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Friday, October 16, 2026

Iran: Wenn "Ehre" zum Todesurteil für Frauen wird

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In den frühen Morgenstunden des Montags am 5. Oktober 2026 starb Maryam Yarmohammadi. Die 28-jährige Mutter von zwei Kindern wurde auf der Insel Qeschm im Südiran von ihrem Bruder und ihrem Ehemann mit Messerstichen angegriffen. Ihre Geschlechtsorgane wurden verstümmelt. Kurz darauf starb sie im Krankenhaus. Die geständigen Täter wurden verhaftet.

Laut Medienberichten versammelten sich rund 50 Familienangehörige und Verwandte vor dem Krankenhaus und protestierten gegen die Festnahme von Maryams Bruder und ihrem Ehemann. Sie sollen der Ansicht gewesen sein, dass der Tod die "geringste Strafe" für Maryam Yarmohammadi gewesen sei.

Was die junge Frau getan hatte und warum die Angehörigen sie für schuldig hielten, ist nicht bekannt. Der Fall und die Art und Weise, wie die 28-jährige zweifache Mutter getötet wurde, weisen jedoch auf ein bekanntes Muster der sogenannten Ehrenmorde hin.

In solchen Fällen steht häufig die Vorstellung im Mittelpunkt, ein Mann müsse eine vermeintliche "Schande" beseitigen, die eine Schwester, Tochter oder Ehefrau über die Familie gebracht habe. Andernfalls könne er von seinem sozialen Umfeld abgelehnt, gedemütigt oder ausgegrenzt werden.

Was als "Anstand" gilt, kann von der Familie oder den örtlichen gesellschaftlichen und kulturellen Normen bestimmt werden. In manchen traditionell geprägten Regionen können bereits lautes Lachen oder ein freundliches Gespräch mit einem fremden Mann als Verstoß gegen diese Normen gelten.

Frauen, denen ein solcher Verstoß vorgeworfen wird, bekommen häufig keine Möglichkeit, sich gegen die Anschuldigungen zu verteidigen.

Ungeklärte Tode von Frauen in der Türkei

Seit Jahren versuchen Frauenrechtsaktivistinnen im Iran, landesweite Netzwerke aufzubauen, die betroffenen Frauen Beratung und Schutz anbieten. Dazu gehört die "Kampagne zur Beendigung von Ehrenmorden".

Rezvan Moghaddam, Sprecherin der Kampagne, sagt im Gespräch mit der Deutschen Welle, es scheine in der Region keine Aktivistin oder Gruppe gegeben zu haben, die Maryam Yarmohammadi hätte unterstützen können.

Mithilfe zivilgesellschaftlicher Netzwerke ist es der Kampagne in einigen Fällen gelungen, bedrohte Frauen an sichere Orte zu bringen und ihnen Zuflucht zu vermitteln.

Gleichzeitig betont sie, dass dies nicht als Vorwurf gegen Frauenrechtsaktivistinnen in diesen Regionen verstanden werden dürfe: "Ich selbst komme aus Chusestan im Südiran und bin mir der dort bestehenden Einschränkungen bewusst."

Versagen des Justizsystems

Die auf der Scharia beruhenden Gesetze im Iran behandeln Frauen in vielen Bereichen nicht als gleichberechtigte Bürgerinnen. Ihre Handlungsmöglichkeiten und Entscheidungen über ihr eigenes Leben können von der Zustimmung ihrer männlichen Verwandten abhängen, etwa wenn es um Bildung, Beruf oder Reisen geht.

Auch nach dem Tod einer Frau können männliche Angehörige im Rahmen bestimmter rechtlicher Regelungen Einfluss auf den weiteren Verlauf eines Strafverfahrens nehmen.

Im iranischen Strafrecht gilt bei bestimmten Straftaten, darunter Mord, das Prinzip der Vergeltung. Bei einem Tötungsdelikt können die Angehörigen des Opfers zwischen der Forderung nach Vergeltung – die bei Mord die Todesstrafe bedeuten kann – und der Begnadigung des Täters entscheiden.

Solche Konstellationen verdeutlichen die Schutzlücken, die im iranischen Justizsystem im Zusammenhang mit Gewalt gegen Frauen eine wichtige Rolle spielen.

Laut einer Studie der iranischen Polizeiakademie aus dem Jahr 2020 machten sogenannte Ehrenmorde – die Ermordung einer Frau durch männliche Angehörige wie ihren Vater, Bruder oder Onkel wegen eines vermeintlichen Verstoßes gegen gesellschaftliche Anstandsnormen – in einigen besonders traditionell geprägten Provinzen im Westen und Süden des Landes bis zu 45 Prozent aller dort verübten Morde aus.

