Bitkom: Mehrheit der Lehrkräfte will Pflichtfortbildungen zu digitalen Themen
Lehrkräfte schätzen ihre Fähigkeiten, Unterricht digital zu gestalten, etwas positiver ein als noch vor zwei Jahren. Die für eine Umfrage des Digitalverbands Bitkom befragten Lehrerinnen und Lehrer gaben sich im Schnitt die Note 2,3 für ihre digitalen Fähigkeiten. Dabei ziehen vor allem diejenigen den Schnitt nach oben, die ihre eigenen Fähigkeiten als mittlerweile „sehr gut“ einschätzen. Trotz der verbesserten Selbstbeurteilung spricht sich die Mehrheit für verpflichtende und regelmäßige Fortbildungen zu digitalen Themen aus. Das geht aus einer Umfrage des Digitalverbands Bitkom hervor.
Wie der Bitkom erklärte, bewerten mittlerweile 64 Prozent der befragten Lehrkräfte ihre Fähigkeiten, Unterricht digital zu gestalten, als „gut“ (48 Prozent) oder auch „sehr gut“ (16 Prozent). Knapp zwei Jahre zuvor (Befragung von Juni bis August 2024) gaben sich erst 53 Prozent ein „sehr gut“ (9 Prozent) oder „gut“ (44 Prozent). Im Vergleich zur Vorgängerumfrage stieg insbesondere die Zahl derer, die ihre Fähigkeiten als sehr gut einstufen. So verbessert sich die Selbstbeurteilung im Durchschnitt von der Schulnote 2,5 im Jahr 2024 auf eine 2,3 im Jahr 2026. Dass die Eigen- von der Fremdwahrnehmung abweicht, weist allerdings eine Bitkom-Befragung aus dem Frühjahr 2025 nach. Schülerinnen und Schüler beurteilten die Digitalkompetenz ihrer Lehrkräfte im Schnitt nur mit der Note 2,9.
Gegenüber 2024 hat sich die Selbstbeurteilung der Lehrkräfte durchweg verbessert.
(Bild: Bitkom Research)
Die verbesserte Eigenbeurteilung lässt trotzdem noch Raum für Unsicherheiten: Im Durchschnitt fürchten 32 Prozent, mit dem Entwicklungstempo digitaler Technik nicht Schritt halten zu können. Das gilt sowohl für recht junge Lehrkräfte bis 30 Jahre als auch für Lehrkräfte, die 61 Jahre und älter sind. So verwundert es nicht, dass sich insgesamt 78 Prozent der Lehrkräfte verpflichtende und regelmäßige Fortbildungen zu digitalen Themen wünschen. Besonders ausgeprägt ist dieser Wunsch in den Gruppen der Lehrkräfte zwischen 41 und 60 Jahren, die auch häufiger als andere Altersgruppen angeben, sich unsicher zu fühlen, weil Schülerinnen und Schüler sich besser mit neuen Technologien auskennen als sie selbst. (Im Durchschnitt sind 21 Prozent der Befragten aus diesem Grund häufig unsicher.) Diese Altersgruppen erkennen also offenbar nicht nur ein Defizit, sondern wollen es auch mehrheitlich durch Fortbildungen beheben.
Lehrkräfte zwischen 41 und 60 Jahren wünschen sich besonders deutlich verpflichtende Fortbildungen, zugleich fühlt sich genau diese Gruppe „häufig unsicher“, weil sich ihre Schülerinnen und Schüler besser mit neuen Technologien auskennen als sie selbst.
(Bild: Bitkom Research)
Auch Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst sieht in diesen Zahlen vor allem einen Auftrag zur Weiterbildung: „Mit KI und immer neuen digitalen Anwendungen verändert sich auch der Unterricht in hohem Tempo. Es reicht daher nicht, wenn sich nur ein Teil der Lehrkräfte fortbildet. Wer zeitgemäßen Unterricht will, muss Fortbildung zur Regel machen – mit praxisnahen Angeboten und festen Zeitbudgets. Digitalkompetenzen gehören verbindlich ins Studium, ins Referendariat und in die berufsbegleitende Weiterbildung von Lehrkräften.“
Nach konkreten Fortbildungswünschen befragt, gaben 41 Prozent an, sie würden sich gern zum Jugendschutz im Netz weiterbilden, etwa zu Cybermobbing und Cybergrooming. Es folgen pädagogische Aspekte digitalen Lernens (32 Prozent), Lernapps und Lernsoftware (31 Prozent) sowie digitale Werkzeuge für Planung, Organisation und Leistungsbewertung (29 Prozent). Künstliche Intelligenz interessiert 27 Prozent, Urheberrecht und Datenschutz 25 Prozent, technische Grundlagen nur noch 20 Prozent.
16 Prozent gaben an, dass sie sich überhaupt nicht zu digitalen Themen fortbilden wollen. Dies gaben aber vor allem jüngere Lehrkräfte zwischen 20 und 40 Jahren an und dann erst wieder Lehrkräfte ab 61 Jahren. Damit liefern die Umfrageergebnisse Hinweise auf altersgruppenspezifische Bedürfnisse wie etwa die der sogenannten Digital Natives, denen man schon ein gewisses digitales Vorwissen unterstellen kann und die sich in manchen Fortbildungen womöglich langweilen würden.
Gerade ältere Lehrkräfte zeigen ein verstärktes Interesse an Fortbildungen zu Jugendschutz, Lernapps oder KI. Jüngere wollen mehr zu technischen Themen, Pädagogik oder auch Urheberrecht wissen. Ein Teil der Jüngeren sieht für sich offenbar einen geringen Weiterbildungsbedarf.
(Bild: Bitkom Research)
Wintergerst warnte allerdings vor falschen Schlüssen in Bezug auf bereits erlangte Kompetenzen und forderte eine fortlaufende Möglichkeit zum Fortbilden: „Digitalkompetenz ist nichts, was man sich einmal aneignet und dann jahrelang abrufen kann. Entscheidend ist, dass Lehrkräfte unkompliziert und kontinuierlich die Möglichkeit bekommen und nutzen, ihr Wissen aufzufrischen und neue Anwendungen zu testen.“
Methodik
Für die aktuelle Erhebung hatte Bitkom Research 501 Lehrkräfte der Sekundarstufen I und II an Hauptschulen, Realschulen, Gymnasien, integrierten Gesamtschulen, Waldorfschulen und Schulen mit mehreren Bildungsgängen telefonisch befragt. Die Erhebung fand in den Kalenderwochen 22 bis 26 (Ende Mai bis Ende Juni 2026) statt.
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