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Saturday, September 5, 2026

Kiew unter Dauerbeschuss – SRF-Korrespondentin: «Zivilbevölkerung wird maximal terrorisiert»

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Die ukrainische Hauptstadt Kiew wird immer mehr zur Stadt an der Front. Nicht weil russische Truppen so weit in die Ukraine eingedrungen wären, sondern weil sie mit neuen Drohnen angreifen und ihre Ziele ausgeweitet haben. Osteuropa-Korrespondentin Judith Huber erklärt die aktuellen Ereignisse.

Judith Huber

Osteuropa-Korrespondentin

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Vor ihrer Tätigkeit als Osteuropa-Korrespondentin war Judith Huber als Sonderkorrespondentin für die Ukraine und als Auslandredaktorin tätig. Sie war zudem jahrelang Produzentin der Sendung «Echo der Zeit» von Radio SRF. Judith Huber befasst sich seit Jahren mit Osteuropa und Russland und mit anderen Ländern des postsowjetischen Raums. Sie spricht sowohl Russisch als auch Ukrainisch.

Was ist das Neue an diesen Drohnen?

Russland hat es geschafft, Drohnen mit Düsenantrieb zu entwickeln und im grossen Stil herzustellen, die viel schneller fliegen. Gegen sie hat die Ukraine noch kein wirksames Gegenmittel gefunden. Bei den bisherigen Drohnen gelingt es der ukrainischen Flugabwehr inzwischen, bis zu 95 Prozent unschädlich zu machen. Das klappt nun nicht mehr. Russland schiesst diese neuen sogenannten reaktiven Drohnen praktisch rund um die Uhr auf die Ukraine ab, im Moment vor allem auf die Hauptstadt Kiew. Hinzu kommen Raketen und Marschflugkörper. Seit einer Woche lebt die ukrainische Hauptstadt mit Luftalarm mit dauernden Explosionen, Zerstörung, Verletzten und Toten.

Ist ständiger Luftalarm die neue Normalität?

Ja, zurzeit leider schon. Und man rechnet damit, dass es so weitergeht. Der Daueralarm hat gravierende Auswirkungen, auch auf den Alltag. Die Menschen können nicht mehr schlafen, sie können nicht mehr arbeiten. Es ist wirklich unerträglich. Der öffentliche Verkehr wird massiv gestört. Busse und Trams sind faktisch lahmgelegt und auch Züge verspäten sich extrem stark.

Grosses Gebäude mit starkem Rauch und Feuerwehrleuten bei Einsatz.
Legende: Am 3. September traf eine russische Drohne ein Gebäude in der Region Kiew. REUTERS/Anatolii Stepanov

Welche Ziele greift Russland an?

Russland nimmt vermehrt die zivile Infrastruktur und Logistik ins Visier, in den letzten Tagen besonders stark die Verteilzentren, die die Supermärkte mit Lebensmitteln beliefern. Stark unter Beschuss ist die Bahn. Vorgestern schlug eine Rakete in ein Lokomotivdepot ein, sechs Arbeiter starben. Ausserdem wurden Millionen Bücher zu Asche gebombt, ein Lager mit Medikamenten zerstört, auch Häfen sind Ziel. Sogar Supermärkte selbst hat Russland kürzlich angegriffen, am helllichten Tag.

Was will Russland damit bezwecken?

In erster Linie geht es darum, die Zivilbevölkerung maximal zu terrorisieren und einen normalen Alltag zu verunmöglichen. Das sagen russische Propagandisten inzwischen offen. Weil die russischen Streitkräfte an der Front aber kaum vorankommen, werden die Angriffe an der zweiten Front, sozusagen der Front des Alltags und des zivilen Lebens, intensiviert. Das hat zur Folge, dass die Zahl der zivilen Opfer noch weiter in die Höhe schnellt.

Sind die Angriffe eine Vergeltung für ukrainische Angriffe?

Moskau stellt dies gerne so hin. Damit will Russland die Schuld für die derzeitige Eskalation der Ukraine zuschieben. Tatsache ist aber, dass Russland die Ukraine seit viereinhalb Jahren unablässig angreift. Die Ukraine verteidigt sich und versucht nun, den Krieg auch auf russisches Territorium zu tragen. Ausserdem hat Russland seit Kriegsbeginn regelmässig zivile Infrastruktur angegriffen, ganze Städte zerbombt, unglaublich viele Zivilpersonen getötet und auch ukrainische Unternehmen ins Visier genommen. Das ist nichts Neues. Lediglich die Intensität der Angriffe ist neu. Aber das ist keine Vergeltung. Das ist eine bewusste Eskalation vonseiten Russlands, die sich durch nichts rechtfertigen lässt.

Selenski kündigt Einsatz KI-gesteuerter Drohnen an

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Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski hat angekündigt, bald KI-gesteuerte Drohnen auf Moskau und St. Petersburg loszusenden, um den zivilen Luftverkehr zu stören.

Wie ernst diese Drohung ist, ist laut Judith Huber noch unklar. «Aber es ist nicht auszuschliessen, dass die Ukraine dies tun wird. Nur schon die Ankündigung hatte einen Effekt.» Bereits gestern hätten Fluggesellschaften, vor allem türkische, ihre Flüge nach Russland kurzfristig annulliert.

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