Streit um angebliche Absprachen: Jordaniens Vergeltung bringt Syriens Regierung in Bedrängnis

Jordanische Luftwaffe greift in Syrien mutmaßliche Stellung von Terroristen an. Zuvor wurden Verdächtige des Anschlags auf eine Kirche gefasst.
Foto: Moawia Atrash/dpa
Jordanische Sicherheitskräfte nahmen am Montag 3 Verdächtige in einem Dorf fest, nachdem ihr Angriff auf Trauernde in einer Kirche in Karak am Freitag das ganze Land erschüttert hatte. Auf Bildern und Videos der Festnahme sieht man Militärs und Polizisten der Spezialeinsatzeinheiten in schwarzer Vollmontur, die in einem Konvoi aus gepanzerten Fahrzeugen in der Dunkelheit durch die ausgedörrte Landschaft rasen. Schüsse werden von einem Flachdach abgefeuert, sie hallen in den menschenleeren Straßen des Dorfs al-Judayyda im Zentrum Jordaniens nach.
Teils mit blutigem Gesicht und in Handschellen liegen anschließend 3 Männer neben den Sicherheitskräften. Sie sollen alle aus derselben einheimischen Familie stammen, 2 sind Geschwister. Auf einer Pressekonferenz gab Polizeichef Obeidallah al-Maaytah bekannt, die drei Verdächtigen hätten sich nach der Tat in einem verlassenen Gebäude verschanzt. Als die Sicherheitskräfte das Versteck stürmten, hätten sie sich verbarrikadiert und das Feuer eröffnet. Die Verdächtigen trugen Verletzungen davon, sind aber am Leben. Das Trio habe allein gehandelt, aus religiös-extremistischen Motiven, betonte der Generalmajor.
Wenige Stunden später führte die jordanische Luftwaffe mehrere Luftangriffe auf Gebäude in der Nähe von Dara’a in Südsyrien durch. Auf X schrieb das Militär, man habe die „Operation Jordanische Abschreckung – Humud“ durchgeführt. Humud ist der Name des Dorfes, in dem der Anschlag stattgefunden hatte. Die Operation habe sich gegen Verstecke von Terrororganisationen in Syrien gerichtet.
Die Luftangriffe sollen IS-Zellen gegolten haben. Laut der jordanischen Regierung seien über 20 IS-Mitglieder getötet worden. Die 3 Verdächtigen sollen Verbindungen zu dortigen IS-Gruppierungen haben. Die Luftschläge, so die Streitkräfte, seien eine Vergeltung für den Terrorangriff.
Syrien spricht von zivilen Opfern, Jordanien von Terroristen
Syrische Medien berichten hingegen, unter den Raketen der jordanischen Kampfjets seien mindestens 7 Zivilist:innen gestorben, unter anderem eine Frau, ein älterer Mann und 3 Kinder. Die syrische Regierung gab an, nicht im Vorfeld über die Luftangriffe informiert worden zu sein und drückte ihre Solidarität mit den betroffenen Familien aus. Man habe Kontakt mit den jordanischen Behörden aufgenommen, um den Vorfall zu klären, hieß es. Die jordanischen Streitkräfte betonten dagegen, sie hätten den Angriff „in Koordination mit der syrischen Regierung“ geführt.
Später bedauerte Kommunikationsminister Mohammed al-Momani die zivilen Opfer. Am Dienstag bekräftigte Amman, die jordanische Regierung pflege eine „brüderliche Beziehung“ zur Regierung in Damaskus, respektiere den syrischen Staat und strebe an, gemeinsame Herausforderungen zu meistern, vor allem im Kampf gegen die IS-Terrororganisation.
Nach den Luftangriffen schloss Syrien allerdings seinen Grenzübergang zu Jordanien, wie Medien und Augenzeugen berichten. Man wolle „aufgrund der aktuellen Umstände“ Reisende und Grenzpersonal schützen, so die Behörden.
Bisherige Angriffe Jordaniens galten Drogenschmugglern
Ob der Angriff tatsächlich koordiniert war und wie viele Menschen dabei starben, ist schwer zu sagen. Auf syrischer Seite gab es bislang keine Hinweise, dass Terroristen getötet wurden. Sicher ist, dass die Regierung des syrischen Präsidenten Ahmed al-Scharaa wegen der Lage in Südsyrien gerade unter Druck steht, und zwar an mehreren Fronten. Im Westen wühlen Razzien und Angriffe Israels die Bevölkerung auf. Jordanien wiederum hat wiederholt Luftangriffe im Süden geflogen, bisher allerdings eher gegen Drogenschmuggler.
In den drusischen Regionen haben sich Kämpfergruppen unter Führung von Scheich Hikmat al-Hijri zusammengetan. Syrien beschuldigt die israelische Regierung, die drusischen Milizen mit Waffen und Geld zu unterstützen, um Chaos zu stiften und das Land zu destabilisieren.
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