Nations League: Wie nachhaltig ist Italiens neue Euphorie?
Zwei Tage nach dem 4:1-Kantersieg in der Türkei machte Italiens Nationaltrainer Roberto Mancini mit zwei Videos auf Instagram von sich reden. Der erste Zusammenschnitt zeigt mehrere Pass-Stafetten vom überraschend überzeugenden Auftritt der Azzurri am zweiten Spieltag der Nations League - darunter die sehenswerten Entstehungen der Tore zum 2:0 und 3:0. Die Texteinblendung "Italy might be back" ("Italien könnte zurück sein") ist eher kein Zufall.
Auf dem zweiten Video ist der 61 Jahre alte Mancini selbst zu sehen, wie er energisch an der Seitenlinie dirigiert, während er den Regenmassen von Bursa trotzt. "Gratulation, Ragazzi, ihr habt euch das verdient", schreibt Italiens "Mister" dazu. Die Botschaft vor der Partie gegen Frankreich am Freitag (20:45 Uhr) in Paris: Sie könnte kaum klarer sein. Hier glaubt jemand an sein Team - und an das Projekt Neustart.
Italien hat nach dem enttäuschenden Auftakt gegen Belgien eine beeindruckende Reaktion gezeigt. Gegen die Türkei gewann die Squadra Azzurra überzeugend mit 4:1.
29.09.2026 | 2:58 minTifosi glauben wohl an die "Auferstehung der Azzurri"
Die Kommentare der Tifosi reichen zwar von "Freuen wir uns nach Jahren voller Desaster wirklich gerade so sehr über ein Spiel?" bis hin zu "Mister, wir können in Frankreich verlieren, solange wir so spielen". Viele andere Reaktionen verdeutlichen jedoch: Fußball-Italien hat offenbar Gründe gefunden, an die "Auferstehung der Azzurri" (La Repubblica) zu glauben.
Das ideenlose 0:2 gegen Belgien bei Mancinis Comeback als Commissario Tecnico am vergangenen Freitag hatte noch Schlimmes befürchten lassen - und erste Zweifel aufkommen lassen, ob der Europameister-Coach von 2021 der richtige Mann für Italiens Neuanfang nach der dritten verpassten WM in Folge ist.
Roberto Mancini ist zurück. Der Trainer, der Italien 2021 zum EM-Titel führte, übernimmt zum zweiten Mal die italienische Nationalmannschaft.
25.09.2026 | 2:20 minIn den Katakomben des Stadio Olimpico von Rom hatte Mancini längst nicht so entspannt gewirkt, wie es seine verständnisvollen Äußerungen ("Die Fans dürfen nach so einem Spiel enttäuscht sein und pfeifen") hätten vermuten lassen können.
Mancini wird für seinen Mut belohnt
Doch nach der in Teilen spektakulären Vorstellung Italiens gegen eine desolate türkische Elf darf sich Mancini bestätigt sehen - auch in seinem Credo, "gut und dominant" spielen zu wollen. Der Mann, der schon 2018 den Neuanfang der Nazionale anstrengte, wurde für seinen Mut belohnt, Stammkräften wie Nicolò Barella oder Gianluca Mancini eine Verschnaufpause zu geben - und stattdessen auf völlig unverbrauchte Kräfte zu setzen.
Italien verpatzt den Neustart unter Trainer Roberto Mancini. Gegen Belgien zeigen die Azzurri eine mäßige Leistung und unterliegen dem Team um Kevin de Bruyne.
26.09.2026 | 2:59 minVor allem das Foto der gemeinsam jubelnden Esposito-Brüder Pio und Sebastiano könnte bald für weit mehr als einen denkwürdigen Schnappschuss im Familienalbum taugen. Pio, der 21 Jahre alte Youngster von Serie-A-Meister Inter Mailand, gilt als größte Nachwuchshoffnung im Angriff des viermaligen Weltmeisters. Sein Kopfballtor zum 4:1-Endstand war sein sechster Treffer im elften Länderspiel.
Lobeshymnen für Debütant Kayode
Die größten Lobeshymnen holte sich aber Debütant Michael Kayode ab. Der 22-jährige Rechtsverteidiger vom Premier-League-Vierten FC Brentford rückte für Routinier Giovanni Di Lorenzo in die Startelf - und legte eine Energieleistung an den Tag, wie Italien sie seit den Tempoauftritten von Leonardo Spinazzola und Federico Chiesa beim EM-Triumph 2021 nicht mehr erlebt hatte. Fans hatten Kayode schon lange gefordert.
Für eine nachhaltige Welle der Euphorie ist es noch zu früh. Ein negatives Ergebnis beim WM-Vierten Frankreich - der im Stade de France von Saint-Denis turmhoher Favorit sein wird - könnte die Stimmung wieder trüben. Die Viererkette um Inter-Ass Alessandro Bastoni, der sich wie Mannschaftskamerad Federico Dimarco in einer Dreierkette wohler fühlt, wirkte auch gegen die Türkei nicht sattelfest.
Die kollektive Lust, am Kader der Zukunft zu basteln, ist derweil längst entbrannt. Die "Gazzetta dello Sport" veröffentlichte am Mittwoch einen Artikel mit "37 Jungs, die die Nazionale wieder nach oben bringen werden". Der Glaube an die eigenen Talente: In Italien scheint er alternativlos geworden zu sein.
ZDFsportstudio Update:Dein ZDFsportstudio Newsletter
Alle Highlights aus Bundesliga, Champions League und DFB-Pokal und die wichtigsten Nachrichten aus dem Sport.
KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.