"Kein Beweis für Suizid": Pathologe will Epsteins offizielle Todesursache widerlegen

"Kein Beweis für Suizid"Pathologe will Epsteins offizielle Todesursache widerlegen
09.10.2026, 15:10 Uhr
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Im August 2019 wird der verurteilte Sexualstraftäter Jeffrey Epstein tot in seiner New Yorker Gefängniszelle aufgefunden. Offizielle Todesursache: Suizid. Ein Rechtsmediziner zweifelt daran und will passende Beweise liefern. Hilfe bekommt er dabei von Epsteins Bruder.
Seit Jeffrey Epstein am 10. August 2019 leblos in seiner Gefängniszelle aufgefunden und später Suizid als Todesursache festgestellt wurde, ranken sich etliche Verschwörungserzählungen um den Sexualstraftäter. Während einige glauben, Epstein sei womöglich noch am Leben, zweifeln andere am offiziellen Todesgrund. Im Mai soll die Veröffentlichung eines Abschiedsbriefs diesen beweisen. Doch nicht alle sind überzeugt.
So auch der US-Rechtsmediziners Michael Freeman, der in dem Schreiben keinen Beleg für die Darstellung der Behörden sieht. "Selbst wenn er den Brief geschrieben hat - wovon ich nicht überzeugt bin - beweist er keinen Suizid", sagte der Mediziner der "Times". Es komme immer wieder vor, dass Menschen Abschiedsbriefe schreiben, "ohne dann Suizid zu begehen".
Gegenüber dem britischen Boulevardmedium "Metro" sprach Freeman zudem von Hinweisen, die auf einen möglichen "Kampf" hindeuten könnten. Neben Spuren der Schlinge, mit der Epstein sich erhängt haben soll, wurden bei der Obduktion auch mehrere Halsfrakturen festgestellt.
"Diese Verletzungen können unmöglich durch eine Schlinge verursacht worden sein", meint Freeman. Außerdem habe Epstein Gesichtsverletzungen gehabt, "die eindeutig nicht durch Wiederbelebungsmaßnahmen verursacht wurden. Als man versuchte, ihn wiederzubeleben, war er bereits stundenlang tot."
Bruder befeuert Mord-Spekulationen
Seine Behauptungen stützt Freeman auf Dokumente, die ihm von Epsteins Bruder Mark zur Verfügung gestellt wurden. Dieser hatte in der Vergangenheit immer wieder Zweifel an den Informationen der Behörden geäußert und Spekulationen über ein mögliches Mordkomplott befeuert. Wie auch Freeman glaubt er nicht, dass die Verletzungen am Leichnam seines Bruders von dessen Suizid stammen.
Zunächst hatte Mark Epstein den Suizid seines Bruders noch für möglich gehalten. Weil er annahm, dieser habe nicht den Rest seines Lebens hinter Gittern verbringen wollen. Doch seine Annahme sei ins Wanken geraten, als Epsteins Familie Dr. Michael Baden einschaltete. Der Rechtsmediziner sollte für sie die Autopsie unabhängig begleiten - und äußerte schließlich Zweifel an einem Selbstmord. Ihm zufolge seien die Arten von Halsfrakturen, die bei Epstein festgestellt wurden, bei Tötungsdelikten durch Strangulation viel häufiger als beim Erhängen.
"Es ist offensichtlich, dass dem New Yorker Gerichtsmediziner bei der Feststellung der Todesursache ein schwerwiegender Fehler unterlaufen ist", so Freeman. "Ich schlug Mark vor, die Autopsie-Befunde zu untersuchen, sofern er sie mir zur Verfügung stellte und mir die uneingeschränkte Veröffentlichung gestattete."
Akten sollen veröffentlicht werden
Wie die "Times" berichtet, war Freeman bereits in mehreren Fällen von Todesfällen in Polizeigewahrsam als Sachverständiger tätig. So trat er etwa im Verfahren gegen Derek Chauvin auf. Der Polizist hatte den Schwarzen US-Amerikaner George Floyd im Jahr 2020 mit dem Knie im Nacken fixiert. Freeman sollte dabei helfen zu klären, ob Chauvins Vorgehen zu Floyds Tod beigetragen oder diesen gar verursacht haben konnte.
Die Ergebnisse seiner Untersuchungen der Epstein-Dokumente will Freeman im November an der juristischen Fakultät des University College London präsentieren. Im Anschluss will er die vollständige Akte des Gerichtsmediziners, einschließlich bislang nichtöffentlicher Teile, freigeben.
Auch Mark Epstein will nach London reisen, um bei der Präsentation dabei zu sein. "Ich habe Dr. Freeman alle Autopsieberichte, Fotos, Krankenakten und Weiteres zur Verfügung gestellt", sagte er. "Ich bin davon überzeugt, dass der Bericht belegen wird, dass er [Jeffrey Epstein] sich die Verletzungen nicht selbst zugefügt haben kann." Gegenüber "Metro" sagte Mark Epstein, er erwarte einen "bahnbrechenden" Bericht.
Freeman erklärte gegenüber dem Medium, er habe "keine Meinung" zu den Debatten und Verschwörungsmythen rund um Epsteins Tod. Es werde immer "Leute geben, die anderer Meinung sind" als man selbst. Er wolle den Bericht veröffentlichen, damit sich die Welt selbst ein Urteil bilden könne.
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