Kosovo-Tribunal: 25 Jahre Haft für Ex-Präsident Thaci
Das Kosovo-Sondertribunal hat Ex-Präsident Thaci zu 25 Jahren Haft verurteilt. Er soll für Kriegsverbrechen Ende der 1990er Jahre verantwortlich sein.
16.09.2026 | 0:27 minEin Sondertribunal in Den Haag hat den ehemaligen kosovarischen Präsidenten Hashim Thaci schuldig gesprochen, für Kriegsverbrechen Ende der 1990er Jahre verantwortlich gewesen zu sein. Das Kosovo-Tribunal verhängte am Mittwoch eine 25-jährige Haftstrafe gegen Thaci wegen Mordes, Folter, grausamer Behandlung und willkürlicher Inhaftierung.
Der 58-jährige Thaci, der vor fast sechs Jahren sein Amt niedergelegt hatte, um sich den Anklagepunkten zu stellen, äußerte sich nicht, als der Vorsitzende Richter Charles Smith das Urteil verlas.
Für viele Kosovaren ist Thaci weiterhin Nationalheld
Thaci war zusammen mit drei weiteren ehemaligen Anführern der Kosovo-Befreiungsarmee UCK, die im Krieg von 1998 bis 1999 gegen serbische Truppen gekämpft hatten, wegen zahlreicher Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt worden.
In ihrer Heimat gelten sie vielen weithin als Nationalhelden. Tausende Menschen hatten sich am Wochenende in Pristina, der Hauptstadt des Kosovo, versammelt, um Unterstützung für die vier Männer zu bekunden.
Im Juni wurde im Kosovo ein neues Parlament gewählt: Die links-nationalistische Regierungspartei von Ministerpräsident Kurti wurde stärkste Kraft.
08.06.2026 | 0:21 minAnklage hatte 45 Jahre Haft gefordert
Die Anklage hatte für Thaci und die drei Mitangeklagten 45 Jahre Haft wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit während des Kosovo-Kriegs gefordert. Alle Angeklagten hatten auf nicht schuldig plädiert.
Das Gericht verurteilte alle vier Angeklagten wegen willkürlicher Inhaftierung und Folter von Hunderten Menschen sowie für 96 Morde. Von den Vorwürfen der Verbrechen gegen die Menschlichkeit wurden sie jedoch freigesprochen.
Thacis frühere Mitstreiter in der UCK erhielten ebenfalls langjährige Haftstrafen. Jakup Krasniqi wurde zu 25 Jahren, Kadri Veseli zu 18 Jahren und Rexhep Selimi zu 13 Jahren Haft verurteilt.
Das Kosovo, Albanien, Bosnien-Herzegowina, Nordmazedonien, Serbien und Montenegro bemühen sich um einen Beitritt zur Union.
04.06.2026 | 1:51 minMehr als 13.000 Menschen im Kosovo-Krieg getötet
Die albanisch-kosovarische UCK kämpfte im Kosovo-Krieg in den Jahren 1998 und 1999 für die Unabhängigkeit des Kosovo von Serbien. Das Kosovo-Sondertribunal untersucht Verbrechen der UCK während und nach dem Konflikt, vor allem an Serben, Roma und kosovo-albanischen Gegnern der Guerilla. Im Kosovo-Krieg wurden mehr als 13.000 Menschen getötet, die meisten von ihnen Kosovo-Albaner.
Thaci war im Jahr 2007 nach Wahlen zum Regierungschef des Kosovo ernannt worden. 2008 verlas er im kosovarischen Parlament die Unabhängigkeitserklärung des Landes von Serbien, was von Belgrad bis heute nicht anerkannt wird. Trotz Korruptionsvorwürfen blieb er in dem kleinen Balkanstaat eine zentrale Figur der Politik und wurde 2016 zum Präsidenten gewählt.
Thaci hat stets Fehlverhalten während des Kosovo-Krieges bestritten und den Konflikt als "gerechten" Aufstand gegen serbische Unterdrückung bezeichnet. "Politische Fehler in Friedenszeiten mag ich begangen haben, aber Kriegsverbrechen niemals", sagte er 2020.
Quelle: AP, AFP
Über das Thema berichtete ZDFheute Xpress am 16.09.2026 um 14:57 Uhr.
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