte sich heraus, dass diese „ausgeliehenen“ Mitarbeiter nicht mehr zu BioWare zurückdürfen – EA hatte das traditionsreiche Studio erfolgreich geplündert.
Zeit, abzuschließen
Viele langjährige Spieler trauern nun trotzdem um BioWare, weil sie ihre liebsten Gamingmomente mit „Mass Effect“, „Knights of the Old Republic“ oder vielleicht sogar noch mit „Baldur’s Gate“ verbinden. Vielleicht ist es besser, dass BioWare nun auch ganz offiziell am Ende ist. So können die Fans immerhin abschließen.
Für das schuldengeplagte Private-Equity-EA liegt es auf der Hand, BioWare abzusägen: Warum sollte man jahrelang in die risikobehaftete Entwicklung großer Rollenspiele investieren, wenn man stattdessen in „EA Sports FC“ flott ein paar Lootboxen für den Ultimate-Team-Modus verkaufen kann? Kreative Ambitionen sollen andere haben. Zum Beispiel die belgischen Larian Studios, die das BioWare-Erbe mit „Baldur’s Gate 3“ erfolgreich fortgeführt haben. EA bläst derweil ein neues „Mass Effect“ ab, während das „Madden“-Team eine „social-first open-world experience“ bauen darf, das ganz sicher einen Haufen Lootboxen verkaufen wird. Plumpe Geldmacherei schlägt kreativen Anspruch.
In ihrem internen Memo an die Belegschaft widmen EA-Manager Cam Weber und David Tinson BioWare einen einzigen Absatz. „BioWare ist ein legendäres Studio, das das Rollenspiel-Genre mitdefiniert hat, und wir treffen diese Entscheidung nicht leichtfertig.“ Zum Abschied eine Floskel. Mehr als drei Sätze war EA das einstige Kronjuwel nicht mehr wert.
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