Bedrohtes VW-Werk in Zwickau: Und die AfD reibt sich die Hände

Die Schließung des ostdeutschen VW-Werks würde das Ende einer langen Industriegeschichte bedeuten – und wäre ein wirtschaftlicher Wahnsinn.
Foto: Hendrik Schmidt/dpa
J a, es ist nur ein Plan, der noch vom Aufsichtsrat abgesegnet werden muss. Aber klar dürfte jetzt schon sein, dass das Schicksal des traditionsreichen Auto-Standorts Zwickau in Sachsen besiegelt ist. Auf der jetzt durchgestochenen Streichliste des VW-Vorstands hat Zwickau die schlechtesten Karten: Nicht unrealistisch dürfte das Szenario sein, dass Zwickau am Ende geopfert wird, um die Werke in Emden und Hannover zu retten. Die stehen dem VW-Anteilseigner Niedersachsen natürlich näher als das Werk in Sachsen.
Die Auswirkungen werden für Sachsen und den Osten insgesamt katastrophal sein – nicht nur wirtschaftlich, sondern auch für das gesellschaftliche Klima. Mit einer Schließung würden 120 Jahre sächsische Autoindustrie-Geschichte einfach mal geschreddert werden.
Einst war Sachsen einer der bedeutendsten Standorte; der Chemnitzer Konzern Auto-Union, zu dem Audi gehörte, war einmal der zweitgrößte Autohersteller in Deutschland. Audi ging nicht nach Bayern, weil es da so schön ist, sondern wegen der deutschen Teilung.
Das Signal, das gesendet wird, ist wieder einmal: Mit den Ossis kann man es ja machen, die werden sich schon nicht groß wehren. Doch, das tun sie, seit Längerem in Form einer vermehrten Stimmabgabe für die AfD. Die sächsische AfD dürfte sich mit Blick auf die nächste Landtagswahl in dem Bundesland die Hände reiben, nimmt die Partei doch seit Längerem die Kümmererrolle für die gekränkte Ost-Seele ein. Der Fall VW bestätigt leider die „Die-da-oben-Gefühle“.
Eine Schließung wäre geradezu irrwitzig: Zwickau ist ein hochmoderner Standort, der komplett auf E-Autos setzt. Und genau das ist die Zukunft. 8.000 gut bezahlte Arbeitsplätze mit Tariflohn, von denen es im Osten nicht viele gibt, würden verloren gehen; Zulieferer wären auch betroffen. Und an die gerichtet, die sagen, dass die VW-Löhne zu hoch seien: In Zwickau sind die Gehälter niedriger als in westdeutschen VW-Werken.
Volkswagen muss dringend seiner sozialen Verantwortung, die der Konzern sonst gern proklamiert, gerecht werden und gerade Zwickau halten.
Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen
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