Dalipi über Shaqiri und einen möglichen Nationenwechsel

«Mein Traum? Für YB spielen!»
Dalipi über Shaqiri und einen möglichen Nationenwechsel
Lutfi Dalipi ist in der Super League eingeschlagen wie ein Komet. Welchen Rekord er knacken will, weshalb er nicht Goalie geworden ist und welcher Spieler ihn am meisten beeindruckt hat.
Publiziert: vor 28 Minuten
- YB-Leihgabe Lutfi Dalipi mischt mit Vaduz die Liga auf
- Unter Marc Schneider gab er in zehn Spielen neun Assists
- Er jagt Shaqiris Rekord und träumt weiter von YB
Stefan KreisReporter Fussball
Nein, wie ein typischer Goalie sieht Lutfi Dalipi (20) nicht aus, als er um die Mittagszeit durch die Vaduzer Altstadt schlendert. Trotzdem würde sich der Offensivkünstler zutrauen, in der Super League zwischen den Pfosten zu stehen. «Als unser Goalie Leon Schaffran im ersten Saisonspiel gegen Lugano vom Platz geflogen ist, habe ich sofort gesagt, dass ich einspringen könnte», verrät Dalipi mit einem Lächeln. «Als Jugendlicher wollte ich Goalie werden und bin bis in die U13 zwischen den Pfosten gestanden, aber mein Vater hat mir scherzhaft gesagt, dass er kein Spiel mehr von mir sehen komme, wenn ich mich für diese Position entscheide.»
Der Papa, obwohl überhaupt nicht fussballinteressiert, scheint ein gutes Näschen gehabt zu haben. Weil aus dem kleinen Jungen aus dem Kanton Freiburg der Senkrechtstarter der Super League geworden ist. Mit drei tritt er dem FC Billens bei und landet via Freiburger Kantonsauswahl bei YB. Dort ist er noch bis 2030 unter Vertrag. Für die erste Mannschaft aber hat der Edeltechniker noch nicht gespielt, in der letzten Saison kickte er leihweise in der Challenge League für den FC Wil, nun mischt er mit Vaduz die Super League auf.
Explosion unter Marc Schneider
Kam er in der letzten Saison für Wil in neun Spielen auf bloss einen Assist, hat er in dieser Spielzeit in zehn Spielen bereits neun Vorlagen gegeben. Was in erster Linie an FCV-Coach Marc Schneider liegt. «Er gibt mir alle Freiheiten, die ich brauche. Ich bin kein Spieler, der fix auf einer Position ist. Sondern ständig in Bewegung.»
Auf die Frage, ob er den Assistrekord der Super League brechen werde, antwortet Dalipi mit einer Gegenfrage: «Wer hat den Rekord?» Shaqiri mit 21 Vorlagen in der Meistersaison 2023/24. «Ich hoffe, dass ich es schaffe, diese Bestmarke zu knacken. Auch weil ich es bevorzuge, einen Mitspieler schön in Szene zu setzen, als ein simples Tor zu erzielen.»
Nicht ohne Grund ist Mesut Özil, einer der besten Vorlagengeber der Fussballgeschichte, eines seiner grossen Vorbilder. «Er war wie ich nicht der Schnellste und hatte allgemein keine überragende Physis, aber er sah die Lücken und seine Mitspieler», schwärmt Dalipi. Der beste Schweizer Spieler sei für ihn, wie könnte es anders sein, Xherdan Shaqiri.
Auch für Albanien und den Kosovo könnte der aktuelle U21-Nati-Spieler der Schweiz auflaufen, für Portugal, das Heimatland seiner Mutter, wäre er ebenfalls spielberechtigt. Gedanken an einen möglichen Nationenwechsel verschwendet er aber keine. «Am Ende kannst du es nie allen recht machen», so Dalipi, der zuletzt mit zig Klubs aus den europäischen Top-Ligen in Verbindung gebracht wurde.
Dalipi, der Fussballkünstler
Auf den entsprechenden Blick-Artikel angesprochen, antwortet Dalipi: «Den habe ich gelesen und mich sehr darüber gefreut. Das macht mich stolz.» Beeinflussen aber tun ihn die Gerüchte nicht gross. Weil seine mittelfristige Zukunft wohl im Wankdorf liegen wird. «Mein Traum ist es, irgendwann für YB zu spielen», sagt Dalipi. Wohl wissend, dass die Konkurrenz in Bern riesig ist und es erst einen Platz für das Eigengewächs gibt, wenn Alvyn Sanches den Klub verlässt.
Dass er im Wankdorf für Furore sorgen könnte, hat er im September bewiesen, als er trotz 2:4-Niederlage einen starken Auftritt auf den Kunstrasen legte. Dass YB eine andere Hausnummer ist als das beschauliche Ländle, ist Dalipi bewusst. Umso mehr geniesst er die Zeit im Rheinpark, wo der Druck gering ist und man noch unerkannt durch die Gassen der Stadt laufen kann.
Als Dalipi für Blick vor dem Kunstmuseum für ein Shooting posiert, fragen sich etliche Menschen, welcher Künstler das wohl sein mag. Dass es um Fussballkunst auf dem Rasen geht, ist den wenigsten bewusst. Spielt Dalipi so weiter wie in der aktuellen Saison, wird sich das bald ändern.
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | FC Lugano | 10 | 24 | 28 | |
2 | BSC Young Boys | 10 | 15 | 22 | |
3 | FC Sion | 10 | 6 | 19 | |
4 | FC St. Gallen | 10 | -2 | 16 | |
5 | FC Zürich | 10 | -4 | 14 | |
6 | Servette FC | 10 | 1 | 13 | |
7 | FC Basel | 10 | -3 | 13 | |
8 | FC Luzern | 10 | -5 | 12 | |
9 | FC Thun | 10 | -10 | 10 | |
10 | FC Vaduz | 10 | 0 | 9 | |
11 | Grasshopper Club Zürich | 10 | -13 | 8 | |
12 | FC Lausanne-Sport | 10 | -9 | 6 |
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