Inkassofirma – Letterdata knickt ein: Keine Zahlungsaufforderungen mehr

Was ist aktuell passiert? Die Schweizer Inkassofirma Letterdata beendet das Vertragsverhältnis mit der Firma Margot Brands aus Hongkong per letzten Freitag. In einer Mitteilung an Betroffene schreibt Letterdata, dass alle entsprechenden Dossiers geschlossen würden und keine weiteren Forderungen mehr folgen. Bereits verschickte Zahlungsaufforderungen seien gegenstandslos. Das Inkassobüro versichert zudem, sämtliche Daten der Betroffenen zu löschen. Der Chef von Letterdata begründet den Schritt gegenüber «Espresso» und «Kassensturz» mit der «Flut an Reklamationen» und der «ausufernden Medienberichterstattung». Die Firma kläre juristisch ab, was mit dem bereits eingezahlten Geld passiert.
Was ist der Hintergrund? Seit dem Sommer erhielten tausende Personen in der Schweiz Rechnungen und aggressive Mahnungen für angebliche Abonnements auf den Internetseiten von Swiss-Nova-Chat oder Swiss-Nova-Care, hinter denen die Firma Margot Brands aus Hongkong steht. Die Betroffenen hatten jedoch nie ein Abo abgeschlossen. Die Masche war perfide: Wer widersprach, erhielt vermeintliche Beweise wie IP-Adressen und Log-in-Zeiten, um den Druck zu erhöhen. Als das Schweizer Inkassobüro Letterdata mit Betreibungen drohte, knickten viele Betroffene aus Angst ein und bezahlten hunderte Franken für nie genutzte Dienste.
Keine Spur von Margot Brands
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Recherchen vor Ort in Hongkong zeigen: Die im Impressum von Swiss-Nova-Chat und Swiss-Nova-Care angegebene Adresse der Betreiberfirma Margot Brands Ltd. ist eine Briefkastenadresse. Versuche von einer Journalistin, die für «Kassensturz» vor Ort recherchierte, die Verantwortlichen vor Ort zu kontaktieren, blieben erfolglos.
Was bedeutet das für Personen, die solche Post bekommen haben? Die Forderungen von Letterdata im Namen von Margot Brands müssen definitiv nicht bezahlt werden. Wer zum ersten Mal eine Rechnung direkt von Margot Brands erhält, sollte dieser einmalig schriftlich (das geht auch per E-Mail) widersprechen. Darin sollte klar festgehalten werden, dass zu keinem Zeitpunkt ein Vertrag abgeschlossen wurde. Alle darauffolgenden Mahnungen oder E-Mails von Margot Brands können ignoriert werden. Es ist nicht ausgeschlossen, dass nun andere Inkassofirmen den Auftrag übernehmen. Auch in diesem Fall sollte die Forderung bestritten werden bis hin zum Rechtsvorschlag.
Stellungnahme des Seco
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Das Staatssekretariat für Wirtschaft Seco hat auf Anfrage von «Espresso» und «Kassensturz» auf die neuesten Entwicklungen reagiert:
«Wir haben über 2000 Beschwerden gegen Letterdata erhalten. Das Seco hat Letterdata (mit eingeschriebenem Brief) angeschrieben und sie aufgefordert, sich zu verpflichten, keine Geldforderungen für Angebote auf den Webseiten swissnovachat.ch und swissnovacare.com durchzusetzen bzw. durchsetzen zu lassen, ohne dass vorgängig ein Vertrag abgeschlossen worden ist. Bis anhin hat das Seco keine Stellungnahme von Letterdata erhalten. Die vom Seco angesetzte Frist für die Einreichung einer Stellungnahme ist zurzeit noch nicht abgelaufen.»
Auf weitere Details gehe man zurzeit nicht ein, da die Angelegenheit noch hängig ist, so das Seco weiter.
Was sind die Konsequenzen für die Verantwortlichen? Obwohl Letterdata das Mandat niedergelegt hat, ist die Angelegenheit für die Firma nicht ausgestanden. Die Staatsanwaltschaft Schwyz ermittelt derzeit zusammen mit der Kantonspolizei Schwyz gegen die Inkassofirma. Details zu den laufenden Ermittlungen geben die Behörden allerdings noch nicht bekannt.
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