Der UN-Sonderberichterstatter für Menschenrechte im Iran gab im März 2025 bekannt, dass im Jahr 2024 im Iran mindestens 179 Frauen von Männern aus ihrem familiären Umfeld ermordet wurden. Diese Fälle wurden als Femizide registriert.

Wenn Gewalt gesellschaftlich legitimiert wird

Im Fall der Ermordung von Maryam Yarmohammadi hat vor allem das Ausmaß der Brutalität die Gesellschaft erschüttert. Der Fall löste in den sozialen Netzwerken eine Welle der Bestürzung und Trauer aus. Viele Frauen reagierten auf diesen von Hass im Namen von "Ehre" und "Schande" geprägten Femizid.

Demgegenüber standen zahlreiche Kommentare, die sich in Victim Blaming, also der Schuldzuweisung an das Opfer, erschöpften. Andere sprachen von der "Bestrafung einer untreuen Frau" oder versuchten, "die Wut der Männer zu verstehen".

Die Psychoanalytikerin Saba Alaleh spricht von einer Struktur, die Männern ihrer Ansicht nach seit Jahren vermittelt, dass sie Frauen kontrollieren und deren Verhalten und Entscheidungen überwachen müssten. Gleichzeitig werde männliche Identität an den "Gehorsam der Frau" geknüpft.

"Gewalt wird in einer Gesellschaft dann normalisiert, wenn Überzeugungen, Zustimmung und Schweigen innerhalb einer solchen Struktur zusammenwirken", erklärt Alaleh im Gespräch mit der Deutschen Welle.

Femizide: Ecuador erlebt Welle der Gewalt

Sie betont weiter: "Wenn kulturelle, soziale, politische, wirtschaftliche, rechtliche und bildungsbezogene Faktoren eng miteinander verbunden sind, entwickeln sie eine enorme Macht. Frauen sind unter solchen Bedingungen zudem in hohem Maße wirtschaftlich abhängig und verfügen nicht über ausreichende soziale Unterstützung. Auch Präventionsmechanismen fehlen. All dies erhöht die Gefahr von Gewalt."

Frauen kämpfen um Selbstbestimmung

Atefeh Rangriz, Soziologin und Frauenrechtsaktivistin, sagte im Gespräch mit der Deutschen Welle: "Femizide hat es immer gegeben, und wir können ihre politischen Erscheinungsformen auch in der Geschichte erkennen: von der Zwangsenthüllung bis zu 'Entweder Kopftuch oder Schläge auf den Kopf' in der Islamischen Republik."

Rangriz ist überzeugt, dass Frauen den Weg der Befreiung gut kennen und trotz aller Schwierigkeiten in den vergangenen Jahrzehnten viel erreicht haben.

Im Iran fahren Frauen seit 1940 Auto. Seit 1963 dürfen sie wählen und für politische Ämter kandidieren. Die Hälfte der Menschen mit Universitätsabschluss im Iran sind Frauen. Auch die Zahl der Frauen, die die Scheidung einreichen oder sich einvernehmlich aus einer unglücklichen Ehe lösen, steigt kontinuierlich.

Mit der Bewegung "Frau, Leben, Freiheit", die aus den landesweiten Protesten von 2022 nach dem Tod von Jina Mahsa Amini im Polizeigewahrsam hervorging, hat sich auch das öffentliche Bild der Frau im Iran verändert.

"Frauen haben gelernt, sich auf die Gegenwart zu konzentrieren, statt die Gerechtigkeit auf die Zukunft zu verschieben. Sie fordern sie jetzt", sagt die Soziologin und Frauenrechtsaktivistin Atefeh Rangriz. "Sie wollen selbst über ihren Körper bestimmen, so leben, wie sie es möchten, und sich aus Herrschafts-, Unterdrückungs- und Ausbeutungsverhältnissen befreien. Das ist eine Art radikale Revolution."

Viele Frauen tragen den obligatorischen Hidschab inzwischen nicht mehr in der Öffentlichkeit und widersetzen sich damit den staatlichen Bekleidungsvorschriften. Doch was sich die junge Mutter Maryam Yarmohammadi wünschte und wie sie leben wollte, danach fragt kaum jemand. Sie wurde brutal ermordet.

Tanz als Ausdruck der Freiheit

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